Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Pädagogisches Institut

SS 99

Mittelseminar: Multimediale Projekte in Bildungsinstitutionen

Seminarleitung: A. Sofos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Medienkompetenz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Name: Melanie Plechinger-Otto

Adresse: Hirschgraben 9

65183 Wiesbaden

Tel.: 0611 — 30 75 00

Studienfächer: Pädagogik 8. Semester

Soziologie

Abgabetermin: 12.01. 2000

  1. Einleitung

Die modernen Medien sind zu einem Leitmedium in unserer Gesellschaft geworden. Der moderne Mensch ist umgeben von verschiedenartigen Medien: Buch, Telefon, Fax, Computer, Fernsehen und Radio sind die beherrschenden medialen Kommunikationsmittel unserer Zeit. Kaum jemand kann und will sich den Medien entziehen. Deswegen bedarf es "[…] keiner plausiblen Argumentation mehr für die Medienpädagogik, denn die Medien selbst verlangen danach.".

Die beherrschende Präsenz der modernen Medien verlangen nach einem höheren Maß an Medienkompetenz. Die Medienpädagogik versucht diese spezifische Kompetenz zu fördern, denn Medien haben in Beruf und Gesellschaft eine Schlüsselfunktion inne. Um zu vermeiden, daß bestimmte Gesellschaftsgruppen, die über eine solche Kompetenz nicht verfügen, an den Rand gedrängt werden, muß Medienpädagogik eine herausragende Rolle in der Gesellschaft bekommen.

Ich werde in meiner Arbeit versuchen, das Spannungsfeld Medienkompetenz und Medienpädagogik zu klären.

Hierzu soll zunächst der Begriff Medienkompetenz näher erläutert werden.

Dann gehe ich auf die Bedeutung von Medienkompetenz und Medienpädagogik in den verschiedenen Altersstufen ein. Kinder verlangen nach differenten medienpädagogischen Methoden als Jugendliche, da sie unterschiedliche Inhalte konsumieren und dies anders gestalten.

Als abschließenden Aspekt behandele ich das Thema Medienkompetenz und ihre gesellschaftlichen Zusammenhänge. Die verschiedenen Bereiche, in denen Medienpädagogik greifen kann werden in diesem Kapitel beschrieben: Schule, außerschulische Jugendarbeit und Jugendschutz.

2. Medienkompetenz: was ist das?

Der Begriff Medienkompetenz wird viel diskutiert, ob im wissenschaftlichen Diskurs oder in der Öffentlichkeit.

Aber was bedeutet Medienkompetenz genau? Gibt es eine gültige Definition, läßt sich dieser Begriff befriedigend festlegen oder kann man vieles in ihn hineindeuten?

Dieser Fragestellung werde ich in diesem Kapitel nachgehen und werde versuchen verschiedene Perspektiven von namhaften Wissenschaftlern auf diesen schwer zu definierenden Begriff in Kürze darzustellen. Ich werde mich diesbezüglich auf insgesamt 5 Beiträge im Rahmen einer Expertentagung zur Medienkompetenz beziehen.

Diese Kompetenzen verfügen laut Baacke über 4 Dimensionen:

  1. Medienkritik (kritische Beleuchtung der Medien)
  2. Medienkunde (Wissen über die Medien)
  3. Mediennutzung (aktiv mediale Ausdrucksformen benutzen)
  4. Mediengestaltung (die Kompetenz, neue Inhalte auf technische und inhaltliche Art zu ermöglichen)


Nach Glotz ist der wichtigste Aspekt der Medienkompetenz die Filterfähigkeit der Mediennutzer, die andere Fähigkeiten im Umgang mit modernen Medien notwendigerweise mit einschließt..

Diese grundlegende Kompetenz bedeutet "[…] das herauszufiltern aus dem Übermaß an Informationen, was man für sein eigenes Leben wirklich braucht." (S. 20).

1. Die individuelle Ebene betont den Einfluß des einzelnen Mediennutzers auf die Medien. Hier besteht die Medienkompetenz aus der Auswahl und kritischen Beurteilung von medienvermittelten Inhalten in Presse, Rundfunk und Internet. Diese Kompetenz wird in der Wissensgesellschaft zunehmend wichtiger, damit der Mediennutzer seine unterschiedlichen Rollen in der Gesellschaft kompetent wahrnehmen kann. Dazu gehört auch die Kompetenz, "[…] sich selber in den Medien auszudrücken und darzustellen, um kommunizieren zu können." (S. 22).

