Umweltbelastung durch künstliches Licht

 

 Prof. Dr. Gerhard Eisenbeis, Fachbereich Biologie, Institut für Zoologie 55099 Mainz, Deutschland
 Tel. ++49-6131-392-2574        Fax: ++49-6131-392-3835        E-Mail: Geisenbe@mail.uni-mainz.de

Im Februar 2002 fand in Los Angeles an der University of California eine Konferenz zum Thema 'Künstliche Beleuchtung in der Umwelt und ihre ökologischen Konsequenzen' statt:

Der genaue Tagungtitel lautete: Ecological Consequences of Artificial Night Lighting

Veranstalter war die Urban Wildlands Group und die Universität Kalifornien in Los Angeles: Kontakt über http://www.urbanwildlands.org/ .

Derzeit wird vom Veranstalter beim Island Verlag/USA ein Buch über diese Tagung vorbereitet mit dem gleichnamigen Titel.


Mit Los Angeles - Syndrom bezeichnet man die ungehemmte Entwicklung einer Megacity in die Fläche. Damit einher geht die Zunahme des Lichtglockeneffekts und der urbanen Lichtverschmutzung - 'urban light pollution'. Interessant in diesem Zusammenhang sind historische und aktuelle Nachtaufnahmen von LA vom Mount Wilson, die das Ausmaß des Lichtermeeres in dieser Stadt verdeutlichen. Nach Konferenzende besuchte ich zusammen mit meiner Frau den Mount Wilson, um den Aufnahmen von 1908 und 1988 eine weitere für 2002 hinzuzufügen.

Los Angeles bei Nacht

 

 Negativbeispiele   Außenbeleuchtung

Positivbeispiele   Außenbeleuchtung

Schalter noch nicht in Funktion !!!

 

Weitere Links zum Thema Lichtverschmutzung - 'light pollution':       

http://www.lichtverschmutzung.de/  und   http://www.physik.uni-osnabrueck.de/~ahaenel/darksky/intro.htm

Die Aufnahme zeigt einen von drei Standorten: ein Neubaugebiet in der Ortslage Sulzheim bei Nacht, beleuchtet mit Natriumdampfhochdruck- und Quecksilberdampfhochdrucklampen 

  Im Jahre 1997 fand im Raume Wörrstadt ein Projekt statt mit folgendem Titel: 

'Zur Anziehung nachtaktiver Insekten durch Straßenlaternen - eine Studie kommunaler Beleuchtungseinrichtungen in der Agrarlandschaft Rheinhessens'

Projektpartner waren: 

  • BUND Kreisgruppe Alzey-Worms,
  • Elektrizitätswerk Rheinhessen (EWR) mit Sitz in Worms, 
  • Gemeinde Sulzheim bei Wörrstadt 
  • Institut für Zoologie der Universität Mainz, Arbeitsgruppe Prof. Dr. Gerhard Eisenbeis

 

Bisher ist an Veröffentlichungen erschienen: 

EISENBEIS, G. & F. HASSEL (1999): Attraction of nocturnal insects by street lights. – Zoology 102, Suppl. II 92.1: 81 (Abstract)

Eisenbeis, G. & F. Hassel (2000): Zur Anziehung nachtaktiver Insekten durch Straßenlaternen - eine Studie kommunaler Beleuchtungseinrichtungen in der Agrarlandschaft Rheinhessens. - Natur und Landschaft 75. Jg. 4: 145-156

Eisenbeis, G. (2001a): Künstliches Licht und Lichtverschmutzung - eine Gefahr für die Diversität der Insekten? - Verh. Westd. Entom. Tag 2000, 31-50, Löbbecke-Museum, Düsseldorf.
(= Manuskript zum Hauptvortrag auf dem Westdeutschen Entomologentag 2000)

Eisenbeis, G. (2001b): Künstliches Licht und Insekten: eine vergleichende Studie in Rheinhessen. - Schriftenr. Landespflege Naturschutz H. 67: 75-100.

Eisenbeis, G. (2002): Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere. - Essay Kompaktlexikon der Biologie, 262-265, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.

Die relevanten Parameter für die Anlockung von Insekten durch künstliche Lichtquellen sind:

die spektralen Eigenschaften der Lampen (UV und Blaugrün-Anteile erhöhen sehr die Attraktivität für Insekten). Als relativ insektenverträglich gelten Natriumdampflampen und möglicherweise neuentwickelte Metallhalogenlampen. Erstere zeichnen sich durch einen signifikant geringeren Energieverbrauch aus, weshalb sie als doppelt umweltfreundlich gelten.

die Geometrie bzw. Strahlcharakteristik der Leuchten:  wünschenswert sind zum Boden hin gerichtete und begrenzte Abstrahlwinkel. Erreicht wird dies durch himmelwärts gerichtete Abschirmungen und optische Einrichtungen in den Leuchtengehäusen, z.B. Spiegel, Reflektoren etc. Kugelleuchten verpuffen das Licht und saugen Insekten magisch über vergleichsweise weite Entfernungen an. 

