Fakten und Zeitangaben zur
menschlichen Entwicklung
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Tag 32 (2. Monat, 5. Woche, Stadium 14), Scheitel-Steiß Länge: ca. 6,8 mm
Im Bereich der nun tiefer eingesenkten Augenbecher (Cupulae opticae) erkennt man ein dünneres äußeres und ein dickeres inneres Blatt, die aufeinander zuwachsen und den innen gelegenen Hohlraum, das Lumen, einzuengen beginnen. Aus dem inneren Blatt entwickelt sich das mehrschichtige Epithel der Netzhaut (Retina), während das äußere, dem Mesenchym anliegende Blatt einschichtig bleibt und das Pigmentepithel ausbilden wird. Der Hohlraum des Augenbecherstiels (Pedunculus opticus) wird als Ventriculus opticus bezeichnet und steht mit dem Hirnbläschenventrikel in Verbindung, während sich der Hohlraum zwischen den Becherblättern vorne zurückbildet. Im unteren Bereich ist der Becher nicht geschlossen, sondern bildet entlang des Augenblasenstiels eine Längsrinne, die Augenbecherspalte (= fetale Augenspalte). Durch diese dringen Gefäße und mesenchymales Bindegewebe in den Augenbecher ein. Die größten Gefäße werden Arteria und Vena hyaloidea genannt. Sie versorgen das innere Blatt des Augenbechers und das dortige Mesenchym. Die Linsengrube stülpt sich als rundliches Bläschen in den Hohlraum des Augenbechers ein und löst sich bald vom daneben zusammenfließenden Ektoderm, welches später zur Hornhaut (Cornea) werden wird.
Von der ersten Kiemenfurche ist nur noch ein rundlicher Gang übriggeblieben, der dem äußeren Gehörgang (Meatus acusticus externus) entspricht. An seinem Ende stößt das Ektoderm direkt an das Entoderm der Spitze des Recessus tympanicus, der aus der 1. Schlundtasche entstanden ist. Beide bilden hier gemeinsam das Trommelfell (Membrana tympani). Ganz in der Nähe sind die knorpeligen Anlagen der Gehörknöchelchen zu erkennen: Hammer (Malleus) und Amboß (Incus), die aus dem 1. Kiemenbogen stammen und Steigbügel (Stapes), der zum 2. Kiemenbogen gehört. Zwischen diesen Knochen bildet sich das sogenannte primäre Kiefergelenk aus, welches beim Menschen zu den Gelenken der Gehörknöchelchen umgewandelt wird. Durch Proliferation des 2. Kiemenbogens hat sich dieser inzwischen von außen über den 3. und 4. hinweggeschoben. Dadurch bleibt von außen neben der Einstülpung der 1. Kiemenfurche nur noch eine weitere Furche sichtbar, der Sinus cervicalis. Er führt zu den weiter innen gelegenen Einschnürungen der 2., 3. und 4. Kiemenfurchen. Seine Öffnung wird im weiteren Verlauf immer schmaler. Am oberen (cranialen) Ende der Kehlkopf-Luftröhrenrinne (Laryngotrachealrinne = Eingang in den primitiven Kehlkopf = Aditus Laryngis, der zur Lungenanlage führt), bildet sich rechts und links eine Längsfalte aus, die als primitive Stimmritze (Glottis) bezeichnet wird. Die Entwicklung des Kehlkopfes beginnt: Aus dem Entoderm der cranialen Abschnitte des laryngotrachealen Schlauchs (Tubus laryngotrachealis) und dem umgebenden Mesenchym des 4. und 6. Kiemenbogens bilden sich die Kehlkopfwülste: Oberhalb der primitiven Glottis wird durch Mesenchymproliferation aus der unteren (caudalen) Eminentia hypobranchialis (gebildet aus medialen Teilen des 3. und 4. Kiemenbogens) der querliegende Epiglottiswulst aufgeworfen. Unterhalb davon, also neben der Laryngotrachealrinne, bilden sich die Arywülste aus, die das Lumen des Aditus laryngis zu einem engen von vorn nach hinten orientierten (antero-posterioren) Schlitz verengen. Aus den Arywülsten entwickeln sich später die verschiedenen Kehlkopfknorpel bis auf die Epiglottis, die aus dem Epiglottiswulst hervorgeht.
Im rechten Vorhof des Herzens fließen die im hinteren (dorsalen) zentralen Teil des Septum primum aufgetretenen kleinen Perforationen zu einer größeren Öffnung zusammen, dem Foramen secundum. Währenddessen verkleinert sich der Durchmesser des Foramen primum zusehends durch das weitere Vorwachsen des Septum primum. Zwischen den beiden Atrioventrikularkanälen hat sich das Endokardkissen verbreitert. Im Ventrikel ist die teilende Herzkammerscheidewand (Septum interventriculare) nun deutlich erkennbar. Es hat sich vom Bereich der Herzspitze her als dicke, halbmondförmige, konkave Leiste durch die Ausweitung des Ventrikelraums vergrößert. An der Außenseite ist ihm gegenüber eine um den gesamten Herzschlauch reichende Einziehung entstanden, deren vorderer Teil die vordere Zwischenkammerfurche, den Sulcus interventricularis anterior, der hintere Teil den Sulcus interventricularis posterior darstellt. Noch mündet eine einzige Vena pulmonalis communis links in den primitiven Vorhof ein, deren caudales Ende in der weiteren Entwicklung mehr und mehr in den Vorhof integriert wird. Im Bereich des Bulbus cordis und des Truncus arteriosus formieren sich einander gegenüber gelegene subendokardiale Längswülste, die Bulbuswülste bzw. Truncuswülste. Diese erhalten in Folgenden durch den Blutstrom bedingt einen spiraligen Verlauf. Die Wülste sind praktisch eine bindegewebsartige Fortsetzung des Septum interventriculare und leiten die Teilung der Blutstrombahn ein.
Die letzten Reste der Vorniere (Pronephros) sind nun vollständig resorbiert. Der mittlere Abschnitt der Urnierenkanälchen hat sich knäulartig verlängert. Auch in der Urniere erfolgt die Differenzierung in von oben nach unten orientierter (craniocaudaler) Richtung, so, daß die Urnierenkanälchen der obersten im Brustbereich gelegenen (thorakalen) Nephrotome sich bereits zurückbilden, während im Lendenbereich (lumbalen Bereich) noch weitere entstehen. Auf diese Weise findet man nie mehr als 40 Urnierenkänälchen gleichzeitig in einer der länglich rundlichen Urnieren. Im unteren (caudalen) Abschnitt des Urnierengangs, kurz vor dessen Mündung in die Kloake, sproßt die Harnleiter- (Ureter)knospe nach dorsal aus. Sie wächst in dorsocranialer Richtung, also nach hinten oben in das metanephrogene Gewebe ein, welches sich caudal des mesonephrogenen Strangs befindet. Aus diesem Mesenchym entwickelt sich nun die endgültige, bleibende Nachniere (Metanephros). Aus einer längsgerichteten (longitudinalen) Einstülpung des Coelomepithels entsteht im Bereich der vorderen, seitlichen (anterolateralen) Oberfläche der Urogenitalleiste der Müller-Gang. Er besitzt am oberen (cranialen) Ende eine trichterförmige Öffnung in die Coelomhöhle, liegt zunächst seitlich (lateral) des Urnierengangs und überkreuzt diesen dann vorne (ventral), um dann unten zur Mitte hin, vor dem Urnierengang, in Richtung Sinus urogenitalis weiter zu wachsen.


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* Stadieneinteilung nach Carnegie