2. Die qualifikatorische Ebene besagt, daß die Telekommunikation, die Datenverarbeitung und der Rundfunk in einer neuen Qualifikation (Multimedia) zusammengefaßt werden müssen, um multimediale Inhalte im Markt anwenden zu können.

3. Auf der gesellschaftlichen Ebene geht es um die "[…] Anpassung der Rahmenbedingungen, um das Potential von Multimedia ausschöpfen zu können,[…]" (S. 22).

Prof. Dr. Lange sieht in der Medienkompetenz einen in der Zukunft außerordentlichen wichtigen Aspekt, um im gesellschaftlichen und beruflichen Leben zu bestehen.

1. sich in den unterschiedlichen Medien und mit den verschiedenen Instrumenten (Telefon, Brief, Fax, Internet, ...) angemessen ausdrücken zu können.

2. und die jeweiligen Aufgaben der Medien richtig einsetzen zu können. Dies impliziert die aufgabenangemesse Bedienung der jeweiligen technischen Geräte und das Wissen um die Spezifika der unterschiedlichen Medien (also: die differenten Strukturen der Wirklichkeitskonstruktion durch Medien.).

Ein weiterer Aspekt steht für Frau Prof.´in Dr. Barbara Mettler-v. Meibom im Vordergrund, den wir für den kompetenten Umgang
mit den modernen Medien besitzen müssen: die Entwicklung der sogenannten "Ich-Stärke". Diese Kompetenz wird benötigt, um aus der Überfülle der Medieninhalte das für das Individuum wichtige zu selektieren.

Alle hier aufgeführten Positionen zum Begriff Medienkompetenz haben einen herausragend wichtigen Punkt der Gemeinsamkeit: die Fähigkeit, die Medien kritisch zu beurteilen und aufgrund dieser kritischen Auseinandersetzung eine Auswahl zu treffen.

3. Medienkompetenz von der frühen Kindheit bis zum
Jugendalter

3.1. Medienkompetenz in der frühen Kindheit

Inwiefern man schon mit 3 bis10-jährigen Kindern medienpädagogisch arbeiten kann, werde ich nun unter Bezugnahme auf Sabine Eders Aufsatz "Jetzt laßt uns mal ran - Bedingungen, Methoden, Beispiele und Ziele medienpraktischer Arbeit mit Kindern."
(S. 111f.) versuchen darzustellen.

Zu Beginn geht Sabine Eder auf die Bedingungen ein, die Grundlage für jede medienpädagogische Arbeit ist.

Vereinzelt zeigen Eltern Interesse an medienpädagogischer Arbeit in Kindergärten und Schulen, jedoch herrsche nach Eders Meinung in den meisten Fällen ein deutliches Klima der Ablehnung und des Unverständnisses seitens der Eltern. So wäre es ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, wenn von allen Mitwirkenden (Eltern, Erzieher und Fachleuten) verstanden werde, daß pädagogische Ziele gerade durch die verschiedenen Medien spannend und attraktiv umgesetzt werden können.

Es gibt in der Bundesrepublik einige medienpraktische Projekte. Jedoch mangelt es dort an geeignetem Material, technischen Geräten und aktuellem Fachwissen der Erzieher. Eder fordert in ihrem Beitrag, daß diese Mißstände behoben werden sollten, denn nur dann kann der Kindergarten oder die Schule die Kinder mit den Medien vertraut machen, mit denen sie schließlich täglich konfrontiert werden.

Nur so lernen die Kinder mit den Medien umzugehen, sie kritisch zu hinterfragen und zu verstehen. Die primäre medienerziehende Herausforderung für den Erzieher ist hierbei, auf das Kind einzugehen, zu hinterfragen und zu beobachten.

Bevor Eder auf das methodische Vorgehen zur Vermittlung von Medienkompetenz zu sprechen kommt, betont sie, daß diese nur durch spielerische Auseinandersetzung und Vereinfachungen möglich sei.

