Fakten und Zeitangaben zur
menschlichen Entwicklung
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Tag 30 (1. Monat, 5. Woche, Stadium 13), Scheitel-Steiß Länge: ca. 6,0 mm
32 35 Ursegmente (Somiten) sind gebildet. Das Augenbläschen entwickelt eine zentrale Vertiefung, wodurch es sich allmählich zum Augenbecher (Cupula optica) umgestaltet. Der darüber liegende zentrale Teil der Linsenplakode (Placoda lentis) beginnt sich ebenfalls einzusenken, wodurch das Linsengrübchen (Fovea lentis) entsteht.
Im Bereich der Bandscheiben (Disci intervertebrales) hat sich inzwischen um den inneren Kern (Nucleus pulposus = Rest der Chorda dorsalis) überall ein aus druckstabilem noch primitiven Faserknorpel bestehender Ringfaserknorpel (Anulus fibrosus) ausgebildet.
Es kommt jetzt zu einem starken Wachstum des Gehirns und Kopfes sowie zur Entwicklung des Gesichts. Dabei kommt das Gesicht mit dem Herzwulst in Kontakt. Das Epithel der Riechplakode hat sich weiter verdickt. Direkt am Rand der Riechplakode proliferiert das Mesenchym und bildet so einen hufeisenförmigen Wulst, der in Richtung der Mitte des Stomadeum offen ist.
Um das Foramen caecum in der primitiven Zunge hat sich die Schilddrüsenknospe in die Tiefe des vorderen mittleren Halsbindegewebes eingesenkt.
In dorsalen Mesogastrium bildet sich die Milz (Splen = Lien) als Mesenchymverdichtung, in der Septen und Bindegewebsstränge neben blutbildenden Zentren zu finden sind. Der Mitteldarm hat nun ein recht langes dorsales Mesenterium, da er sehr schnell wächst, stülpt er sich im extraembryonalen Coelom weit in Richtung Nabel vor, wo er vorne in der Mitte über den Dottersackgang (Ductus omphaloentericus) mit dem sich rasch zurückbildenden Dottersack in offener Verbindung steht. Die direkte Verbindung vom intraembryonalen Coelom der Bauchhöhle zum extraembryonalen Coelom wird als physiologischer Nabelbruch bezeichnet. Ursache dafür ist die Enge in der Bauchhöhle, die auf die inzwischen relativ große Leber und die voluminösen Nieren zurückzuführen ist.
Die Anlage der Nebennieren (Glandulae suprarenales) entsteht, indem die Nebennierenrinde durch Wachstum (Proliferation) des Coelomepithels an der hinteren (dorsalen) Bauchwand zwischen dem Mesenterialstiel des Darms und der Urniere entsteht. Aus der Neuralleiste wandern Sympathikoblasten in Richtung dieser Anlage. Sie bilden später die sympathischen Ganglienzellen im Mark der Nebenniere.
Durch das Wachstum des Keimepithels sowie des darunterliegenden Mesenchyms entstehen an den medialen Seiten beider Urnieren längliche Vorwölbungen, die Genitalleisten. Die Urgeschlechtszellen sind schon bis in den Bereich des Enddarms vorgewandert, haben aber ihr Ziel (die Genitalleisten) noch nicht erreicht.
Aus dem Geschlechtshöcker (Tuberculum genitale) hat sich inzwischen der noch nicht geschlechtsspezifische Phallus entwickelt, der noch bei männlichen und weiblichen Embryonen gleich groß ist (noch indifferentes Stadium der Genitalentwicklung).
Aus dem Mesenchym der Umgegend der Prächordalplatte sind 3 präotische Myotome hervorgegangen, welche sich im Folgenden zu den Augenmuskeln entwickeln werden und von ihren Leitnerven, dem III. Hirnnerv (Nervus occulomotorius), IV. Hirnnerv (Nervus trochlearis) und dem VI. Hirnnerven (Nervus abducens) innerviert werden. Gemeinsam sind diese Strukturen schon ein Stück weit zu ihrem Ziel gewandert, wo sie sich zunächst oben hinter (craniodorsal) der Augenanlage zeigen. Der auswachsende XII. Hirnnerv (Nervus hypoglossus) gewinnt Anschluß an 4 paarige Hinterhaupts (occipitale) Myotome, von denen jedoch das erste bald wieder zurückgebildet wird. Er wird anschließend mit den Myotomen nach ventral und in die Tiefe, letztlich in die Zungenanlage einwachsen.
Der Grenzstrang (Truncus sympathicus) des unwillkürlichen (vegetativen) Nervensystems formiert sich aus Zellen aus der Neuralleiste, die sich jeweils in Höhe eines Segmentes im Brust (thorakalen) und Lenden (lumbalen) Bereich an der hinteren (dorsalen) Wand der Leibeshöhle in Form von miteinander verbundenen Ganglien zusammenlagern. Einige Zellen wandern nach vorn (ventral) vor die Bauchschlagader (Aorta abdominalis), wo sie vor der Wirbelsäule liegende (prävertebrale) Nervenzellansammlungen (Ganglien) ausbilden, stehen aber über die rechten und linken Nervi splanchnici majores und minores noch mit dem Grenzstrang in Verbindung. So entstehen z.B. das Ganglion des Sonnengeflechts (Ganglion coeliacum) und das Ganglion mesentricum superius. Andere Ganglien bilden mit Fasern auch des Parasympathikus vegetative Plexus aus z.B. den Plexus cardiacus des Herzens. Aus den Ganglien des Grenzstranges wachsen Fortsätze im Ramus communicans griseus zu den Spinalnerven und weiter ins Seitenhorn (Columna intermediolateralis) des Rückenmarks ein. Andererseits wachsen aus diesem Gebiet Rami communicantes albi zu den paravertebralen Ganglien aus oder direkt weiter von diesen in Form der Nervi splanchnici zu den prävertebralen Ganglien z.B. im Sonnengeflecht (Plexus coeliacus = Plexus solaris) hin.
Präganglionäre parasympathische Fasern bilden sich aus Kerngebieten des Hinstamms und entlang von Hirnnerven (III: Nervus occulomotorius, VII: Nervus facialis, IX: Nervus glossopharyngeus und X: Nervus vagus aus, um an peripheren, organnahen Ganglien zu enden, die aus der Neuralleiste stammen.


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* Stadieneinteilung nach Carnegie