Fakten und Zeitangaben zur
menschlichen Entwicklung
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Übersicht der Entwicklung
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11. Woche (3. Monat, Fetalperiode) = Tag 71 77, Gewicht ca. 30 g
Die Hirnstruktur ist vollständig angelegt, das Gehirn (Cerebrum) nimmt weiter an Masse zu. Die Bildung der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) wird nun durch die Anlage der Pars tuberalis abgeschlossen, die, wie auch der Vorder- und Zwischenlappen, aus der ehemaligen Rathkeschen Tasche hervorgeht. Der inneren Hohlraum, das Lumen, der Tasche hat sich schon durch starkes Wachstum (Proliferation) der Adenohypophyse, die aus dem vorderen (ventralen) Abschnitt der Tasche hervorging, deutlich reduziert, verschwindet in der Regel aber erst nach der Geburt. Der hintere Abschnitt der Tasche proliferiert kaum, weshalb das Zwischenstück, die Pars intermedia der Hypophyse beim Erwachsenen sehr dünn ist, Gelegentlich treten hier kleine Zysten als Reste des ehemaligen Lumens der Tasche auf. In der hinten gelegenen, aus einer Ausstülpung des Zwischenhirns hervorgegangenen Neurohypophyse haben sich spezielle Gliazellen ausgebildet, die Pituizyten. Es sind schon erste neurosekretorische Fasern aus Kernen des Hypothalamus bis in die Neurohypophyse vorgewachsen, wodurch hier allmählich die ersten Herring Körperchen auftreten.
Die Anlagen aller 20 Milchzähne (Dentes decidui) sind in der Zahnleiste erkennbar. Im Gesicht findet sich die Nasolacrimalfurche und ein intermaxilläres Segment, woraus sich der Gaumen (Palatum) schließen wird. Der Schluß des Gaumens erfolgt von vorne nach hinten und ist noch nicht vollständig. An der seitlichen (lateralen) Wand der Nasenhöhlen sind schmale Längsfurchen als erste Anlagen der sich entwickelnden oberen, mittleren und unteren Nasenmuscheln (Conchae nasales superiores, mediales et inferiores) zu erkennen. Auf der Zunge (Lingua = Glossa) erscheinen nun auch die Fadenpapillen (Papillae filiformes). Erste Haarfollikel finden sich in der Gesichtshaut. Die Stimmbänder sind soweit ausgebildet, daß der Fetus Laute erzeugen kann. Alle Darmteile sind nun normalerweise aus der physiologischen Nabelhernie zurück in die Bauchhöhle eingetreten. Bleibt die Nabelhernie bestehen, so spricht man von einem angeborenen Nabelbruch, einer kongenitalen Omphalocele. Die Dünndarmschlingen vollziehen eine weitere Rotation gegen den Uhrzeigersinn um 90°, wodurch eine letztendliche Gesamtdrehung von 270° erfolgt ist. Die rechte Kolonflexur (Flexura coli dextra) entsteht durch die Verlängerung des ersten (proximalen) Teils des Dickdarms (Colon), während der Blinddarm (Caecum) und sein Wurmfortsatz (Appendix vermiformis) nun vom rechten oberen in den rechten unteren Quadranten der Bauchhöhle verlagert werden. Die zugehörigen Darmaufhängungen (Mesenterien) lagern sich der Bauchwand an und verschmelzen, wodurch die sekundär retroperitoneale Lage des aufsteigenden Dickdarms (Colon ascendens) zustande kommt. Auch im Bereich des an die Hinterwand der Bauchhöhle gedrängten Zwölffingerdarms (Duodenum, außer Anfangsteil = Pars superior), der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und des absteigenden Dickdarms (Colon descendens) werden die hinteren (dorsalen) Mesenterien resorbiert, wodurch diese Darmteile ebenfalls eine sekundär retroperitoneale Lage bekommen. Die glatte Darmmuskulatur ist schon funktionstüchtig. Zotten haben sich in der Darmschleimhaut gebildet, wodurch Stoffe der Amnionflüssigkeit aufgenommen (resorbiert) werden können. Die Leber (Hepar) beginnt, Gallenflüssigkeit zu bilden, die sich in der immer größer werdenden lebernahen Aussackung des Gallenganges, der Gallenblase (Vesica fellea / biliaris) sammelt.