Mit Kindern könne man Bilderbücher gestalten, Hörspiele aufnehmen. Fotogramme entwickeln oder Videoprojekte durchführen. Eder macht deutlich, daß es wichtig dabei sei, die Kinder soweit wie möglich selbständig mit den technischen Geräten arbeiten zu lassen, ihnen zwischendurch aber auch Zeit zum Toben zu geben, um sie nicht zu überfordern.



Eder stellt in diesem Zusammenhang 2 Praxisangebote vor:

1) Arbeit mit optischem Spielzeug und Trickfilm

2) Videoarbeit

zu 1: Es werden mit den Kindern Daumenkinos und Wundertrommeln hergestellt. Sie erleben mit diesem Spielzeug eine optische Sinnestäuschung und lernen somit, einen Zusammenhang zwischen bewegten Bildern und dem Kino herzustellen. Dieses Projekt kann man z.B. mit einem Kinobesuch und dem Besichtigen des Vorführraumes beenden, um die Dimensionen dieses Mediums deutlich machen zu können.

Trickfilme können mit den Kindern selbst hergestellt werden, indem man z.B. Knetfiguren oder gemalte Bilder abfilmt. So wird den Kindern ermöglicht, eigene Kreativität mit einzubringen.

Zu 2: Videoarbeit ist mit Kindern ab ca. 5 Jahren realisierbar. Die Arbeit mit der Videokamera gibt den Kindern Denkanstöße, denn die bewegten Bilder werden hinterfragt, Geschichten abstrahiert und die mediale Wirklichkeit als eine solche erfaßt. Praktische Videoarbeit ist auch immer Teamarbeit, und so werden emotionale und kreative Kompetenzen gefördert sowie kooperative Arbeitsformen erlernt. Jedoch steht nicht das Filmprodukt im Vordergrund der pädagogischen Bemühungen, sondern der Arbeits- und Lernprozeß.

Die Auswirkungen der medienpädagogischen Arbeit auf die Kinder lassen sich nicht pauschalisieren, pädagogische Prozesse verlaufen individuell und sind nicht immer linear.

So kommen wir zu dem letzten Punkt in Sabine Eders Aufsatz zu den Zielen der medienpraktischen Arbeit :

- Durch den spielerischen Umgang mit technischen Geräten können die Funktionsweisen erprobt werden.

- Einblicke in die narrativen Strukturen des jeweiligen Medium werden geleistet.

- Das Selbstbewußtsein wird gestärkt

- Kreativität und Phantasie werden gefördert und angeregt.

- Differenzierte akustische und visuelle Wahrnehmung wird gestärkt

- Die Kritikfähigkeit wird unterstützt.

- In der Teamarbeit werden soziale und kommunikative Kompetenzen gefördert.

Sabine Eder plädiert in ihrem Beitrag dafür, daß Kindergärten und Schulen die medienpraktische und analytische Arbeit aufbauen. Die materielle Ausstattung in den Einrichtungen müßte verbessert werden. In der Ausbildung der Pädagogen sollte Medienkompetenz ein verbindlicher Baustein sein. Nur durch die Umsetzung dieser Forderungen könne eine produktive medienpädagogische Arbeit gewährleistet sein.

3.2. Medienkompetenz auf der Schwelle zum Jugendalter

Unter Bezugnahme des Aufsatzes von Elke Stolzenburg und Anke Bohl "Medienkompetenz bei 11- bis 15-jährigen Mädchen und Jungen: Grundlagen und Voraussetzungen für die weitere Ausformung" (S. 128f.) werde ich im Folgenden die Medienkompetenz im Übergang von Kindheit zum Jugendalter darstellen.

Vor dem Hintergrund der Überlegung, daß der Alltag von Kindern und Jugendlichen zunehmend zu einem medial bestimmten Alltag geworden ist und der Wechsel zwischen "alltäglichen und medialen Welten" vielschichtiger geworden ist, schlagen die beiden Autoren zwei Schritte zur Förderung der Medienkompetenz in dieser Altersgruppe vor:

1. Die Lebensbedingungen und die Lebens- und Gefühlswelten der
Jugendlichen müssen betrachtet und verstanden werden.

2. Daraus erst kann man differenzierte Strategien entwickeln, um
Medienkompetenz bei dieser Altersgruppe gezielt zu fördern.

