Fakten und Zeitangaben zur
menschlichen Entwicklung
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Tag 27 (1. Monat, 4. Woche, Stadium 12), Scheitel-Steiß Länge: ca. 4,2 mm
23 26 Ursegmente (Somiten) sind gebildet. Nun ist am caudalen Ende des Embryos ein Schwanz sichtbar. Die hintere Öffnung des Neuralrohrs, der Neuroporus posterior verschließt sich. In der Histiogenese des Zentralnervensystems (ZNS = Rückenmark + Gehirn) sind aus vielen der rundlichen fortsatzlosen (apolaren) Vorläufer der Nervenzellen (Neuroblasten) bipolare (2 Fortsätze), unipolare (1 Fortsatz) und multipolare (3 oder mehr Fortsätze) Neuroblasten geworden, daneben finden sich auch schon die ersten reifen Nervenzellen (Neurone), die an der Ausbildung langer Fortsätze zu erkennen sind. Aus den Gliastammzellen (Glioblasten) bilden sich allmählich die weiter differenzierteren Vorläufer der funktionell aktiven Gliazellen in Form von Astroblasten, aus denen protoplasmatische und faserige Astrozyten werden, und Oligodendroblasten, die Vorläufer der später Markscheiden bildenden Oligodendrozyten. Daneben entstehen (allerdings erst viel später) an der Wand zu den Liquorräumen hochprismatische Ependymzellen, sobald die Mitoseaktivität sich hier reduziert hat. Aus dem umliegenden Mesenchymgewebe wandern mit dem Einwachsen von Blutgefäßen in das ZNS kleine Mesenchymzellen in das ZNS ein, wo sie sich in der Abwehr dienende Mikrogliazellen differenzieren. Am vorderen Ende des Neuralrohrs sind jetzt die 3 primären Hirnbläschen deutlich sichtbar, die den Anlagen von 1. Vorderhirn (Prosencephalon), 2. Mittelhirn (Mesencephalon) und 3. Rautenhirn (Rhombencephalon) entsprechen. Der Sehgraben (Sulcus opticus) hat sich vertieft und die umgebende Aussackung, das Augenbläschen, ist größer geworden. Im Ektoderm über dem Sulcus opticus und der Augenblase induziert diese eine Verdickung der Epithelschicht, die Linsenplakode.
Hinter der zweiten Kiemenfurche, einer Einsenkung zwischen dem 2. und 3. Kiemenbogen, hat sich das Ektoderm über der nun schon tiefer eingesunkenen Ohrblase wieder geschlossen.
Es sind jetzt 3 Kiemenbögen und die erste Anlage auch des 4. Kiemenbogenpaars sowie der Schlundtaschen erkennbar. Die seitlichen Zungenwülste vergrößern sich rasch, wachsen über das Tuberculum impar hinweg aufeinander zu und verschmelzen in der Mitte. An dieser Verschmelzungsstelle findet sich fortan die Zungenlängsfurche (Sulcus medianus linguae) und in der Tiefe eine bindegewebige Trennwand, das Septum medianum linguae. Die lateralen Zungenwülste bilden die bindegewebige Anlage der vorderen 2/3 der Zunge, während das Tuberculum impar nur einen geringen Beitrag zur definitiven Zunge leistet. Eine mediale Erhebung der Mundbucht wird unterhalb des Foramen caecum sichtbar, die Copula, ein Verbindungsstück der mittleren, vorderen (ventralen) Abschnitte des 2. Kiemenbogens. Unterhalb (Caudal) davon findet sich eine zweite Erhebung, der Hypobranchialhöcker (Eminentia hypobranchialis), der aus dem vorderen mittleren (ventromedialen) Mesoderm des 3. und 4. Kiemenbogens hervorgeht. Der von entodermaler Schleimhaut ausgekleidete primitive Rachen (Pharynx) ist oben (cranial) weiter als unten (caudal). Nach beiden Seiten hat er Aussackungen, die Pharynxdivertikel, die üblicherweise als Schlundtaschen bezeichnet werden und sich zu diesem Entwicklungszeitpunkt erkennen lassen. Die Lungenknospe ist nun als deutliche Aussackung (Divertikel) der Kehlkopf-Lungenrinne (Laryngotrachealrinne) zu erkennen.
Im Bereich des nach außen vorgewölbten Herzens findet man Anlagen der Herzklappen sowie der ersten Scheidewand (Septum primum) als Vorstufe zur Teilung des Herzens in 2 Kammern.
Die vordere (ventrale) und hintere (dorsale) Bauchspeicheldrüsenknospe (Pankreasknospe) haben sich vergrößert. Die ventrale Knospe, die am Gallengang (Ductus choledochus) hängt, verlagert sich mit diesem immer weiter nach dorsal, was durch die Rechtsdrehung des Zwölffingerdarms (Duodenum) mit verursacht wird. Die größere dorsale Pankreasknospe wächst immer tiefer in das dorsale Mesenterium des Duodenums ein.
