Fakten und Zeitangaben zur
menschlichen Entwicklung
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20. Woche (5. Monat, Fetalperiode) = Tag 134 140, Scheitel-Steiß Länge des Feten: um 190 mm, Fußlänge: 39 mm, Gewicht ca. 430 g
Die aus der Haut (Epidermis) stammenden Epithelsprossen für die Anlage der ekkrinen (= merokrinen) Schweißdrüsen wachsen nun in der Lederhaut zu langen Schläuchen (Tubuli) aus, in welchen sich bald ein Lumen bildet. Diese Tubuli werden noch länger und bilden Knäuele aus, während sich durch Spalten der darüberliegenden Epidermis im Bereich der Aussprossungsstelle Öffnungen nach außen bilden, die Poren der Schweißdrüsen (Pori sudoferi).
An den Haarbälgen der Achselhaut oder im Genitalbereich treten an der Wurzelscheide erneut Epithelsprossen auf, die sich im Folgenden verlängern und letztlich zur Bildung apokriner Duftdrüsen führen, deren Ausführungsgänge zunächst noch in die Haarschäfte münden, sich aber später von diesen lösen und unabhängig in deren Nähe im Epithel kleine Poren ausbilden.
Am Übergang der Augenlinsenvorderfläche zur -rückfläche bildet sich der Linsenäquator mit kubischen Zellen, die sich auch im Weiteren noch vermehren und von außen an die Linse anlagern, wodurch diese sich in die Breite weiterentwickelt. Auch diese Zellen verlieren, je weiter sie von nachgebildeten nach innen geschoben werden, allmählich Kerne und Zellorganellen und werden schließlich zu den sogenannten sekundären Linsenfasern. Noch ist die Linse von einer blutgefäßhaltigen Tunica vascularis lentis umgeben. Die Regenbogenhaut ist nun deutlich erkennbar. Die Augenlider sind noch verklebt.
Während der 20. Woche differenziert sich das die Krypten der Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae) umgebende Mesenchymgewebe zu lymphatischem Gewebe, in welchem schon bald erste Lymphfollikel auftreten.
Die Hoden (Testes) männlicher Feten beginnen den Abstieg (Descensus) in den Hodensack (Scrotum) durch den Leistenkanal, ein Vorgang, der als Descensus testis bezeichnet wird und die Hoden aus der für die Spermienbildung zu warmen Bauchhöhle nach außen verlagert. Im Hoden sind das Netz ausleitender Gänge (Rete testis) und die Samenröhrchen des Hodens (Tubuli seminiferi contorti) miteinander verschmolzen. In den Samenröhrchen finden sich neben den aus den Urgeschlechtszellen entstandenen Spermienstammzellen (Spermatogonien) auch schon aus dem Keimepithel hervorgegangene Sertoli Stützzellen. Diese bilden ein Hormon, welches die Entwicklung des Müller-Gangs hemmt und deshalb Anti-Müller-Hormon genannt wird; jedoch ist zu diesem Stadium der Müller-Gang bei männlichen Feten bereits weitgehend degeneriert, nur der kleine vorderste Teil davon blieb seit der 8. Woche als Hodenanhängsel (Appendix testis) im Winkel zwischen Nebenhodenanlage (Epididymis)  und Hoden erhalten. Im Bereich des ehemaligen Müller-Hügels ist der kleine zentrale Hohlraum der Vorsteherdrüse (Utriculus prostaticus) ausgebildet. Aus dem Rete testis führen 15 - 20 Ausführungsgänge (Ductuli efferentes), Reste der Urnierenkanälchen, in den späteren Nebenhodengang (Ductus epididymidis), welcher sich aus dem anfänglichen (proximalen) Teil des Urnierengangs (= Wolffscher Gang) gebildet hat. Dessen unterer (distaler) Teil wird zum Samenleiter (Ductus deferens). Als Epigenitalis bezeichnet man den Teil der Urniere, der sich zum Nebenhoden (Epididymis) weiterentwickelt, d.h. den Teil in dem aus den Ausscheidungskanälchen die Ductuli efferentes gebildet wurden. Unterhalb der Epigenitalis liegt der untere (caudale) Teil der Urniere, der als Paragenitalis bezeichnet wird, und langsam zu einem kleinen caudalen Anhängsel des Nebenhodens, der Paradidymis degeneriert. Der obere Abschnitt des Wolffschen Ganges, welcher der Ausführungsgang des inzwischen zurückgebildeten oberen (cranialen) Teils der Urniere war, ist jetzt als Appendix epididymidis am Kopf des Nebenhodens erkennbar.
Bei weiblichen Feten haben sich Keimballen und Primärfollikel (Folliculi primarii) entwickelt. Die Reste der Urnierenkanälchen, Urnierengänge und der Keimstränge (Rete ovarii) degenerieren. Im Bindegewebe (Stroma) des Ovars finden sich viele Primärfollikel mit flachen Follikelepithelzellen. Gelegentlich bleibt das obere (craniale) Ende des Wolffschen Ganges als Anhängsel (Appendix epoophori) bestehen. In breiten Mutterband (Ligamentum latum) zwischen Eierstock (Ovar) und Eileiter (Tuba uterina) können einzelne, zu kleinen Zysten umgebildete Urnierenkänalchen bestehen bleiben, die als Epoophoron bezeichnet werden. Liegen solche Zysten an der Gebärmutter (Uterus), nennt man diese Paraoophoron. Aus dem unteren (distalen) Abschnitt des Wolffschen Ganges, der beim Mann zu Samenleiter (Ductus deferens) bzw. Ausspritzgang (Ductus ejaculatorius) wird, entsteht beim weiblichen Fetus ein schmaler, anfangs noch lumenhaltiger Bindegewebsstrang, der im Parametrium neben dem unterem Gebärmutterteil (Cervix uteri) und der Scheide (Vagina) verläuft und als Gartnerscher Gang bezeichnet wird. Er wird im weiteren Verlauf resorbiert oder kann pathologischerweise Zysten ausbilden. Als Morgagni Hydatide wird ein zystenartiges Anhängsel an der inneren, in die freie Bauchhöhle führenden Öffnung des Eileiters (Ostium internum tubae uterinae) zwischen den fingerartigen Fortsätzen (Fimbrien) bezeichnet, welches aus dem oberen Ende des Müllerschen Ganges hervorgeht.


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