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+ Englisch
erklärt

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Editor:
Dr. med.
H. Jastrow


Nutzungs-
bedingungen
Miniaturbildübersicht rote Blutkörperchen (Erythrocyti):
Bereits bezeichnete Abbildungen lassen sich durch Anklicken des Textes aufrufen!
Erythrocyt quer und
längs (Ratte)
Erythrocyt
Zellmembran (Ratte)
Zellmembranen sich be-
rührender Erythrocyten (Mensch)
Erythrocyten in
einer Venole (Ratte)
Erythrocytenstapel
in einer Kapillare (Ratte)
unterschiedlich angeschnittene
Erythrocyten (Mensch)
Erythrocyt in einer 
Kapillare (Herz, Affe)
Erythrocyt im
Flachanschnitt (Ratte)
Ausfilterung alter Erythro-
cyten in der Milz (Ratte)
Gasaustausch: Blut-Luft
Schranke (Lunge, Ratte)
unterschiedlich geformte
Erythrocyten (Mensch)
Flachanschnitte
(Mensch)
Zellmembran eines Ery-
throcyten (Gefrierbruch, Mensch)
Das rote Blutkörperchen (Terminologia histologica: Erythrocytus, englisch: erythrocyte) ist eine Zelle, die ihre Organellen komplett verloren hat. Sie hat die Form einer bikonkaven Scheibe mit einem maximalen Durchmesser von 7,2 bis 7,8 im Mittel 7,5 µm. Im Zentrum der Scheibe beträgt die Dicke eines roten Blutkörperchens ca. 0,8 µm, am Rand etwa 2,6 µm. Die Oberfläche eines Erythrocyten beträgt ca. 135 µm²; das Volumen ("mean corpuscular volume" = MCV) 82 - 96 µm³ (Femtoliter). Die Zelle ist sehr gut verformbar (elastisch), da sie nur ein sehr schwaches Zellskelett in Form von Intermediärfilamenten (überwiegend entlang der Zellmembran verlaufende Spektrinfäden) besitzt. Nimmt im zunehmenden Alter die Verformbarkeit ab, können die Erythrocyten nicht mehr schnell genug durch die engen Maschen im Netzwerk der roten Milzpulpa schlüpfen, dadurch werden sie von dort reichlich vorhandenen Freßzellen (Makrophagen) mittels Phagocytose abgebaut. Diese Zellen umgreifen dabei die roten Blutkörperchen mit ihrem beweglichen Fortätzen (Pseudopodien) und ziehen sie ins Zellinnere (= Phagocytose). Die dabei entstehenden großen Phagosomen verschmelzen mit primären Lysosomen, wodurch die darin enthaltenden Enzyme freigesetzt werden. Im Zuge des Abbaus der Erythrocyten wird das darin enthaltene Hämoglobin zu Bilirubin abgebaut.
Erythrocyten entstehen im roten Knochenmark im Zuge der Erythropose, die Vorläuferzellen lagern dabei zunehmend Hämoglobin ein und werden dadurch immer azidophiler während ihr Bestand an Ribosomen und anderen Zellorganellen stetig weiter abnimmt. Aus den Proerythroblasten gehen Erythroblasten, Makroblasten und Normoblasten hervor. Diese stoßen schließlich ihren Zellkern aus und werden dann als Retikulocyten bezeichnet. Durch weiteren Abbau des rauhen endoplasmatischen Retikulums reifen diese schließlich zu Erythrocyten heran und lösen sich aus dem Zellverband des Knochenmarks um in die Bultbahn einzutreten. Nur ein sehr geringer Teil der Retikulocyten tritt schon vorher ins Blut über, wo diese 0,4 bis 1,5 der Blutzellen ausmachen (20.000 - 75.000 / mm³. Hier dienen sie im Mittel 103 Tage (Lebensdauer: 74 bis 153 Tage)  dem Transport von Sauerstoff bzw. CO2. Diese beiden Verbindungen werden in den Zentren der über 1 Millionen Hämoglobinmoleküle im Cytoplasma roter Blutkörperchen gebunden. Dabei beträgt der mittlere Hämoglobingehalt (MCH = HbE) 26,5 - 33,5 Picogramm (= 1,64 - 2,08 Femtomol). Die Hämoglobinkonzentration im Blut (Hb) beträgt bei Frauen 12 - 16, bei Männern 14 - 18 Gramm pro Deziliter (= 140 bzw. 160 g/L). Normalerweise finden sich in 1 mm³ (entspricht 1 µl) Blut bei der Frau 4,2 - 5,4 und beim Mann 4,6 - 5,9 Millionen Erythrocyten (im Mittel 4,8 bzw. 5,4 x 1.000.000.000.000 pro L), die damit über 99% aller zellulären Bestandteile des Blutes ausmachen. Im gesamten Körper sind das bei einer durchschnittlichen Blutmenge von 5 Litern 25 Billionen rote Blutzellen, deren für den Athemgasaustausch zur Verfügung stehende Gesamtoberfläche 3.000 - 4.000 m² ausmacht. Die täglich ca. 200 Milliarden (ca. 0,8 % der Gesamtmenge) abgebauten Erythrocyten werden durch Neubildung wieder ersetzt. Der mittlere Gehalt an Hämoglobin in einem Erythrocyten wird als MCHC von "mean corpuscular haemoglobin concentration" bezeichnet und beträgt 30 Picogramm. Je nach den osmotischen Druck um die Erythrocyten, d.h. im Blut, können diese ihre Form verändern; ist er zu niedrig, resultiert ein eckiges Aussehen (Stechapfelform), ist er zu hoch, quellen die Zellen kugelförmig auf bis sie platzen, diesen Vorgang bezeichnet an als Hämolyse.
Für die Blutgruppeneigenschaften (ABO- und Rhesus System) sind die in der Zellmembran der Erythrocyten verankerten Glykoproteine der Glykokalix verantwortlich.

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Einige Bilder wurden von PD Dr. Klinger oder Prof. H. Wartenberg zur Verfügung gestellt, übrige Aufnahmen, Seite & Copyright H. Jastrow.