Diese medienpädagogischen Strategien setzen folgende Grundlagen der Medienkompetenz voraus:

        1. Die kognitiv-soziale Entwicklung:

Zwar nähern sich die medienkompetenten Fähigkeiten der Jugendlichen immer mehr denen der Erwachsenen an (z. B.: Reflexivität, Kritikfähigkeit und ästhetische Maßstäbe), jedoch ist in dieser Altersgruppe die Übertragung der kognitiven und medialen Kompetenzen auf das eigene Verhalten noch nicht so ausgeprägt wie bei erwachsenen Menschen.

Deshalb muß medienpädagogisches Handeln das Medienverhalten der Jugendlichen zum Gegenstand haben. Um die Selbstreflexivität zu fördern, müssen die Jugendlichen ihre Gefühle begrifflich-abstrakt definieren können.

2. Sozialisationsprozesse:

Zentrale Entwicklungsaufgabe in der Pubertät ist es, den
Umgang mit der veränderten Körperlichkeit, sowie die Begegnung mit dem anderen Geschlecht zu lernen.

Eine wichtige Sozialisationsinstanz ist die Peer-group, die dem individuellen Medienumgang eine entscheidende kollektive Ausrichtung gibt.

3. Mediennutzung:

Generell gehören Radiogeräte, Kassetten-, Platten- oder
CD-Player zur Grundausstattung jedes Jugendlichen. TV, Videorecorder sind in fast allen Haushalten vorhanden, PC, Gameboy oder Spielkonsole dagegen in 50% der Haushalte. 10% haben einen Internetzugang.

Die Medienausstattung wird in dieser Altersgruppe immer vielfältiger im Gegensatz zu jüngeren Jugendlichen.

Zwar ist der Fernseher ein sehr wichtiges Medium für die Jugendlichen, jedoch gewinnen die Musikmedien zunehmend an Bedeutung. Wichtiger wird auch die kollektive Mediennutzung (Kino), da dadurch die kulturellen Identitäten ausgeformt und ausgelebt werden können.

Allerdings gibt es auch geschlechtsspezifische Unterschiede. Für Mädchen sind Bücher und der Konsum täglicher Soaps wichtig, für Jungen Computerspiele und Actionserien. Während es Mädchen bei den PC-Spielen um Schnelligkeit und Geschicklichkeit geht, legen die Jungen mehr Wert auf gewaltverherrlichende Computerspiele.

Stolzenburg und Bohl unterteilen darüber hinaus die relevanten Handlungsfelder, in denen die Förderung der Medienkompetenz eine Rolle spielt:

  1. Schule:
  2. Pflicht der Schule ist es, den Zugang zu Medien chancengleich zu gestalten und zu ermöglichen.

    Jedoch ist ein integratives Konzept der Medienerziehung in der Schule nur schwer zu realisieren, da es oftmals an der Qualifikation der Lehrkräfte mangelt und starre schulische Bedingungen nach wie vor vorherrschend sind.

  3. Jugendarbeit:
  4. Die freiwillige Teilnahme der Jugendlichen bedingt eine attraktive Gestaltung der Medienangebote. Die entscheidende pädagogische Anforderung besteht darin, die Balance zwischen Unterstützung und Autonomie zu finden. Medienkompetenz stellt sich nicht zwangsläufig durch aktive Medienarbeit ein; wichtiger ist es, den Jugendlichen eine kritische Reflexion der Handlungsprozesse zu ermöglichen. Außerdem sollten Anstöße dafür gegeben werden, die Medienrealität und produktions- spezifische Aspekte der Medien zu durchschauen.

  5. Medien:
  6. Auch die Medien sollten Verantwortung zur Förderung der Medienkompetenz übernehmen, indem sie vielfältige Möglichkeiten schaffen, Wissens-, Reflexions- und Handlungsanstöße an die Jugendlichen heranzutragen. Darüberhinaus sollten die Medien ihre Produktionsbedingungen und Gestaltungsformen transparenter machen und eigene Botschaften offenlegen. Schließlich sollte die Möglichkeit geschaffen werden, den Jugendlichen eigene Sendeplätze im TV bereitzustellen, denn dies ist die nachhaltigste und der direkteste Weg, um Jugendliche medienkompetent zu machen.

