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Leitung: Prof. F. W. Kron Referat: Die Dialektik Schleiermachers Referenten:Tina Becker, Dagmar Boller
01 Einleitung
1. Einleitung
02. Zur Biographie Schleiermachers
Hierbei handelt es sich um eine Denkmethode, die von der Antike bis zum 19. Jahrhundert in den Universitäten gelehrt wurde. Da sie in der Logik begründet liegt, geht es ihr um das Schließen, Urteilen und Bilden von Begriffen. Dabei werden zwei Aussagen zu einem Sachverhalt in These und Antithese gegenübergestellt. Diese führen zur Synthese, wodurch Phänomene der Lebenswirklichkeit aufgedeckt werden können. 3.3 Dialektik als Gesetzmäßigkeit von Lebenswirklichkeit Dabei wird eine dialektische Grundstruktur der Wirklichkeit angenommen, woraus das dialektische Denken resultiert. 3.4 Dialektik als Kunst der Gesprächsführung Diese Auffassung von Dialektik wurde in moderner Form von Schleiermacher für die Gegenwart entwickelt und soll nachfolgend näher erläutert werden.
04. Aufforderung zum Puzzlen der Kernaussagen
Um Schleiermachers Kernaussagen lebendiger zu vermitteln, ließen wir sieben Gruppen (vier bis fünf Seminarteilnehmer) jeweils ein wichtiges Statement puzzlen " learning by doing. Anschließend fragten wir die einzelnen Gruppen, was sie unter "ihrer"Aussage verstehen. Danach erläuterten wir unsererseits die einzelnen Punkte. 05. Die Darstellung der Kernaussagen 1. "Die Dialektik selbst ist Ausdruck des inneren Werdeganges des reinen Denkens." Es werden drei Denkarten unterschieden: a) "Das geschäftliche Denken will die Welt in ihrer Gegenständlichkeit für die Ziele der Lebens- und Weltbemächtigung verfügbar machen." Es bestimmt sich demnach aus einer äußeren Zweckmäßigkeit und wird immer im Hinblick auf ein Tun gedacht. b) "Das künstlerische Denken bezeichnet das begrenzte, einmalige schöpferische Produzieren eines Subjekts [...]" Es wird infolgedessen um seiner selbst willen gedacht. c) Das reine Denken unterscheidet sich vom geschäftlichen und künstlerischen Denken durch seine strenge Wissensbezogenheit. "Das reine Denken befindet sich [somit] prinzipiell in seiner Genesis, denn erst in der Totalität des Wissens würde das reine Denken sich selbst aufheben." Nur in seiner Verbindung mit der Sprache tritt es selbständig hervor. Dies führt uns zur zweiten Kernaussage Schleiermachers: 2. Die Dialektik zeigt sich als sprechendes Denken und zugleich als denkendes Sprechen. Für Schleiermacher sind Denken und Sprechen identisch. Das Denken enthält einerseits sowohl wahrnehmende Erfahrung als auch Artikulieren von Sprachzeichen; andererseits birgt das Denken in sich die Bindung an die Sprache. Dies bezeichnet Schleiermacher als "Geöffnetsein nach außen." Jeder Denkende denkt folglich mit der Sprache. Auch dies ist zugleich ein Bilden von Worten, die selbst wieder Organe der Mitteilung werden. Somit produziert der Sprechende denkend die Worte. Die Dialektik entwickelt sich jedoch in jeder Sprache gesondert, so daß sie in ihrer Gültigkeit auf die jeweiligen Sprachkreise eingeschränkt ist. Demgemäß existiert keine gemeinsame Dialektik. Schleiermacher geht es darum, die verschiedenen Ausformungen zu vergleichen und sich einer Allgemeingültigkeit zu nähern, von der er doch weiß, daß sie nie erreicht werden kann. 3. Ich leiste Durchdringung, wenn ich die allgemeinen Gehalte der Wörter und Sätze mit jeweils meiner individuellen