Abkürzungsliste
Vokabular
mikros-
kopische
Anatomie
Fachtermini
Deutsch
+ Englisch
erklärt

Alle publizierten Inhalte wurden eingehend geprüft, dennoch wird keine Haftung für Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben übernommen !

of this page

Editor:
Dr. med.
H. Jastrow


Nutzungs-
bedingungen
Faserknorpel (Cartilago fibrosa):
weitere Abbildungen in Vorbereitung!

Chondrozyt aus einem Menikus (Mensch)
Der Faserknorpel (Terminologia histologica: Cartilago fibrosa; englisch: fibrous cartilage, fibrocartilage) ist ein sehr derbes, festes, weißes Stützgewebe.
Vorkommen:
Faserknorpel kommt als stark druckabfedernder aber zugleich auch zugfester und gegen Scherkräfte resistenter Knorpel in den Menisken (Meniscus medialis und lateralis des Kniegelenks), Bandscheiben (Disci intervertebrales; jedoch nur im äußeren Bereich), weiteren Gelenkzwischenknorpeln (Disci articulationes wie: Discus interpubicus, Disci in folgenden Gelenken: Radioulnargelenk, Sternoclaviculargelenk, Kiefergelenk) und in manchen Fällen an besonders druckbeanspruchten Bereichen von Bändern vor. Gelegentlich kommt er auch im Ansatzbereich starker Sehnen am Knochen vor oder als Sesamknorpel (der auch verknöchern kann) z.B. in der Sehne des Musculus fibularis longus am Würfelbein. Faserknorpel hat im Gegensatz zu den übrigen Knorpelarten kein Perichondrium sondern geht in das angrenzende straffe Bindegewebe über, was bedeutet, daß sich seine Kollagenfasern direkt dorthinein fortsetzen. Im Bereich der Bandscheiben geht er in die dünne hyaline Knorpelplatte über, die zwischen Wirbelkörper und Faserknorpel liegt, ähnlich verhält es sich zumeist auch in der Schahmbeinfuge (Symphysis pubica), wobei im Alter die hyaline Knorpelplatte verknöchert. Der Knorpel ist beim Erwachsenen fast überall blutgefäßfrei und wird durch Diffusion ernährt. Die Ernährung kann sowohl von benachbartem Bindegewebe aus (Gelenkkapsel, Bänder) als auch über die Gelenkflüssigkeit (Synovia, bei Disci und Menisci) erfolgen. Durch Druck und anschließende Druckentlastung (intermittierenden Druck) wird die Diffusion des prallelastischen Knorpelgewebes deutlich verbessert wie z.B. bei Bewegungen der Wirbelsäule.
Entstehung und Aufbau:
Ab der 5. Woche finden sich in Embryonen lokale Verdichtungen des Mesenchymgewebes, die als Knorpelblasteme bezeichnet werden und in denen sich benachbarte Mesenchymzellen zu Chondroblasten umwandeln. In den Bandscheiben bildet sich der Faserknorpel um die Reste der Chorda dorsalis aus, die später den gallertigen Nucleus pulposus (Kern der Bandscheiben) bildet. Sobald die Zellen mit der Produktion von Knorpelmatrix beginnen, werden sie als Chondroblasten bezeichnet. Beim interstitiellen Wachstum des Knorpels während der frühen Knorpelbildung bilden die Chondroblasten Knorpelmatrix (Terminologia histologica: Matrix cartilaginea; englisch: cartilage matrix), wodurch sie auseinanderweichen und immer weniger Nährstoffe erhalten. Da Blutgefäße im 2. Lebensjahr im Bereich des Faserknorpels (der Bandscheiben) verschwinden werden die Zellen immer weniger stoffwechselaktiv und zu Chondrozyten, die nicht mehr zur Zellteilung fähig sind. Dabei bleiben am Ende die Tochterzellen, die aus einer Ursprungszelle hervorgingen, nebeneinander nur durch dünne Bereiche der perizellulären und territorialen Matrix (von den Zellen gebildete Interzellularsubstanz) getrennt liegen.
Solche Zellansammlungen, die von einer gemeinsamen aus extrazellularer Matrix gebildeten sogenannten interterritorialen Substanz (die größere Kollagenfibrillenbündel enthält, Terminologia histologica: Matrix interterritorialis; englisch: interterritorial matrix) umgeben sind, werden als isogene Gruppen (Terminologia histologica: Aggregatio chondrocytorum, Aggregatio isogenica; englisch: chondrocyte aggregate, isogenous aggregate) bezeichnet. Dabei erfolgt im Faserknorpel die Aneinanderlagerung ganz überwiegend in Längsrichtung (Terminologia histologica: Aggregatio axialis; englisch: axial aggregate). Die funktionelle Grundeinheit des Faserknorpels ist das Chondron (Terminologia histologica: Chondron; englisch: chondron) welches hier oft nur aus aus einer einzigen Knorpelzelle oder einer gesamten isogenen Gruppe, die im Falle des Faserknorpels meist 2 und nur selten 3 oder mehr Chondrozyten besteht (Kleinste Chondrone aller Knorpelarten). Zusammen mit dem sie umgebenden Matrixsaum, dem Knorpelhof (Terminologia histologica: Aggregatio coronaria; englisch: coronary aggregate)  bildet jedes Chondron ein Territorium. Als Knorpelhöhle (Terminologia histologica: Lacuna cartilaginea; englisch: cartilage lacuna) bezeichnet man den von einem Chondrozyten mit seinem Zytoplasma eingenommenen Hohlraum ohne die umgebende Matrix.
