Fakten und Zeitangaben zur
menschlichen Entwicklung
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Stadium 20* (Zehenfurchen), 49. - 51. Tag, Scheitel-Steiß Länge des Embryos: 18 21,8 mm
Tag 49 (2. Monat, 7. Woche), Scheitel-Steiß Länge: ca. 18 mm
Aus dem utriculären Teil der Ohrbläschen sind inzwischen die 3 Bogengänge entstanden (Ducti semicirculares anterior, lateralis et posterior). Sie erweitern sich an ihren Enden ampullenförmig, wodurch die Ampullen (Ampullae) entstehen, in welchen sich allmählich die Bodenleisten (Cristae ampullares) mit ihren Cupulae differenzieren. Diese Strukturen sind später für die Wahrnehmung von Beschleunigungsbewegungen zuständig. Alle Bogengänge münden in den Utriculus, in dem sich die Macula utriculi zu differenzieren beginnt. Unterhalb des Utriculus ist der Sacculus zu erkennen, der ebenfalls ein Makulaorgan ausbildet, die Macula sacculi. Beide Makulaorgane werden später zur Wahrnehmung von Lageänderungen dienen. Der über den dünnen Ductus reuniens am Sacculus angelagerte untere Teil des Ohrbläschens hat sich zu einem langen schneckenhausartig gerollten Gang entwickelt, der Schnecke (Cochlea). Diese hat bisher nur eine Windung, wird aber letztlich 2 ½ Windungen entwickeln. Direkt in die Schnecke ein Stück hinein hat sich das Ganglion cochleae verlagert, welches durch deren Wachstum in die Länge gezogen und ebenfalls gewunden wird, weshalb man es auch als Ganglion spirale cochleae bezeichnet. Die bipolaren Ganglienzellen senden Fortsätze in die Schnecke hinein aus, die dort die Entstehung der inneren und äußeren Haarzellen induzieren. Das verdichtete Mesenchym, welches die gesamte Ohrblase umgibt, beginnt jetzt zu verknorpeln.
Die 6 kleinen Anlagen der Ohrmuschel (Aurikularhöcker) sind miteinander verschmolzen und haben um den äußeren Gehörgang herum die primitive Ohrmuschel (Auricula) gebildet, deren vorderer Teil aus dem ersten, der Rest aus dem 2. Kiemenbogen stammt. Das äußere Ohr wird im Zuge der Vergrößerung des Unterkiefers allmählich nach seitlich (lateral) oben bis in Augenhöhe verschoben.
Mittlerweile sind in die oberen (cranialen) ¾ des linken Vorhofs die ehemalige rechte und linke Lungenvene (Vena pulmonalis) bis zu ihrer ersten Gabelung integriert worden, so daß jetzt 4 Pulmonalvenen getrennt nebeneinander hier einmünden. Damit ist die Bildung des linken Vorhofs (Atrium sinistrum) nun abgeschlossen. Der nicht glattwandige, trabekuläre Teil des linken Vorhofs, der aus dem primitiven Vorhof hervorgegangen ist, kann nur noch im Bereich vor der inzwischen ausgebildeten Mitralklappe und einem daneben nach seitlich abgedrängten Teil, dem linken Herzohr gefunden werden.
In der Beinknospe haben sich alle Knorpelanlagen deutlich vergrößert, nun sind auch das knorpelige Sitzbein (Os ischium), alle Fußwurzelknochenknorpel und die Zehenknochenknorpel angelegt.
Im Bereich der Wange ist die Anlage der mimischen Muskulatur zu erkennen, die vom Gesichtsnerv (Nervus facialis = VII. Hirnnerv = 2. Kiemenbogennerv) innerviert wird.
Im Rückenmark (Medulla spinalis) beginnt sich aus der Flügelplatte das Hinterhorn (Cornu posterius) zu bilden, dessen Nervenzellen (Neuronen) hauptsächlich afferente Funktionen übernehmen; d.h. Reize vom Körper aufnehmen. Durch das Wachstum der beiden Flügelplatten verdichtet sich das Gewebe in der hinteren Mittelebene (Medialebene), also der Deckplatte bis in die Nähe des Zentralkanals, wodurch eine Scheidewand, das Septum dorsale, gebildet und der ehemalige Neuralkanal zum engen Zentralkanal zusammengedrückt wird. Auch das Vorderhorn (Cornu anterius) formiert sich allmählich aus der Grundplatte. Immer mehr Neuriten der neu gebildeten motorischen Vorderhornzellen wachsen in der immer stärker werdenden Vorderwurzel ihren Zielmuskeln entgegen. Da die Grundplatte sich bei ihrem Wachstum immer mehr nach horizontal ausdehnt, bildet sich zunehmend deutlicher die vordere Längsfurche des Rückenmarks (Fissura mediana anterior) aus. Das Rückenmark reicht bis ans Ende aller Wirbelkörper herunter, wodurch die Spinalnerven in Höhe der Segmente aus ihm austreten.
Aus der primitiven Hirn-Rückenmarkshaut (Meninx) sind nun die 3 Hirn-Rückenmarkshäute (Meningen) entstanden: die Außenlamelle hat sich zur harten Hirnhaut, der Dura mater cerebri/spinalis verdichtet, während die darunterliegende weiche Hirnhaut (Leptomeninx) zur direkt an der Dura liegenden Spinngewebshaut (Arachnoidea) und der unmittelbar auf dem Hirn/Rückenmark liegenden, eigentlichen weichen Hirnhaut (Pia mater cerebri/spinalis) geworden ist. Zwischen Arachnoidea und Pia hat sich der mit Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) gefüllte Subarachnoidalraum gebildet. Er reicht bis zur Verschmelzung der vorderen und hinteren Anteile der schlauchförmigen Arachnoidea zunächst bis zum Ende des Wirbelkanals hinunter.


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* Stadieneinteilung nach Carnegie