Dissertation Universität Mainz, 1999
In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, die Phylogenie der altweltlichen Melastomeae (Melastomataceae) zu rekonstruieren. Außerdem wurde die Gattung Melastoma L. auf ihre Monophylie geprüft und revidiert. Zur Rekonstruktion der Phylogenie der altweltlichen Melastomeae wurden morphologische Daten von allen 16 altweltlichen und sieben der 31 neuweltlichen Gattungen erhoben. Außerdem wurde das Choroplastengen ndhF von 23 altweltlichen und 12 neuweltlichen Melastomeae-Arten, neun weiteren Melastomataceae-Arten (aus jeweils 8 Gattungen) und drei Arten einer Myrtales-Außengruppe sequenziert. Zur Revision von Melastoma wurden auch morphologische Daten von über 900 Herbarbelegen gesammelt und ausgewertet, wobei auch multivariate Statistik verwendet wurde. Die Revision von Melastoma bezog auch die nahe verwandten Gattung Otanthera Blume mit ein.
Die kladistische Analyse der morphologischen Daten der Melastomeae führte zu fast völlig unaufgelösten Bumen, was auf viele konvergent entstandene Merkmalszustände hinweist. Für die Rekonstruktion der Phylogenie der Tribus wurden daher die molekularen Daten verwendet.
Die molekulare Phylogenie zeigte eine gute Auflsung des STRICT CONSENSUS-Baumes, doch wurden nur wenige Äste durch Bootstrap-Werten über 70 % unterstützt. Die Melastomeae sind nach diesem Baum monophyletisch bei Einschluß der Gattung Rhexia (Rhexieae). In den Melastomeae gruppieren auch die amerikanische Gattung Centradenia (deren Tribus-Zuordnung kontrovers war) und die asiatische Gattung Pseudodissochaeta (traditionell den Dissochaeteae zugeordnet). Die neotropische Tribus Microlicieae ist Schwestergruppe der Melastomeae, was zusammen mit der basalen Stellung der neotropischen Gattungen auf einen südamerikanischen Ursprung der Melastomeae deutet. Die altweltlichen Melastomeae scheinen monophyletisch aus den neuweltlichen entstanden zu sein und sich über Afrika nach Asien ausgebreitet zu haben. Nach den vorliegenden Daten ist Osbeckia polyphyletisch, whrend Dissotis und Melastoma - unter Einschluß von Otanthera - monophyletisch sind.
Bei der Revision wurden 22 Arten, zwei Unterarten und drei Varietäten anerkannt, zwei Arten wurden neu beschrieben. Hauptmerkmal zur Unterscheidung der Arten ist das Indument von Blättern und Hypanthien. Hierbei müssen Kombinationen von Merkmalen sowie kontinuierliche (quantitative) Merkmale verwendet werden, da die Einzelmerkmale fast unabhängig variieren. Vor allem die Art M. malabathricum zeigt große Variabilität. Aus diesem Grund ergaben auch die multivariate Analyse und die phylogenetische Verrechnung der Merkmale keine verwertbaren Ergebnisse. Ursachen der Merkmalsvariation könnten in der Ökologie der Gattung zu finden sein: Die meisten Melastoma-Arten sind Pioniersträucher und verbreiten sich über große Entfernungen, was zu partieller Isolation einzelner Populationen und nachfolgender Fixierung lokaler Merkmalskombinationen geführt haben kann.