36. Jahr, 2. Wochenende im Juli, Freitagnachmittag.
 

Es begab sich nun aber, dass die Gastgeber von Mainz einen Auftrag erhalten hatten:
die Erneuerung des langjährigen Symbols des Ständigen Kollegiums derer,
die die Sprachen und Schriften, die Lehren und Legenden,
die Bildnisse und Bauten sowie die Götter und Göttinnen
von Ägypten und den südlichen Fremdländern zu kennen glaubten.
Es war nämlich im Begriff zu verfallen
und viele waren nicht mehr in der Lage, sich mit ihm zu identifizieren.

Die Gelehrten von Mainz ersannen einen Plan,
um die magische Kraft der alten Fahne zu erhalten,
und diejenigen zufrieden zu stellen, die diese immer noch liebten,
aber auch ein neues Symbol zu erschaffen,
ausgeführt in festerem Material als früher,
so dass es dauerhafter sei als alles, was vorher gemacht worden war,
für unendlich-periodische Zeit und in immerwährend statischer Ewigkeit.

Also ließen sie eine hohle, stählerne Säule in der Größe einer Buchrolle herstellen
und von oben nach unten mit 36 Jahreszahlen und Städtenamen gravieren,
zur Verewigung der Orte, an denen sich das Ständige Kollegium derer,
die die Denkmäler von Ober- und Unterägypten und Nubien erforschen,
versammelt hatte Jahr für Jahr seit dem 1. Mal seines Uranfanges,
während ihr Verschluss aus Messing zur Aufrechterhaltung der Tradition
beschriftet war mit den magischen Zeichen der alten Fahne.

Unter der Trauer aller Anwesenden schnitten sie den Teil des gelben Stoffes heraus,
auf den das schwarze Udjat-Auge gemalt worden war
von irgendeiner weisen Person zu irgendeiner Zeit in irgendeiner Stadt
zum Zeichen des Wohlergehens des gesamten Ständigen Kollegiums derer,
die um den Erhalt der Beamtenschaft und ihrer Untergebenen
in allen Ländern zwischen den hohen Bergen und der östlichen See kämpfen.
Und es wurde bewahrt in der neuen Hülle und verschlossen in Gegenwart zahlreicher Zeugen.

    

Schließlich gaben sie den Auftrag an zukünftige Generationen,
jährlich dasselbe zu tun und Ort und Jahr eingravieren zu lassen
und die Säule von Stadt zu Stadt zu geben in der Art eines Staffelstabes,
damit sie als Mahnung an den Verfall der Jahre diene
und als Erinnerung an die jährlich gestellten Aufgaben zur Befriedigung
des Ständigen Kollegiums derer, die Neues vortragen und diskutieren wollen und
1000 an Brot und Bier und allen guten und reinen Dingen auf den Tischen der Universität erbitten.
 


 

Text: Ursula Verhoeven                        Mainz, 9. Juli 2004                        Fotos: Sandra Sandri