(Beryllium Trap for the Investigation of Nuclear charge radii)
Halo-Kerne sind kurzlebige neutronenreiche Kerne, die im Gegensatz zur klassischen
Vorstellung keine konstante Kerndichte besitzen. Sie bestehen vielmehr aus einem kompakten
Rumpfkern, der von einem oder mehreren schwach gebundenen Neutronen mit weit ausgedehnten
Wellenfunktionen "umkreist" wird (vgl. Gruppen Emblem). Die Wellenfunktionen sind dabei
soweit ausgedehnt, dass sie mehr Zeit außerhalb als innerhalb des attraktiven
Potentialtopfs der Kernbindungskräfte verbringen Damit sollten sie, nach klassischer
Vorstellung, eigentlich nicht gebunden sein. Halo-Kerne der leichtesten Elemente
(He, Li, Be) wurden in den 80er Jahren von Tanihata et al. bei Streuexperimenten nahe der
Neutronenabbruchkante entdeckt und wurden Gegenstand vieler Untersuchungen. Auch wenn in
den letzen Jahren bereits eine Vielzahl von Fragen beantwortet werden konnten sind andere
noch nicht ausreichend geklärt. Beispiele hierfür sind z.B. die Frage nach der
Neutronen-Korrelation im Halo und die Auswirkung des Halos auf den Rumpfkern.
Da der Kernladungsradius nur durch die Protonenverteilung des Kerns definiert ist bietet
er einen idealen Ansatz um die Struktur des Rumpfkerns losgelöst von den Halo-Neutronen
zu untersuchen. Der einzige modelunabhängige Ansatz den Kernladungsradius für kurzlebige
Isotope zu bestimmen ist die laserspektroskopische Messung der Isotopieverschiebung.
Bisher konnten nur zwei Arbeitsgruppen weltweit die Isotopieverschiebung der radiaktiven
Isotope der leichtesten Elemente bestimmen und daraus die Kernladungsradien extrahieren.
Eine Arbeitsgruppe am Argonne National Laboratory in den USA bestimmte die
Kernladungsradien für 6,8He (siehe Website), während
unsere Arbeitsgruppe am Helmholzzentrum für Schwerionenforschung GSI in Darmstadt den
Kernladungsradius von 11Li bestimmte
(siehe ToPLiS Experiment).
Voraussetzung für diese Projekte sind hochgenaue Rechnungen der atomaren Struktur der
Atome, die mit der notwendigen Genauigkeit derzeit nur für drei Elektronen-Systeme
durchgeführt werden können. Um die Ladungsradien von Be-Isotopen zu messen, muss man daher
Spektroskopie am Ion Be+ betreiben.
Abbildung 1: Illustration
des Halo-Kerns 11Be. Das Halo- Neutron umkreist den 10Be Kern in einem Abstand von ca. 7 fm.
Ein modifizierter Aufbau für kollineare Laserspektroskopie
(siehe COLLAPS Website) kombiniert mit akkuraten
Laser-Frequenzmessungen mit einem Frequenzkamm und hoch präzisen theoretischen
Berechnungen eröffnete die Möglichkeit den Kernladungsradius der Be-Isotope 7,10,11Be zu
bestimmen. Hierbei ist vor allem 11Be, der "Prototyp" eines Ein-Neutron-Halo-Kerns, von
Interesse (vgl. Abbildung 1).
Die Messungen fanden im Frühjahr/ Sommer 2008 an ISOLDE (Isotope Separator On-line Device)/ CERN
in Genf statt. Die Beryllium Isotope wurden resonant ionisiert, auf 50 keV beschleunigt
und dem COLLAPS (Collinear Laser Spectroscopy) Experiment zugeführt.
Die Genauigkeit in der Bestimmung der Isotopieverschiebung mittels kollinearer
Laser-Spektroskopie ist, gerade bei leichten Isotopen, durch die Ungenauigkeit der
Beschleunigungsspannung limitiert. Der Fehler der sich dadurch in der Isotopieverschiebung
für Beryllium ergibt ist ca. zwei bis viermal so groß wie die zu bestimmende Größe und
daher ist diese Technik in der herkömmlicher Form nicht anwendbar.
Abbildung 2: Zwei
Farbstofflaser werden bei 624 bzw. 628 nm betrieben und sind auf einen Frequenzkamm und
auf verschiedene Iod-Übergänge stabilisiert. Anschließend findet eine Frequenzverdopplung
statt, um den 2s -> 2p Übergang resonant bei ca. 313 nm anzuregen. Das Fluoreszenzlicht der
Ionen wird von 2 Photomultipliern detektiert.
Strahlt man allerdings einen zweiten Laser anti-kollinear ein und misst mit beiden Lasern
simultan den Übergang, so kann man, unabhängig von der Ungenauigkeit der
Beschleunigungsspannung, die Übergangsfrequenz bestimmen. Hierzu ist es nun allerdings
nötig die Frequenz der Laser absolut mit einer relativen Genauigkeit von mindestens 10-9
zu bestimmen (besser als 1 MHz), was in dieser Form nur durch den Einsatz eines
Frequenzkamms gewährleistet werden kann (vgl. Abbildung 2). Abbildung 3 zeigt einen
kleinen Ausschnitt des verwendeten Lasersystems.
Abbildung 3: Gezeigt
sind die zwei Farbstofflaser, die durch einen Nd:Yag gepumpt werden, sowie ein Teil der Iod-Stabilisierung (links).
Mit dieser Technik war es möglich die Kernladungsradien von 7,10,11Be mit einer
Unsicherheit besser als 1 % zu bestimmen. In der kommenden Ausgabe von PRL werden das
Experiment und die Ergebnisse im Detail beschrieben. Bis zur Veröffentlichung steht eine
pre-print Version unter http://arxiv.org/abs/0809.2607 zur Verfügung.
Aufgrund der geringen Produktionsraten von 12,14Be an ISOLDE konnten die
Übergangsfrequenzen bzw. die Isotopieverschiebung für diese Isotope nicht bestimmt werden.
Möglichkeiten diese Limitierungen durch den Einsatz des ISCOOL cooler und bunchers an
ISOLDE zu umgehen werden derzeit untersucht. Außerdem sind Messungen an lasergekühlten
Be-Ionen in einer linearen Paulfalle geplant, um die bisher erreichte Genauigkeit weiter
zu verbessern.
Studenten, die sich für Diplom- oder Doktorarbeiten in einem unserer Experimente
interessieren, können sich jederzeit melden
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