Allen akzeptierten Theorien zur Beschreibung von fundamentalen Wechselwirkungen in
der Natur liegt die invariante Lorentztranformation zu Grunde. Sowohl das Standardmodell
als auch die von Einstein postulierte Allgemeine und Spezielle Relativitätstheorie
basieren auf der Lorentztransformation. Da jegliche Abweichung von den Vorhersagen
der speziellen Relativitätstheorie direkte Auswirkungen auf das heutige Verständnis der
Natur zur Folge hätte, ist die Überprüfung ihrer Gültigkeit mit höchster Präzision von
besonderem Interesse.
Technischer Hintergrund
Schwerionenspeicherringe mit Elektronenkühlern erlauben die Speicherung von Ionen
mit relativistischen Geschwindigkeiten bei gleichzeitig exzellenter Ionenstrahlqualität.
Solche Speicherringe sind z.B. der Testspeicher-Ring (TSR) am Max-Planck-Institut für
Kernphysik in Heidelberg oder der Experimentier-Speicherring (ESR) am GSI Helmholtzzentrum
für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt. Kombiniert man die Qualitäten dieser
Speicherringe mit denen der Präzisionsspektroskopie so ist ein modernes
Ives-Stilwell Experiment, bei welchem die Zeitdilatation durch den transversalen
Dopplereffekt gemessen wird, durchführbar.
Experimente und Ergebnisse
Testspeicher-Ring (TSR) am Max-Planck-Institut
für Kernphysik in Heidelberg
Im TSR in Heidelberg wurden metastabile 7Li+-Ionen auf 3% bzw. 6.4% der Lichtgeschwindigkeit
beschleunigt und gespeichert. Diese Ionen haben einen Übergang im
optischen Frequenzband welcher den Ansprüchen der Präzisionsspektroskopie genügt.
Dieser Übergang wird von zwei Laserstrahlen die kollinear, parallel und antiparallel zur
Flugrichtung der Ionen ausgerichtet sind, angeregt. Die, durch den Dopplereffekt verschobenen,
Anregungsfrequenzen der beiden Laser werden mittels Sättigungsspektroskopie
simultan (für die jeweilige Ionengeschwindigkeit) bestimmt. Durch Vergleichen der
gemessenen mit den theoretischen Frequenzen wurde eine neue Obergrenze für Abweichungen
von der speziellen Relativitätstheorie mit 8.4 x 10-8 ermittelt.
Ref.: S. Reinhardt et.al Nature Physics 3 (2007) 861-864
(zur Pressemitteilung)
Aufbau mit Experimentier-Speicherring (ESR) am GSI Helmholtzzentrum für
Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt - klicken für größere Version
Das nächste Ziel ist es das Experiment am ESR in Darmstadt bei einer Ionengeschwindigkeit
von 34% c durchzuführen. Durch die größere Geschwindigkeit steigt die
Empindlichkeit auf Abweichungen um mehr als eine Größenordnung. Erste Messungen
am ESR haben bereits das Potenzial für die Verbesserung der Obergrenze gezeigt.
Ref.: C. Novotny et.al Hyperfine Interactions 171 (2006) 57-67
Entwicklung der Wellenlänge in Abhängigkeit von der
Ionengeschwindigkeit - klicken für größere Version
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