Die die Knorpelsubstanz abbauenden Chondroklasten (Terminologia histologica: Chondroclasti; englisch: chondroclasts) sind praktisch nie im Faserknorpel anzutreffen. Während im äußersten Bereich von Faserknorpel während des Körperwachstums (nur bis zum Ende der Pubertät) noch wenige Chondroblasten zu sehen sind, kommen im Inneren des Knorpels wegen der durch lange Diffusionsstrecken nur trägen Stoffwechsellage der Zellen nur Chondrozyten vor. Noch weiter Innen geht dieser im Falle von Bandscheiben allmählich in das gallertige Bindegewebe des Gallertkerns (Nucleus pulposus) über. Blutgefäße und Nervenfasern kommen im Faserknorpel nur gelegentlich und auch nur im Randbereich von Menisken oder dem Kiefergelenksdiskus vor.
Knorpelzellen:
Chrondroblasten (Terminologia histologica: Chondroblasti; englisch: chondroblasts) besitzen etwas mehr Zellorganellen als Chondrozyten (Terminologia histologica: Chondrocyti; englisch: chondrocytes) und weniger alpha-Glykogenpartikel sowie weniger Fetttröpfchen. Beide Zellarten haben ausgeprägtes rauhes endoplasmatisches Retikulum, welches zum Teil durch leicht elektronendichte Proteinansammlungen stark aufgeweitet sein kann, einige Golgi-Apparate und Sekretvesikel eine Reihe von Mitochondrien sowie ein paar Lysosomen. Ihr Zellskelett enthält Vimentin-Intermediärfilamente, Aktinfilamente ragen in seltene kurze Zellfortsätze hinein. Die Fetttröpfchen der Chondrozyten sind in der Regel deutlich kleier als die von hyalinen Knorpelzellen. Die leicht basophilen Zellkerne haben meist mehrere Nukleoli. Der Stoffwechsel der Chondrozyten ist aufgrund des geringen Sauerstoffgehaltes der Matrix (bedingt durch die weiten Diffusionsstrecken) überwiegend anaerob und glykolytisch, was zu einer hohen Mlichsäureabgabe in die umgebende Matrix führt.
Knorpelmatrix (Terminologia histologica: Matrix cartilaginea; englisch: cartilage matrix):
Die als Knorpelmatrix bezeichnete Zwischenzellsubstanz (Interzellularsubstanz, die auch der Extrazellularsubstanz entspricht) kann man in folgende Bereiche untergliedern: ganz innen, d.h. direkt um eine Knorpelzelle herum, findet sich die nur sehr dünne (unter 300 nm breite) perizelluläre Matrix (Terminologia histologica: Condensatio pericellularis; englisch: pericellular condensation). Sie besteht größtenteils aus feinfilziger Grundsubstanz, zeigt nur ganz wenige kleine Kollagenfibrillen auch wird auch als Knorpelkapsel bezeichnet. Sie ist aufgrund des hier hohen Gehaltes an Aggrecan (wichtigstes Proteoglykan mit einer Halbwertzeit von 5 bis ca. 30 Tagen) und Hyaluronan basophilUm sie herum liegt die territoriale Matrix (Terminologia histologica: Matrix territorialis; englisch: territorial matrix) die ein dichtes Netzwerk von 10 - 20 nm dicken Kollagenfibrillen aufweist und aufgrund des hier ebenfalls noch hohen Aggrecangehalts als basophiler Knorpelhof lichtmikroskopisch sichtbar wird. Die im Faserknorpel klar dominierende interterritoriale Matrix (Terminologia histologica: Matrix interterritorialis; englisch: interterritorial matrix) liegt zwischen den Chondronen und zeigt stets dicke Kollagenfasern, die aus Bündeln dickerer Kollagenfibrillen vom Typ 1 bestehen. Diese sind in Anlehnung an lokale Druckverteilungslinien ausgerichtet und besonders in Bandscheiben schalenförmig angeordnet, wodurch auch das für den Faserknorpel der Bandscheiben typische "Fischgrätenmuster" entsteht, denn dickere Lamellen mit nebeneinander parallel laufenden Fasern in Außenrichtung wechseln mit solchen, in denen die parallel liegenden Fasern in Innenrichtung zeigen. Da die Fasern ganz klar dominieren ist die Dichte der Chondrozyten im Faserknorpel am geringsten. In der interterritorialen Substanz kommt ganz deutlich weniger Aggrecan vor als bei hyalinen Knorpel, auch der Wassergehalt ist geringer. Wie der Name schon sagt dominieren im Faserknorpel die Fasern. Diese sind auch bei normaler Färbung im Lichtmikroskop als dicke sichtbare (also nicht wie im hyalinen Knorpel maskierte) Kollagenfasern deutlich zu erkennen.

--> elastischer Knorpel, hyaliner Knorpel, Bindegewebe, Stützgewebe
--> ortsständige Bindegewebszellen, Grundsubstanz, kollagene Fasern, Knochen
--> Elektronenmikroskopischer Atlas Gesamtübersicht
--> Homepage des Workshops


Aufnahmen, Seite & Copyright H. Jastrow.