Die Lungenknospen wachsen in den Gang zwischen Lungenfell und Herzbeutel (Ductus pleuropericardiacus) von innen mehr und mehr vor, während an der seitlichen (lateralen) Wand des Kanals je 2 Leisten entstehen. Die beiden oberhalb der Lungen liegenden, cranialen werden zu den pleuropericardialen Membranen. Die beiden unteren zu den Lungen- Bauchfell Membranen (pleuroperitonealen) Membranen, die später den hinteren, seitlichen (dorsolateralen) Teil des Zwerchfells (Diaphragma = Phren) verschließen, dessen übrige Anteile aus dem Septum transversum hervorgehen.
Neuriten der Ganglienzellen der Grundplatte des Rückenmarks bündeln sich zu den nach vorne seitlich (ventrolateral) auswachsenden Vorderwurzeln (Radices ventrales) der Spinalnerven, um sich den Spinalganglien anzulegen und von dort als Äste der Spinalnerven in die zum Segment gehörigen Myotome weiterzusprossen. Die noch bipolaren Ganglienzellen der Spinalganglien, die aus den inzwischen aufgelösten Platten der Neuralleiste hervorgegangen sind, lassen ihre peripheren, afferenten Fortsätze in die ihren Segmenten zugehörigen Dermatome aussprossen. Die Neuriten entsenden sie in Form kleiner Bündel zum hinteren seitlichen Rückenmark, wo diese einwachsen, um die Hinterhörner zu erreichen. Durch die Vereinigung der Impulse zum Rückenmark leitenden (afferenten) und Erregungen vom Rückenmark fortleitenden (efferenten) Fasern, die von den Spinalganglien in Richtung Körper (distal) verlaufen, entstehen die Spinalnerven (Nervi spinales). Diese sind nur wenige Millimeter lang und geben schon bald kleinere hintere (dorsale) Äste und längere, dickere vordere (ventrale) Äste ab.
Die ersten Hirnnerven sind nun erkennbar (Nervus trigeminus V, Gesichtsnerv = Nervus facialis VII, Hör- Gleichgewichtsnerv = Nervus vestibulocochlearis VIII und Nervus glossopharyngeus IX). Aus dem von der Neuralleiste stammenden Ganglion des Nervus trigeminus V wachsen Neuriten im Bereich der späteren Brücke (Pons) ins Endhirn (Metencephalon) ein, während ihnen entgegen die motorischen Fasern aus dem sich formierenden motorischen Kern (Nucleus) des Nerven am Ganglion nach peripher in den Bereich des Stirnfortsatzes und des 1. Kiemenbogens auswachsen, denen sich die afferenten Fortsätze der Ganglienzellen anschließen. Aus dem neu entstandenen Kern (Nucleus) des Nervus facialis VII wachsen Fasern in den Bereich des 2. Kiemenbogens ein. Später wachsen die Impulse fortleitenden Fortsätze (Neuriten) der Ganglienzellen des Knieganglions (Ganglion geniculi) am Nervus facialis entlang in das Gehirn ein. Das Ganglion stammt aus der Neuralleiste und enthält Zelleiber der Neuronen, die nach peripher in die vorderen zwei Drittel der Zunge einwachsen und für die dortige Geschmackswahrnehmung verantwortlich sind. Aus den aus der Neuralleiste stammenden Ganglien des Nervus vestibulocochlearis VIII entwickeln sich efferente Fortsätze (Neuriten) dicht neben dem auswachsenden Nervus facialis zur Basis des Gehirns vor, wo die Gleichgewichts- (vestibulären) Fasern die zugehörigen Kerne (Nuclei vestibulares) am Boden des IV. Ventrikels erreichen. Die Neuriten des Hörnerven (Pars cochlearis nervi vestibulocochlearis) gewinnen Anschluß an die Hörkerne (Nuclei cochlearis ventralis et dorsalis) des verlängerten Marks (Medulla oblongata), wo die 2. Neuronen der Hörbahn sich gebildet haben. Ebenso verhält es sich mit dem Ganglion des Nervus glossopharyngeus IX: den afferenten Fasern (Dendriten) sprossen motorische Fasern aus den zugehörigen Kernen der die Eingeweidemuskulatur steuernden (viszeromotorischen) Säule des Hirnstamms im Bereich des verlängerten Marks (Myelencephalon = Medulla oblongata) entgegen. Der Nervus IX wächst aus zahlreichen Wurzeln, die direkt unter der Innenohranlage (Ohrbläschen) die Medulla verlassen nach peripher in das Gebiet des ihm zugehörigen 3. Kiemenbogens weiter. Visceromotorische Fasern wachsen zum Ganglion oticum, von dem aus efferente (postganglionäre) Fasern zur Glandula parotis und den hinteren Zungendrüsen laufen. Begleitet werden diese von sensorischen Fortsätzen (Dendriten) der Ganglienzellen, die später der Geschmackswahrnehmung des hinteren Zungendrittels dienen.


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* Stadieneinteilung nach Carnegie