    1. Medienkompetenz im Jugendalter

Waldemar Vogelgesang definiert in seinem Aufsatz "Kompetentes und selbstbestimmtes Medienhandeln in Jugendszenen" (S. 237f.) die Eckpunkte von Medienkompetenz im Alter von Teens und Twens.

Vogelgesang macht zunächst deutlich, daß Medien ein fester Bestandteil in der Welt der Heranwachsenden ist; Teens gehören zur Multimedia-Generation und sind demnach ständige Marktbeobachter. Medien sind Kristallisationspunkte von Jugendkulturen. Folge ist eine Inflation von medienzentrierten Stilformen und der Trend zur Separation und Segregation von Gruppen.

Im Gegensatz zum gängigen Stereotyp des Jugendlichen als passives Medienopfer, macht Vogelgesang klar, daß die Jugendlichen sich die Medien aktiv aneignen.

Medienkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation, da neue Informations- und Kommunikationstechniken in vielen beruflichen und privaten Lebenssituationen präsent sind. Die Beherrschung dieser Technologien ist eine unabdingbare Forderung an die Jugendlichen geworden. Vogelgesang sieht sogar Medienkompetenz als kommende vierte Kulturtechnik an, neben Lesen, Schreiben und Rechnen.

Deswegen rückt Medienkompetenz zunehmend in den Mittelpunkt der politischen, wirtschaftlichen und pädagogischen Diskussionen.

4. Medienkompetenz und ihre gesellschaftlichen
Zusammenhänge

4.1. Medienkompetenz und Schule

Um das Handlungsfeld Schule im Zusammenhang mit Medienkompetenz darstellen zu können, werde ich mich im Folgenden auf den Beitrag von Fred Schell und Hartmut Warkus "Medienkompetenz der Lehrerinnen und Lehrer: Schulische Bedingungen und Anforderungen an Aus- und Fortbildung." (S. 282f.) beziehen.

Im Schulbereich liegen laut Schell und Warkus Konzeptionen und Ergebnisse von Modellversuchen vor, die deutlich machen, daß sich Schule und Unterricht grundlegend verändern müssen. Dies bedeutet vor allem, daß sich Lehrerinnen und Lehrer speziell für eine pädagogische Medienarbeit qualifizieren sollten.

Jedoch existieren mehrere Faktoren, die die pädagogische Medienarbeit in den Schulen weitgehend verhindern:

Angestrebtes Ziel wäre im Projektunterricht zu lehren

Der zuletzt aufgeführte Punkt einer mangelnden Qualifikation der Lehrer/-innen könne (laut den Autoren) nur dadurch verändert werden, wenn Medienkompetenz zu einem festen Bestandteil der Lehrerausbildung werde.

Schell und Warkus plädieren darüber hinaus für die Entwicklung eines abgestimmten Konzeptes der medienpädagogischen Qualifizierung in der Erwachsenenbildung und in der Schulpädagogik. Medienwerkstätten müßten eingerichtet werden, um den Studenten eine Möglichkeit geben zu können, praktische Erfahrungen mit Medien zu sammeln. Der geeignete Standort für solche Werkstätten sei die Schule selbst. Nur so würden die Schüler und die angehenden Lehrer von den gegenseitigen Erfahrungen und Möglichkeiten profitieren.

Bei der Lehrerfortbildung ist Medienkompetenz noch längst kein unabdingbarer Bestandteil geworden. Die eigentliche Aufgabe der Lehrerfortbildung wäre es, die Lehrer/-innen in medienpädagogischer Hinsicht regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen. Jedoch ist dies leider selten möglich, da die meisten Lehrkörper noch nicht einmal über die Medienkompetenz verfügen, die eigentlich gefördert werden sollte.

Fazit ist, nach Schell und Warkus, daß die Schule sich durch den immer größer werdenden Druck seitens der Wirtschaft und den Eltern zunehmend mit der Vermittlung von Medienkompetenz beschäftigen muß. Dazu ist eine grundlegende, strukturelle Veränderung der Schule von Nöten.