Die Entwicklung der Schilddrüse (Glandula thyroidea) und der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist weitgehend abgeschlossen. Im Bereich der Schilddrüse füllen sich die Follikel zunehmend mit Kolloid, die Follikelepithelzellen bilden schon Schilddrüsenhormon (Trijodthyronin [T3] und Tetrajodthyronin [T4]) und die C-Zellen Kalzitonin. Das Hormone produzierende (endokrine) Pankreas beginnt mit der Produktion von Insulin.
Erste Reflexe treten auf, weil die Sensibilität der Haut schon vorhanden ist.
Das Volumen der Amnionflüssigkeit beträgt ca. 50 ml.
Bei männlichen Feten hat sich der zum Glied (Penis) entwickelte Phallus weiter verlängert, die beiden nach vorne in die Länge gezogenen Geschlechtsfalten schließen sich von hinten nach vorne allmählich, wodurch die von Entoderm des Sinus urogenitalis ausgekleidete Urethralrinne geschlossen wird zur Pars spongiosa urethrae. Hierdurch verlagert sich die Harnsamenröhrenöffnung (Ostium urethrae externum) immer weiter nach vorne bis in die Mitte der Glans penis. Jedoch wächst die Urethra nur bis zum Beginn der Penisspitze (Glans penis) vor. Vom Ektoderm der letzteren her senkt sich ein Zellstrang in die Tiefe ein, die Lamella glandularis, welche der Urethra entgegen wächst. Aus dem Mesenchym des Penis bilden sich die Schwellkörper des Mannes, 2 Corpora cavernosa und das die Harnsamenröhre umgebende Corpus spongiosum.
Bei weiblichen Feten bildet sich von unten (caudal) her in der Scheidenplatte (Vaginalplatte) ein Hohlraum (Lumen), der erst im 5. Monat vollständig durchgängig ist. An den Seiten des Eingangs in die Scheide (Vagina), also im Bereich des Müller-Hügels, bleibt das Epithel in Form des Jungfernhäutchens (Hymen vaginae) bestehen, so daß es eigentlich noch keinen Eingang in die Scheide gibt. Während der Geburt reißt das Hymen etwas ein, wodurch ein schmaler Eingang in die Scheide entsteht. Erst beim ersten Geschlechtsverkehr wird das Hymen weit aufgerissen (daher die Bezeichnung Jungfernhäutchen), weshalb es dabei zu einer leichten Blutung und Schmerzen kommt.
Durch die fehlenden männlichen Hormone (Androgene) des Hodens verlangsamt sich bei weiblichen Feten das Wachstum des Phallus und kommt schließlich zum Stillstand, so entsteht aus dem Phallus der Kitzler (Clitoris). Die Geschlechtsfalten verschmelzen nur im Analbereich, wo sie sich auflösen, während sie in Form der kleinen Schamlippen (Labia minora) weiterbestehen. Der Sulcus urogenitalis wird also nicht wie bei männlichen Feten verschlossen. Die sich allmählich vergrößernden Geschlechtswülste werden zu den großen Schamlippen (Labia majora) und vereinigen sich hinten im Dammbereich in der Mittellinie zur Commissura posterior und vorne unterhalb der Clitoris zum Schamhügel (Mons pubis). Aus der Pars phallica des Sinus urogenitalis geht der Scheidenvorhof, das Vestibulum vaginae hervor, in welches die Harnröhre (Urethra) und die Scheide (Vagina) sowie auch die Ausführungsgänge der Bartholinischen Drüsen (Glandulae vestibulares majores) münden.
Im Bereich der Regenbogenhaut (Iris) des Auges hat sich die glatte Muskulatur des Pupillenöffners (Musculus dilatator pupillae) und des Pupillenschließers (Musculus sphincter pupillae) aus undifferenzierten Pigmentzellen des Neuroektoderms des äußeren Augenbecherteils gebildet. Aus dieser Schicht wird auch das Pigmentepithel der Regenbogenhaut (Iris) gebildet, während der untere, zur Linse gewandte Teil der Iris als Fortsetzung der inneren Augenbecherschicht darunter wächst. Die für die Nah- Fernakkommodation wichtigen Ziliarmuskeln (Musculi ciliares) gehen aus dem umliegenden Mesenchym hervor. Das den Augenbecher umgebende Mesenchym hat sich in eine innere gefäßreiche Lamelle, die Aderhaut (Choroidea) und eine äußere, faserreiche stabile Schicht, die Sklera differenziert. Die Sklera setzt sich einerseits in die den Sehnerven umgebende harte Hirnhaut (Dura mater cerebri) fort, andererseits in die faserreiche Lamina propria der späteren Hornhaut (Cornea).


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