Benin
HOME
|
Unabhängigkeitstag
|
1. August 1960 (von Frankreich)
|
|
Fläche
|
112.620 km²
|
|
Bevölkerungszahl
|
8.532.000
|
|
Amtssprache
|
Französisch
|
|
Hauptstadt
|
Porto Novo
|
|
Staatsform
|
Republik
|
21.08.2010: Interview mit dem ehemaligen Präsidenten Dahomeys
Maximilian Mauer
Gegen Ende unserer Feldforschung ergab sich die Möglichkeit, mit dem 92-jährigen Émile Derlin Zinsou, dem ehemaligen Präsidenten Dahomeys zu sprechen. Trotz seiner relativ kurzen Amtszeit von Juli 1968 bis Dezember 1969 gehört Zinsou heute zu den meistgefragten und -geschätzten Gesprächspartnern Benins. Neben Mathieu Kérékou und Nicéphore Soglo ist er der einzige noch lebende Ex-Präsident Dahomeys bzw. Benins. ...
06.08.2010: Rückschau - Der 1. August en detail - Teil II: Die Jubiläumsparade - das Militär marschiert, den Zivilisten wird kurzerhand abgesagt
Maximilian Mauer
Die lang erwartete Militär- und Zivilparade am 1. August begann mit eineinhalb Stunden Verspätung. Lange bevor Präsident Boni Yayi eintraf, hatten sich schon 10 ausländische Staatschefs, Diplomaten, Militärs und andere Offizielle auf der Tribüne eingefunden. Die Sonne brannte und jede Minute, die Yayi auf sich warten ließ, zog sich zäh in die Länge. Gegen 11:40 Uhr schließlich ertönten erste Alarmsirenen, die die Ankunft der präsidentiellen Flotte verkündeten. Begleitet von sechs Polizeimotorrädern und mindestens ebenso vielen schwarzen, mächtig wirkenden Geländewagen, hielt der Präsident Einzug. Endlich ging es los, und die Erleichterung und Vorfreude der Anwesenden war spürbar. ...
06.08.2010: Rückschau - Der 1. August en detail - Teil I: Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal
Marie-Christin Gabriel
Das im Fünf-Minuten-Takt geplante Programm für den 1. August 2010 sah für 9:35 Uhr vor, dass Präsident Boni Yayi am Kriegerdenkmal, dem monument aux morts, einen Kranz zum Gedenken an die gefallenen Freiheitskämpfer niederlegt. Zusammen mit einer Handvoll Journalisten fanden wir uns rechtzeitig um 9 Uhr am Platz der Republik ein, um gemeinsam mit einer kleinen Militärkapelle und einigen Offizieren auf die Ankunft des Präsidenten zu warten. ...
06.08.2010: Rückschau - Der 31. Juli en detail: Die präsidiale Ansprache an die Nation am Vortag der Unabhängigkeitsfeier
Julius Liebisch
"Béninoises, Béninois, chers compatriotes" - "Beninerinnen, Beniner, geliebte Landsleute" -- Mit diesen Worten eröffnete Boni Yayi, Präsident der Republik Bénin, am 31. Juli 2010 seine Rede an die Nation und die Feier zum Cinquantenaire der Unabhängigkeit. Auf dem Platz der Republik, dem ehemaligen Platz der französischen Gouverneure, hatte sich ein buntes Publikum aus ehemaligen Ministern, aktueller Regierung, beninischen Königen und deren Hofstaat, Militärs, Offiziellen aus der lokalen und nationalen Verwaltung, internationalen Gästen und dem "einfachen" Volk versammelt, um den Staatschef sprechen zu hören. ...
02.08.2010: Endlich da, der große Tag: breites Begleitprogramm umrahmt Unabhängigkeitsfeier
Marie-Christin Gabriel, Julius Liebisch, Maximilian Mauer
Endlich war er da, der große Tag, auf den alle in den letzten Wochen hingearbeitet hatten, der 1. August. Die Bauarbeiten zur Stadtverschönerung anlässlich des Cinquantenaire wurden fast alle abgeschlossen oder waren so weit fortgeschritten, dass die Feierlichkeiten wie geplant stattfinden konnten. Die Stadtverwaltung hatte in den letzten Tagen dafür gesorgt, dass Porto-Novo für das Fest in neuem Glanz erstrahlt: Die Straßen wurden gefegt, die Nationalflagge allerorts gehisst, Bordsteinkanten neu gestrichen und zahlreiche Girlanden und Lichterketten angebracht. Nachdem die allgemeine Stimmung bisher wenig feierlich war, merkte man nun, dass der Stadt ein Großereignis bevorstand. ...
27.07.2010: Endstation der "Karawane des Cinquantenaire" erreicht
Marie-Christin Gabriel
Ein Polizeiwagen rast mit Volltempo und heulenden Sirenen durch die Straßen Cotonous, gefolgt von drei weißen VW-Bussen. Die Menschen auf den Straßen bleiben stehen und schauen dem wilden Gespann hinterher. Ratlosigkeit steht auf ihren Gesichtern geschrieben. "Was ist denn hier los?" Die "Caravane du cinquantenaire. Le tour du Bénin en 50 jours", die "Karawane des Cinquantenaire. Eine Reise durch Benin in 50 Tagen", hält Einzug in der Hauptstadt. ...
10.07.2010: Ein Labyrinth voller Komitees? - Teil II
Julius Liebisch
Die Mairie, also das Bürgermeisteramt der Stadt Porto Novo, richtete am 21. Oktober 2009 ein Komitee ein, welches die Anweisungen des CONAMO umsetzen und eigene Aktivitäten der Stadt rund um die offizielle Feier am 1. August organisieren soll. Wenigstens sporadisch darf ich die Arbeit dieses Komitees begleiten. ...