4.2. Medienkompetenz und außerschulische Jugendarbeit

Ida Pöttinger schreibt über die "Befähigung von Kindern und Jugendlichen zur gesellschaftlichen Teilhabe: Anforderungen an die außerschulische Jugendarbeit."
(S. 327f.).

Nach Pöttingers Ansicht gibt es immer noch zu viele Jugend- und Kulturzentren, die keine jugendorientierten Angebote zur Förderung von Medienkompetenz bereitstellen. Diejenigen Zentren, die medienpädagogische Themen in ihrem Programm haben, preisen diese oftmals mit schlagkräftigen Headlines an. Pöttinger fragt sich vor diesem Hintergrund, ob dieser Fakt zeige, daß dort keine kritische Distanz zu den Medien vorherrsche oder dies werbewirksame Lockversuche seien.

Medienerziehung bedeutet, nicht die Medien zu meiden, sondern (so Pöttinger) die positiven Gefühle zu dem Lebendigen, zu den Menschen zu stärken. Bei der Medienerziehung sei die emotionale Erziehung wichtig, erst durch diese Gefühlskomponente entstehe das Selektionsvermögen.

Daß Medien zu einer Ersatzbefriedigung von Bedürfnissen werde, darin bestünde die Gefahr der Medien. Nur durch die direkte Erfahrung mit anderen Menschen seien differenzierte Gefühle erlernbar.

Die außerschulische Jugendarbeit umfaßt die Kulturarbeit, die Sozialarbeit und die Vereinsarbeit. In der Kulturarbeit arbeiten die Pädagogen mit meist leistungswilligen, interessierten Jugendlichen zusammen, da die Angebote auf rein freiwilliger Basis laufen. Sozialarbeiter dagegen arbeiten mit Jugendlichen, die das Jugendamt im Nacken haben. Folglich müssen gerade diese Jugendlichen stärker motiviert werden als andere, und dementsprechend haben sie auch oftmals eine schlechtere Konzentrationsfähigkeit.

In der Vereinsarbeit gibt es so gut wie nie Angebote für die Medienerziehung.

Allgemein gesehen kann die außerschulische Jugendarbeit flexibler und schneller arbeiten als die Schule. Die Möglichkeit zur Einfühlung, Geduld und Kooperation ist in der Freizeitpädagogik meistens größer als in der Schule.

Pöttinger macht schließlich deutlich, daß es bei der außerschulischen Jugendarbeit wichtig sei, mit Autorensystemen zu arbeiten, da dies Kreativität, technisches Wissen, Disziplin und den Umgang mit der Konkurrenz fördere. Dadurch könnten sich dann die gesellschaftlichen Tugenden bei den Jugendlichen viel eher entwickeln.

4.3. Medienkompetenz und Jugendschutz

Fred Schell verdeutlicht in seinem Beitrag "Jugendschutz und Medienpädagogik: ein wechselvolles Verhältnis" (S. 358f.) die Aufgabe, die der Jugendmedienschutz inne hat: diese Einrichtungen beobachten, analysieren und bewerten das mediale Angebot nach pädagogischen, entwicklungspsychologischen Erkenntnissen und nach gesellschaftlichen Normen und Wertvorstellungen.

In der Medienpädagogik stehen mehr die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt. Durch die Ausbildung von Medienkompetenz soll ein kritischer, reflexiver und aktiver Umgang mit Medien erreicht werden.

Schell verdeutlicht in seinem Beitrag zunächst die aktuelle Mediensituation, um Erfordernisse an den Jugendschutz und an die Medienpädagogik besser nachvollziehen zu können: Massenmediale Produkte haben stark zugenommen und neue Medien (Internet) sind zu den bekannten hinzu gekommen. Dadurch entstehen neue Verbreitungsmöglichkeit von pornographischen, gewaltverharmlosenden und politisch-extremistischen Inhalten. Die sich daraus ergebende Folge ist eine enorme Zunahme der Bedeutung von Jugendmedienschutz.

Allerdings: durch den Wandel der medialen Welt werden auch Grenzen des Jugendmedienschutzes deutlich. Im Laufe der letzten Jahre fand deshalb ein deutlicher Paradigmenwechsel im Jugendmedienschutz statt: die klassischen Mittel wie Kontrolle und Zensur reichen allein nicht mehr aus, hinzu kommt der präventive Jugendmedienschutz. Initiierung und Unterstützung von medienpädagogischen Maßnahmen sind in diesem Bereich wirkungsvolle Methoden.

