Fakten und Zeitangaben zur
menschlichen Entwicklung
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Übersicht der Entwicklung
 
Mittlere normale Schwangerschaftsdauer: 38 Wochen = 266 ± 12 Tage (nach der Befruchtung)
Nach der Geburt (post partum)
Durch das Einsetzen der Atmung und die Entfaltung der Lungen (Pulmones) steigert sich abrupt deren Durchblutung.  Der Blutdruck im linken Vorhof (Atrium sinistrum) wird höher als der im rechten (Atrium dextrum), wodurch das bewegliche dünne Septum primum an das Septum secundum der Vorhofscheidewand gepreßt wird. Da sich die Druckverhältnisse normalerweise danach nicht mehr ändern, verwachsen die beiden Septem fest miteinander und das bisher bestehende Foramen ovale wird so geschlossen. Es bleibt davon nur eine Vertiefung in der rechten Seite der Vorhofscheidewand zurück, die Fossa ovalis. Bei rund 25 % aller Erwachsenen ist das Foramen ovale jedoch nicht vollständig verschlossen, allerdings ist dies in den allermeisten Fällen aufgrund der oben geschilderten Druckverhältnisse ohne funktionelle Bedeutung, lediglich große Defekte führen zu Problemen. Der Ductus arteriosus Botalli zwischen Lungenarterienstamm (Truncus pulmonalis) und Hauptschlagader (Aorta) verschließt sich innerhalb von 10 15 Stunden nach der Geburt. Dafür soll Bradykinin, das während der einsetzenden Belüftung der Lungen freigesetzt wird, verantwortlich sein, welches zur Kontraktion seiner Muskulatur führt, aber auch der Verlauf des Gefäßes selbst dürfte zu einer Abquetschung durch die Aorta führen. Gelegentlich bleibt der Ductus offen, was je nach Ausmaß von mehr oder minder großem Krankheitswert ist.
Die Markscheidenbildung um die Fasern des Sehnerven (Nervus opticus = II. Hirnnerv) wird erst etwa 10 Wochen nach der Geburt vollendet. Die Ausreifung der Photorezeptoren (Stäbchen und Zapfen) erfordert Lichtexposition und ist erst ca. 4 Monate post partum abgeschlossen. Die bei den meisten Neugeborenen zunächst blaue Regenbogenhaut (Iris) kann sich bei entsprechender Erbanlage noch braun verfärben, wenn im Pigmentepithel entsprechend viele Melaningranula ausgebildet werden und das Bindegewebe (Stroma) nicht zu dicht wird, was zu einer grauen Färbung führen würde. Bis zur 6. Woche nach der Geburt sind die Tränendrüsen (Glandulae lacrimales) noch recht klein und funktionell noch nicht aktiv.
Die Harnblase (Vesica urinaria) liegt anfangs im Bereich des Bauches (Abdomen); sie wird nach der Pubertät ihre endgültige Lage im Becken (Pelvis) erhalten.
Die Verknöcherung der Handwurzelknochen (Ossa carpi manus) beginnt erst im ersten Lebensjahr. Am Schädel verknöchert die hintere und sphenoidale Schädelnaht (Fontanelle) im 2. 3. Monat nach der Geburt, Die nahe dem Warzenfortsatz des Schläfenbeins gelegene Schädelnaht (Fonticulus mastoideus) schließt sich gegen Ende des 1. Lebensjahres, die zwischen den Stirnbeinen gelegene Naht (Sutura frontalis) erst im 8. Lebensjahr und die mittig von vorne nach hinten reichende (sagittale) und quer dazu verlaufende (coronale) Schädelnaht verknöchern erst nach der Pubertät. Die vollständige Verknöcherung der Wirbelbögen (Arcus vertebrae) erfolgt ab dem 3. Lebensjahr in der Lendenregion (Regio lumbalis) nach oben (cranial) fortschreitend. Im 3. 6. Lebensjahr verschmelzen dann die Wirbelbögen mit den Wirbelkörpern (Corpora vertebrorum). Erst in der Pubertät treten 5 sekundäre Verknöcherungszentren an den Wirbelkörpern auf: an den Spitzen der Quer- und Dornfortsätze (Processus transversi et spinosi) und 2 scheibenartige Wachstumsfugen (Epiphysen) an der Grund- und Deckplatte der Wirbelkörper. Mit ca. 25 Jahren sind alle Wirbel endgültig und vollständig verknöchert.
Das Knochenwachstum (Ossifikation) erlischt, sobald die Wachstum- oder Epiphysenfugen der betroffenen Knochen vollständig verknöchert sind, dies ist bei den meisten Knochen deutlich nach der Pubertät der Fall. In der Radiologie lassen sich Knochenkerne, der Ossifikationszustand besonders der Handknochen und Epiphysenfugen zur Altersbestimmung verwenden.
Die Skelettmuskulatur nimmt an Dicke und Länge sowie Kraft zu, jedoch bilden sich postnatal nahezu keine neuen Muskelfasern mehr aus. Einige der embryonal angelegten Muskelfasern gehen sogar zugrunde, da sie nicht benötigt werden.
Bei Neugeborenen Knaben wie Mädchen kann es zur kurzfristigen Bildung von Hexenmilch aus der Brustdrüse kommen, wenn mütterliche Hormone im Zuge des Geburtsvorganges in das Blut des Neugeborenen gelangt sind. Es sind in der Brustdrüse (Mamma) die Hauptausführungsgänge angelegt, die weitere Differenzierung erfolgt erst beim Einsetzen der Pubertät bei Mädchen, die endgültige Ausreifung erfolgt jedoch erst unter den hohen Östrogenspiegeln, die während einer Schwangerschaft auftreten.
Die Anlage des 2. bleibenden Backenzahns (Molaren) erfolgt ca. im 4. Monat nach der Geburt, die des 3. Molaren im 5. Lebensjahr. Das Zahnwachstum hält noch lange nach der Geburt bis ins Erwachsenenalter hin an. Dabei kann Schmelz nur bis zum Zahndurchbruch neu gebildet werden, weil damit die schmelzbildenden Zellen verloren gehen. Zahnbein (Dentin) wird ständig sehr langsam von den in der Pulpahöhle gelegenen Odontoblasten in Form des verkalkenden Prädentins nachgebildet, wodurch im Laufe des Lebens die Pulpahöhlen immer kleiner werden. Durch das Wachstum im Bereich der Zahnwurzeln hebt sich die Krone mehr und mehr aus dem knöchernen Zahnfortsatz (Alveole) und bricht schließlich durch die Mundschleimhaut. Der Zahndurchbruch erfolgt bei Mädchen früher als bei Knaben und im Unterkiefer früher als im Oberkiefer. Er beginnt in der Regel mit den unteren Schneidezähnen (Dentes incisivi) im 6. 8. Monat nach der Geburt. Die ersten Milchzähne fallen etwa im 6. Lebensjahr aus und werden durch die ersten bleibenden Zähne ersetzt. Die komplette Gebißbildung ist etwa zwischen dem 18. 24. Lebensjahr abgeschlossen.


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