Fakten und Zeitangaben zur
menschlichen Entwicklung
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12. Woche (3. Monat, Fetalperiode)= Tag 78 84, Scheitel-Steiß Länge des Feten: um 87 mm, Fußlänge: 14 mm, Gewicht ca. 50 g
Aus der Basalzellschicht der Haut (Epidermis) bilden sich die Anlagen der Haarknospen in Form kleiner Epithelsprossen, welche in die daruntergelegene Lederhaut (Corium) vorwachsen. Im Bereich der Finger hat nun die körpernahe (proximale) Nagelfalte den Vornagel komplett ausgebildet und das darüber liegende Epithel (Eponychium) geht zugrunde. Es werden vom hinteren Bereich der Nagelfelder aus die definitiven Nägel (Ungues permanentes) gebildet. Dies erfolgt an den Fingern ca. 4 Wochen früher als an den Zehen.
Im Brustbereich teilt sich die solide Knospe der Basalschicht des Ektoderms, welche die Anlage der Milchdrüse (Mamma) darstellt, in mehrere sekundäre Knospen auf. Im Folgenden verzweigen sich diese bäumchenartig weiter und erhalten ein Lumen.
Die Verschmelzung der seitlichen (lateralen) Gaumenfortsätze untereinander sowie mit der Nasenscheidewand (Septum nasi) hat nun den sekundären Gaumen vollständig verschlossen. Somit sind die beiden Nasenhöhlen (Cavitates nasales) voneinander und von der Mundhöhle endgültig getrennt. Bei Wachstumsstörungen der lateralen Gaumenfortsätze kommt es zur Bildung hinterer Gaumenspalten. Im Bereich des ehemaligen primären Gaumens beginnt die aus dem Bindegewebe erfolgende desmale Ossifikation des Os incisivum, welches vor dem Foramen incisivum den Vorderteil des späteren harten Gaumens (Palatum durum) bildet und in dem sich die Schneidezähne (Dentes incisivi) entwickeln. An der Grenze von ehemaligem primärem und sekundärem Gaumen bleibt eine Schleimhautfalte, die Raphe palatina erhalten. In ihrer Mitte liegt das Foramen incisivum, durch welches der Nervus nasopalatinus tritt. Vom Oberkieferknochen (Maxilla) her schreitet die Verknöcherung (Ossifikation) in den Bereich des geschlossenen sekundären harten Gaumens (Palatum durum) fort. Die hinteren Abschnitte des Gaumens verknöchern jedoch nicht, sondern bilden den weichen Gaumen (Palatum molle) und das Zäpfchen, die Uvula.
Der Körper ist vollständig mit kurzen feinen Flaumhärchen (Lanugohäarchen) bedeckt. Augenbrauen und Kopfhaare treten erstmals auf.
Die Bildung von braunem (plurivakuolärem) Baufettgewebe beginnt.
In der Leber (Hepar) hat die Bildung von Gallenflüssigkeit durch die nun herangereiften Leberzellen (Hepatozyten) begonnen.
Alle muskulösen Anteile des Zwerchfells (Diaphragma = Phren) sind nun aus der Körperwand gebildet worden und die Ausstülpungen zwischen Rippen und Zwerchfell (Recessus costodiaphragmatici) sind deutlich ausgebildet.
Die Allantois hat sich zurückgebildet und ist noch in Form des dicken bindegewebigen Urachus zu erkennen, welcher schließlich zum dünnen Bindegewebsstrang des Ligamentum umbilicale medianum verkümmert.
Der Schluß der Urethralrinne männlicher Feten ist von unten (distal) her ein Stück weit fortgeschritten. Die Anlage des Hodensackes (Skrotum) aus den beiden ehemaligen Geschlechtswülsten ist deutlich erkennbar und beginnt im hinteren Teil, vom Damm (Perineum) her, in der Mittellinie zu verschmelzen. In dem von der Penisspitze (Glans penis) wieder etwas weiter auf das Ende der Urethra zugewachsenen Epithelschlauch hat sich ein Lumen und damit die künftige definitive Harnsamenröhrenöffnung (Ostium urethrae externum) gebildet. Seitlich (lateral) an der Penisspitze wächst eine rundliche Platte von Epidermiszellen in die Tiefe, welche die Anlage der Vorhaut (Präputium) andeutet.
Die knorpelige Schädelbasis hat sich nun vereinigt, d.h. alle Knorpelanlagen haben sich vergrößert und sind miteinander verschmolzen. Die große hintere Schädelöffnung, das Foramen magnum, ist ausgebildet. Die Keilbeinflügel (Ala minor et major ossis sphenoidalis) sind noch nicht vollständig miteinander verbunden. Nach seitlich und oben hin ist durch direkte Verknöcherung des Mesenchymgewebes (desmale Ossifikation) die noch sehr dünne Anlage von Scheitelbein (Os parietale) und Stirnbein (Os frontale) zu erkennen. Jedoch wird das obere Schädeldach noch von Mesenchymgewebe gebildet.
Bei einem Fruchtblasendurchmeser von ca. 90 mm löst sich die Schicht der Zytotrophoblastzellen unter dem Synzytiotrophoblasten langsam auf.
Durch Größenzunahme des Fetus gliedert sich die Gebärmutterschleimhaut (die Decidua), um den Fetus herum, in:
1. Decidua basalis = Teil der Schleimhaut der schwangeren Gebärmutter (Uterus), der unter (basal) dem zottentragenden Teil der Fruchthülle (Chorion frondosum) liegt
2. Decidua capsularis = Dezidua über dem nicht zottentragenden Teil der Fruchthülle (Chorion laeve)
3. Decidua parietalis = restliche Schleimhaut des schwangeren Uterus
Die Decidua capsularis bildet sich nach Kontakt zur nahen Decidua parietalis zurück.
Allmählich kommt es zur Bildung der Basalplatte, die auf der Decidua basalis liegt und sich wie folgt aufbaut: oben Synzytiotrophoblast, dann Zytotrophoblast, darunter Bindegewebe mit Deziduazellen, mütterliche Gefäße und zunehmend Fibrinoid. Das immer stärker gebildete Fibrinoid in der Basalplatte entsteht durch starke Umbauvorgänge und Gewebsuntergänge. Das Fibrinoid ist ein bindegewebsfreier Niederschlag aus Fibrin, Immunglobulinen und Zellabbauprodukten (Degenerationsprodukten). Es kommt vor als:
1. Nitabuch Fibrinoid an der Grenze zwischen Basalplatte und Dezidua
2. Rohr Fibrinoid unter dem Synzytium in den Mutterkuchensepten (Plazentarsepten)
3. Langerhans Fibrinoid an der unteren (basalen) Chorionplatte zwischen Synzytiotrophoblastzellen und zum intervillösen Raum hin.
Die Plazentarsepten werden erst ab dem 4. Monat ausgebildet und zeigen zusammen mit der Abnahme der Zytotrophoblastzellen die endgültige Ausreifung der Plazenta an.


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