Medienpädagogik ist also eine wichtige Bedingung für einen wirkungsvollen Jugendmedienschutz, denn dieser bleibt wirkungslos, wenn die Jugendlichen nicht lernen, kompetent mit Medien umzugehen.

Abschließend läßt sich also resümieren: Jugendmedienschutz und Medienpädagogik bedingen und ergänzen einander; deswegen ist eine intensive Koordination und Kooperation dieser beiden Bereiche notwendig.

Gegen Ende seines Beitrags erläutert Schell das Spannungsfeld zwischen Jugendmedienschutz und dessen Regulierungsmechanismen.

Zunächst wird deutlich, daß sich die Interessen bezüglich der Regulierung von Medien stark divergieren. Elternschaft, Pädagogik und Politik fordern mehr Regulierung, die Wirtschaft dagegen weniger Kontrolle und Zensur. Schell resümiert allerdings: "Jugendmedienschutz ist also angesichts der ökonomischen Interessen ein nicht gerade bedeutender Faktor in unserer Gesellschaft." (S. 363).

Auch die notwendige Einigung auf einheitliche Regularien in Europa stellt ein großes Problem im Jugendmedienschutz dar.

Ein weitere Schwierigkeit besteht in der Kontrolle der äußerst unterschiedlichen Medien: während das Fernsehen relativ leicht zu kontrollieren ist, wird es schon bei Computerspielen problematischer. Dort steht ein internationaler grauer Markt an Computerspielen der effektiven Kontrolle im Weg.

Am schwierigsten zu kontrollieren sind Online-Angebote, da durch die dezentrale Struktur des weltweiten Internet Kontrollmechanismen kaum greifen können.

Als wichtige institutionelle Einrichtungen des Jugendmedienschutzes nennt Schell die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), die Automatenselbstkontrolle (ASK), die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM) und die Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK).

Als Fazit stellt Schell fest: die Einrichtungen des Jugendmedienschutzes müssen
"[…] einsichtige und nachvollziehbare Kriterien für die Kontrolle und Beurteilung medialer Produkte, die auf wissenschaftliche Befunde und demokratisch vereinbarte Normen stützen und die Heranwachsenden ebenso wie Eltern und professionell Erziehende vermittelt werden […]." (S. 367).

 

5. Schlußbemerkung

Die Fähigkeit, Medien kritisch zu beurteilen und aufgrund dieser kritischen Auseinandersetzung eine Auswahl zu treffen, ist wohl der herausragendste Aspekt der Medienkompetenz. Besitzen wir diese Fähigkeit nicht, können wir nicht aktiv mit den Medien umgehen und aus dem Übermaß an Informationen das herauszufiltern, was für uns als Menschen wichtig ist.

Verschiedene Altersstufen verlangen nach differenten medienpädagogischen Maßnahmen. Dies wurde im nachfolgenden Kapitel überdeutlich.

Während Kinder spielerisch den Umgang mit modernen Medien erlernen können und somit sich Medienkompetenzen aneignen, bringen Jugendliche eine gewisse Grundkompetenz mit. Diese erstreckt sich allerdings oftmals nur auf den Konsum der Medien. Hier besteht die Aufgabe der Pädagogen darin, den Jugendlichen die selbstkritische Auseinandersetzung mit den Medien beizubringen. Dies schließt das Ziel mit ein, den Jugendlichen einen aktiven, selbstbewußten Umgang mit modernen Medien zu lehren.

Im vierten Kapitel wurde deutlich, daß es nach wie vor große Defizite im Bereich der Medienpädagogik gibt.

Vor allem im schulischen Bereich ist das Problem vorherrschend, daß einerseits die Lehrer über nahezu keine medienpädagogischen Kompetenzen verfügen und andererseits die Schule selbst inflexibel und bürokratisch auf die veränderte Medienwelt reagiert.

Der Jugendmedienschutz hat durch die neuen Medien eine neue, präventive Aufgabe hinzu bekommen. Hierbei spielt die Medienpädagogik eine wichtige Rolle, denn sie ist das ergänzende Element zum Jugendmedienschutz.