Als weitere Möglichkeiten eines umweltgerechten Betriebes von Beleuchtungen sind intelligente Zeitschaltungen gefragt. Etwa von 23 bis 5 Uhr kann die Beleuchtungsstärke gedrosselt werden, wenn nicht eine vollständige Abschaltung möglich ist. 

Allerdings nützt die von der Konstruktion her umweltfreundlichste Lampe bzw. Leuchte nichts, wenn das Lampengehäuse undicht ist. Sie wird dann schnell zum Massengrab für Insekten, wie nachfolgende Aufnahmen eindrucksvoll belegen.

Schlecht gewartete Kastenleuchte auf einem Mainzer Sportgelände (eine unter vielen)

Das Leuchtengehäuse klafft ca. 1-2 cm offen, hineinfliegende Insekten verschmoren sofort durch die immense Hitze der Lampe

 

Von der Konstruktion her sind diese Doppelleuchten fortschrittlich, denn es sind Halbkugelleuchten. Allerdings nützt die günstigste Strahlcharakteristik nichts, wenn die Leuchtengehäuse undicht sind und somit wieder zu "Massengräbern" werden. 

Ferner werden diese Leuchten noch mit weißem Licht betrieben, was die Insekten umso mehr anlockt.

 

 

Das Thema der Lichtbelastung durch künstliches Licht in der Umwelt gewinnt in der letzten Zeit zunehmend an Bedeutung und die Rufe und Argumente für den Schutz der Natur vor Lichtüberflutung werden lauter. Das Zuviel an Licht in der Umwelt wird auch als "Lichtverschmutzung" bezeichnet. Verschiedene Bevölkerungsgruppen, die ein starkes Interesse am Vorhandensein lichtarmer Gebiete und dezidiert an Dunkelheit haben, sind sensibilisiert. Auch das Bundesamt für Naturschutz in Bonn und Leipzig hat Aktivitäten zu diesem Thema entwickelt, weshalb kürzlich eine eigene Fachtagung in der Internationalen Naturschutzakademie auf der Insel Vilm/Rügen veranstaltet wurde:

 
Auswirkungen von Fremdlicht auf die Fauna im Rahmen von Eingriffen in Natur und Landschaft
Ort: INA Insel Vilm Zeit: 6.12. bis 9.12.1999 Teilnehmerzahl: 21
Leitung: Leitung: Maritta Böttcher und Eva Bahner BfN Außenstelle LeipzigKarl-Liebknecht-Str. 143
04277 Leipzig
Tel. 0341-30977-28
Fax  0341-30977-40
E-Mail
boettcherm@bfn.de

Der Teilnehmerkreis setzte sich aus Vertretern verschiedener Forschungsgruppen sowie Fachvertretern aus Umweltämtern und Planungsbüros zusammen. Zoologen, Landschaftsplaner, -pfleger, Architekten und ein Vertreter aus dem Fachbereich Rechtswissenschaften der Universität Hamburg saßen an einem Tisch. Es ist geplant, das Ergebnis dieser Tagung zu veröffentlichen. Hierzu sollen künftig auch die Möglichkeiten des Internet verstärkt genutzt werden. Links zu den entsprechenden Seiten werden zu gegebener Zeit auf dieser Seite eingefügt.

Zur Beleuchtungssituation der Kommunen lässt sich feststellen, dass einige größere Städte die Probleme mit dem Licht bereits erkannt haben und entsprechend handeln. So werden in Mainz von den Stadtwerken Anstrengungen unternommen, teilweise eine umweltfreundliche Beleuchtungssituation zu schaffen. Weitläufige Straßenbereiche wurden auf Natriumdampflicht umgestellt, auch die Rheinbrücken erstrahlen weitgehend in dieser warmgetönten Lichtart. Als besonders umweltfreundlich in Sachen öffentlicher Beleuchtung muss die Stadt Augsburg bezeichnet werden, doch gibt es viele andere Gemeinden, die diesem Beispiel folgen.

Der Clou bei der ganzen Sache ist aber noch ein ganz anderer. Die Verwendung von Natriumdampflicht führt unter dem Strich zu einer bemerkenswerten Energieeinsparung. Grob gerechnet fallen pro Leuchte > 15,- € weniger Kosten pro Jahr an. Bei dem riesigen Leuchtenpark der Kommunen dürfte sich dies äußerst positiv auf ihr Budget auswirken. Das Thema berührt somit in höchstem Maße die Agenda 21, Energieeinsparung und Schutz der belebten Umwelt.

 

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