JADE

Bearbeitung

Eine wichtige Materialeigenschaft der Jade ist ihre große Zähigkeit, die durch ihre faserige Struktur verursacht wird. Jade ist so zäh, daß es schon fast unmöglich ist, einen Block davon einfach mit einem Hammer zu zerschlagen. Es wurde einmal versucht einen Jadeblock von 15 cm Kantenlänge sogar mit einem Dampfhammer zu zertrümmern. Am Ende des Versuchs blieb der Jadeblock unversehrt, der Dampfhammer aber war kaputt.

Berücksichtigt man die große Zähigkeit der Jade, kann man sich vorstellen, wieviel Mühe und Geschicklichkeit die Handwerker im alten China aufbringen mußten, um mit primitiven Geräten und Hilfsmitteln Schnitzereien, Axtklingen und Schalen aus Jade herzustellen. Die genauen Methoden der Jadebearbeitung sind nicht mehr bekannt. Aber es steht fest, daß man für die Anfertigung eines Kunstgegenstandes oft Jahre gebraucht hat. Ein besonderes Rätsel waren lange Zeit kleine Vasen aus durchscheinendem Jade, die eine nur wenige Millimeter messende Halsöffnung haben und innen weitbauchig ausgehöhlt sind. Reisende haben dann schließlich das Geheimnis ihrer Herstellung gelüftet : Die Chinesen füllten in die angebohrten Vasen Diamantkristalle und ließen sie durch kleine Wasserräder jahrelang in Umdrehung versetzen, wodurch sie sich von selbst innen aushöhlten.

Nomenklatur

Jade ist ein Sammelbegriff für zwei Minerale, Nephrit, ein Calziummagnesiumsilikat und Jadeit, ein Natriumtonerdesilikat.

Der Name sorgt oft für Verwirrung : Obwohl genaugenommen nur Nephrit und Jadeit als Jade bezeichnet werden dürfen, bezeichnet man auch andere grüne Steine aus Unkenntnis, aus traditionellen oder geschäftlichen Gründen als "Jade".

Jade und Religion in China

Die Chinesen bezeichneten Jade als Yu , Stein des Himmels. Im Taoismus war Jade das Symbol für die fünf Haupttugenden: Weisheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Bescheidenheit und Mut. Das taoistische Denken schuf die Voraussetzung für die Verbreitung des Buddhismus aus Indien nach China. Der Buddhismus beinhaltet Sinnbilder, die taoistisches Denken und Fühlen wiederspiegeln. Aus Jade wurden Buddhafiguren und Kultobjekte angefertigt.

Farbe

Die Farbe von Nephrit wird durch Spuren von Eisen verursacht. Dementsprechend ist Nephrit mit relativ viel Eisen grün und Nephrit mit sehr wenig Eisen hellgrün bis farblos.

Die Farben von Jadeit sind vielfältiger als die von Nephrit. Es gibt gelbe, rote, grüne, violette und schwarze Jadeite. Die Farbe der grünlichen Jadeite entstehen, ähnlich wie bei Nephrit, hauptsächlich durch Spuren von Eisen. Für die Farbe der beliebtesten smaragdgrünen Jadeite ("Imperial Jade") sind Spuren von Chrom, Nickel und Eisen verantwortlich. Die violette Farbe des Jadeits entsteht durch Mangan.

Kulturgeschichte

Jade hat eine große kulturhistorische Bedeutung. Sie hat die Menschen in Asien und Mittelamerika seit prähistorischen Zeiten bis heute durch viele Kulturepochen begleitet.

Jade in China

Die Chinesen waren schon vor 1000 Jahren vor Christi Geburt mit diesem "Stein" vertraut. Wie archäologische Funde zeigen, war die Verwendung von Jade vielfältig. In China wurden aus Jade außer Schmuck auch Waffen und Gebrauchsgegenstände hergestellt. Jade spielte bei den Chinesen auch im Totenkult eine wichtige Rolle. Man glaubte, daß Jade wegen ihrer magischen Eigenschaften einen Leichnam ewig bewahren würde und versah deshalb die Körperöffnungen des Leichnams mit Plättchen aus Jade. Um den Leichnams eines Kaisers oder einer Kaiserin vor Unheil zu schützen, wurde er bzw. sie mit einem Gewand aus Jade gekleidet und so zu Grabe getragen.

Jade in Mesoamerika

Ähnlich wie bei den Chinesen war Jade auch bei den Völkern Mesoamerikas ein symbolträchtiger Stein. Die Olmeken und die Maya verarbeiteten Jade zu Skulpturen, Platten, Schmuck und Zeremonienobjekten. Die Azteken nannten Jade "Chalchihuitl". Neben kultischen Objekten wurden aus ihr Amulette als "Heilsteine", besonders gegen Nierenleiden, hergestellt. Der Name "Jade" wurde aus dem Namen "Piedra de Ijada" = Lenden- oder Leistenstein abgeleitet. Ähnlich wie bei den Chinesen hatte die Jade auch bei den Mayas im Totenkult eine große Bedeutung. Sie legten dem Toten ein Plättchen aus Jade zwischen die Lippen.