BANERJEE, Arun
Inst. für Geowissenschaften, Universität Mainz, 55099 Mainz
EINLEITUNG
Schmuck und Gebrauchsgegenstände aus vorgeschichtlicher Zeit, wie sie u.a. als Grabbeigaben verwendet wurden, weisen darauf hin, daß der Werkstoff Elfenbein bereits vor Jahrtausenden sowohl dem Künstler als auch dem Handwerker gleichermaßen imponiert hat. Die Vorliebe für Elfenbein ist bei allen Völkern bis heute erhalten geblieben.
Da Elfenbein in Europa schon in der Antike besonders geschätzt war, kam dieses edle Material aus Asien und Afrika nach Europa. Zur hellenistischer und römischer Zeit, als Elfenbein ein vielfältig angewendetes Material des Luxus und der Amtswürde war, wurde es auf dem Seeweg aus Südindien importiert. Der Herkunftsnachweis von Elfenbein ist archäologisch von großer Bedeutung: Er kann dazu dienen, kulturhistorische Verbindungen zu früheren Zeiten zwischen den asiatischen und europäischen Ländern zu belegen. Der folgende Beitrag befaßt sich mit der Identifizierung und Herkunftsbestimmung von Elfenbein.
MATERIAL :
Neben Tierknochen wurden in der Antike hauptsächlich folgende Sorten von Elfenbein verwendet:
METHODE
ERGEBNIS
Durch Betrachtung von Form, Durchmesser und Krümmung eines ganzen oder halben Stoßzahnes kann geschätzt werden, ob es sich bei einem bestimmten Stück um indisches, afrikanisches Elfenbein oder um Mammutelfenbein handelt. Da es sich aber in den meisten Fällen um Bruchstücke eines Stoßzahnes handelt, müssen zur Materialuntersuchung die obengenannten Methoden (2 bis 6) herangezogen werden.
Wie bekannt, kann man anhand von Dünnschliffen unter dem Mikroskop den inneren Aufbau des Elfenbeins sichtbar machen: Der Längsschnitt eines Elfenbeins besteht aus alternierenden hellen und dunklen parallelen Linien, die Wachstumsschichten des Elfenbeins darstellen. Bei Mammutelfenbein sind diese parallelen Linien dichter gedrängt als bei Elefantenelfenbein. Angeschliffene Querschnitte der Stoßzähne zeigen überdies eine rosettenförmige Anordnung von hellen und dunklen Linien, den sog. Retziusīschen Linien. Bedingt durch die unterschiedlichen Krümmungen verlaufen diese Linien im Falle des Elefantenelfenbeins anders als beim Mammutelfenbein. Bei Mammutelfenbein bilden diese Linien einen spitzen Winkel (durchschnittlich 100°). Bei Elfenbein aus Indien ist der Winkel noch flacher (durchschnittlich > 120°).
Neben der mikroskopischen Untersuchung ist die Bestimmung der Eindruckshärte eine weitere Methode zur Identifizierung des Elfenbeins: Das Mammutelfenbein ist weicher als das Elefantenelfenbein. Die Härte von afrikanischem Elfenbein ist regional unterschiedlich. Es gibt ebenfalls Härteunterschiede zwischen afrikanischem und indischem Elfenbein.
Eine zusätzliche Bestimmungsmethode bei Elfenbein ist die Bestimmung von C, N und C/N mit Hilfe der Induktionsmethode. Das indische Elfenbein weist einen höheren Anteil an C auf: Indisches Elfenbein (C = 19%) Afrikanisches Elfenbein (C = 16%) Bleiben mikroskopische Untersuchungen ohne eindeutige Ergebnisse, kann die Infrarotspektroskopie eingesetzt werden. Die Hauptmasse des Elfenbeins, das Dentin, besteht bekanntlich aus Dahllit Ca10(PO4)6CO3.H2O und Kollagen. Anhand von IR-Spektren ist es möglich, indisches Elfenbein, afrikanisches Elfenbein und Mammutelfenbein eindeutig zu identifizieren. Bei Objekten, die durch Probenahme, wie z. B. bei der herkömmlichen IR-Spektroskopie nach der Kaliumbromid-Preßling-Methode, nicht zerstört werden dürfen, wird die IR-Reflexionsspektroskopie eingesetzt. Diese Methode wurde bei der Identifizierung von archäologischen Proben erfolgreich eingesetzt (Hampel und Banerjee, 1995; Banerjee und Schneider, 1996).
Die Ramanspektroskopie ist eine zusätzliche Methode zur Erkennung von verschiedenen Arten von Elfenbein. Anhand der Intensität des Peaks bei 1000 cm-1 kann man die drei Arten von Elfenbein identifizieren: Der Peak hat im Falle des indischen Elfenbeins eine höhere Intensität als bei afrikanischem Elfenbein. Beim Mammutelfenbein ist der Peak bei 1000 cm-1 kaum vorhanden.
SCHLUSSFOLGERUNG
Herkunftsnachweis und Identifizierung von Elfenbein hat nicht nur archäologisch, sondern in letzter Zeit auch für den Zoll an Bedeutung gewonnen. Die oben erwähnten Methoden werden vom Autor im Rahmen der Amtshilfe seit einigen Jahren bei der Untersuchung von vielen vom Zoll beschlagnahmten Elfenbeinobjekten mit Erfolg eingesetzt.
LITERATUR
Hampel, A. und Banerjee, A. (1995): Identifizierung und Differenzierung von Elfenbein
am Beispiel des merowingerzeitlichen Grabfundes aus dem Frankfurter Dom,
Arch. Korrespondenzblatt, 25, 143-153.
Banerjee, A. und Schneider, B. (1996): Römisches Elfenbein - zerstörungsfreie Materialprüfung mit optischen und spektralphotometrischen Methoden,
Kölner Jahrbuch 29, 331-342.