10.07.2010: Ein Labyrinth voller Komitees? - Teil I
Maximilian Mauer
Noch 22 Tage bis zum großen Ereignis. Das fünfzigjährige Jubiläum der Unabhängigkeit Benins rückt näher. Seit mittlerweile einer Woche begleite ich nun schon das Comité national des fêtes et manifestations officielles (kurz: CONAMO) bei seiner täglichen Arbeit. Auch wenn ich noch Schwierigkeiten habe, alle Einzelheiten der Organisation zu verstehen, will ich hier doch einen ersten Blick auf die staatlichen Institutionen werfen, die für die Organisation der Feiern verantwortlich sind. ...
12.06.2010: Une fête modeste - eine bescheidene Feier
Marie-Christin Gabriel, Julius Liebisch, Maximilian Mauer
"Dear ladies and gentlemen, we are about to arrive in Cotonou…" Die Stimme des Flugkapitäns reißt uns aus dem unruhigen Halbschlaf. Es ist dunkel draußen, 2:30 Uhr morgens. Die Stadt, diese Stadt, die uns für die nächsten Monate Heimat sein soll, ist erstarrt zu einem Meer aus vielen vielen kleinen Lichtern. Sie macht den Eindruck, als schlafe auch sie noch. Das Flugzeug senkt sich allmählich und mit einem kurzen, aber heftigen Ruck landen wir. Cotonou. ...
Hintergrund
Für Beniner ist das 50. Jubiläum der Unabhängigkeit, das in diesem August gefeiert wird, ein Anlass, über die aktuelle Politik zu diskutieren und auf die Vergangenheit zurückzublicken: "2010 hat Afrika ein Rendezvous mit der Geschichte", lautet eine von zahlreichen Schlagzeilen in den aktuellen beninischen Tageszeitungen.
Das erste Jahrzehnt nach der Erlangung der Unabhängigkeit unter Präsident Hubert Maga war durch Instabilität und politische Umbrüche geprägt: Zwischen 1960 und 1970 gab es zehn Präsidentschaftswechsel, darunter fünf gelungene und drei gescheiterte Militärputsche. 1972 putschte sich wieder das Militär an die Macht und verwandelte 1974 Benin in eine marxistisch-lenistische Volksrepublik. Unter Präsident Mathieu Kérékou wurde der Staatsapparat so ausgebaut, dass in den 1980er Jahren 80% des Staatshaushalts zur Bezahlung der Angestellten benötigt wurden. Die folgende Wirtschaftskrise und gesellschaftliche Unzufriedenheit zwangen Kérékou 1989 schließlich dazu, einen Runden Tisch einzuberufen und eine Mehrparteiendemokratie einzuführen. Die neue demokratische Verfassung wurde am 28. Februar 1990 verabschiedet – ein Datum, das in diesem Jahr zum nationalen Feiertag erklärt worden ist.
Der friedliche Übergang zu einem Mehrparteiensystem machte Benin zu einem Vorbild für erfolgreiche Demokratisierung in Afrika. Auch Kérékou hielt sich an die demokratischen Spielregeln. Nachdem er 1990 noch Nicéphore Soglo unterlegen war, gewann er die Wahlen von 1996 und 2001 und trat dann freiwillig von der politischen Bühne ab. 2006 wurde er im Präsidentenamt von Boni Yayi abgelöst, dem ehemaligen Vorsitzenden der Westafrikanischen Entwicklungsbank. Boni Yayi versprach die Bekämpfung von Korruption und Misswirtschaft, doch trotz einiger Anfangserfolge werfen ihm seine Gegner inzwischen genau diese Verfehlungen vor. Sie befürchten, dass der selbsternannte Reformer seine Ziele im Geflecht von Klientelismus, Korruption und Patronagenetzwerken zu vergessen droht.
Für zwei Probleme hat allerdings bisher keine Regierung, egal unter welcher Regierungsform, eine Lösung finden können. Zwar gilt Benin heute als eines der demokratischen Musterländer Afrikas, doch ist der Umbau zu einer produktiven Volkswirtschaft bis heute nicht gelungen. Und das Land prägt seit der Kolonialzeit ein tiefgreifender Kontrast zwischen Nord und Süd. Der Süden hat von der französischen Kolonialherrschaft in vieler Hinsicht − Infrastruktur, Bildungssystem etc. − stärker profitiert als der Norden, was bis heute andauernde Entwicklungsungleichgewichte zur Folge hat. Doch regionale Rivalität ist nicht auf die Nord-Süd-Konkurrenz beschränkt, sondern prägt auch die Beziehungen zwischen der offiziellen Hauptstadt Porto-Novo und der de facto Hauptstadt Cotonou, wo die Regierung ihren Sitz hat und die meisten Ministerien angesiedelt sind. Nicht zufällig gehört der Bürgermeister von Porto-Novo einer der größeren Oppositionsparteien an.
Die zentrale Feier des Cinquantenaire wird in Porto-Novo stattfinden und für die Organisation des Fests muss das von der Regierung eingesetzte Komitee CONAMO (Comité national des manifestations officielles) mit einer vom Bürgermeister von Porto-Novo geschaffenen lokalen Kommission zusammenarbeiten. 2011 finden Präsidentschaftswahlen statt und es ist abzusehen, dass die Unabhängigkeitsfeier zur Bühne für den Wahlkampf wird.