Sinngebung erfülle. Dies stellt einen weiteren Aspekt in Schleiermachers Dialektik dar. Jeder Mensch bringt beim Sprechen ihm eigene Sichtweisen mit hinein, die nicht im sprachlichen Inhalt der Mitteilung enthalten sind. Kaulbach nennt dies "die Einheit von Sachlichem und Persönlichem in der sprachlichen Mitteilung." Dadurch, daß allgemeine Gehalte der Wörter und Sätze mit individuellem Sinn erfüllt werden, findet sich der Sprecher im Ausgesprochenen wieder. Durchdringung kann somit als Selbstbewußtsein verstanden werden, der Sprecher wird sich seiner selbst bewußt. Schleiermacher unterscheidet zwischen der Subjektivität, darunter versteht er die Persönlichkeit und der Individualität, damit bezeichnet er den eigentümlichen Charakter. Die Subjektivität muß nach seiner Auffassung im Gespräch geopfert werden, um die Individualität zu ermöglichen. Dieses Opfer bestimmt den Weg zum Wissen, da durch die beiderseitige Durchdringung der Individualitäten eine Sphäre der Gemeinschaft entsteht. Nur daraus kann die Allgemeingültigkeit, das Ganze , die Totalität des Wissens abgeleitet werden. Voraussetzung dafür ist eine Art von Gewissen, das für die Orientierung an der Wahrheit in uns sorgt, da es der "Ort der Universalität und Individualität ist." Schleiermacher nennt dieses Gewissen "Gefühlì. Das Gefühl wird als unmittelbares Selbstbewußtsein, als gefühlter Grund der Reflexion bestimmt. Es ist quasi ein "Vorfühlen" auf das Ganze. 4. "Dialektik ist somit nicht nur die Gemeinschaft miteinander sprechender individueller Personen, [5.] sondern auch das "philosophische Selbstbewußtsein einer Kunst der Gesprächsführung: eines von der echten Gesprächsgesinnung getragenen Könnens und Tuns"." Zur besseren Darstellung fassen wir die Kernaussagen vier und fünf zusammen. Der Erkenntnisvorgang vollzieht sich in einer dialogischen Gesprächsführung, die gebunden ist an die konkrete, individuell-historische Wirklichkeit der gesprächsführenden Menschen. Nur wenn es beiden Gesprächspartnern wirklich um das gemeinsame Ziel, um Erkenntnis, geht und nicht um "Đberzeugenwollen", wird sich ein wissenschaftliches Gespräch einstellen. Es werden also Selbstkritik, Sachgebundenheit, Offenheit für die Vorstellung des anderen , Hinhören auf den anderen und die Bereitschaft, der Spiegel des anderen zu werden, vereint. Dialektik meint also nicht nur das Gespräch an sich, sondern auch die Methode des Gesprächs. Das bedeutet, daß die Differenzen aus ihrer Einseitigkeit heraustreten und unter das Ganze gestellt werden. Diesen Weg bezeichnet Schleiermacher als Differenzierung. Dabei bleibt die methodische Verfahrensweise eine Kunst, die nicht erlernbar ist, sondern von Phantasie und Intuition abhängt.
06. Zusammenfassung
07. Der PlatonDialog (Lysis)
08. Der dialektische Schematismus Der dialektische Schematismus ist ein rational-konstruiertes "Gegensatz-". Das bedeutet, daß gegensätzliche, strittige Standpunkte (Differenzen) nach dem dialektischen Schema verknüpft und getrennt werden. Dadurch entsteht eine Wechselwirkung der Standpunkte. Das kluge Abwägen und Ausgleichen verschiedener Standpunkte ist folglich die schematische Form der Dialektik. Zur Verdeutlichung dieses Schemas erklärten wir mit Hilfe eines Schaubildes und anhand eines Beispiels, wie ein solches System arbeitet. - Zum Schaubild Dialektik:
- Zum Schaubild-Beispiel :
1. Die These unseres Beispiels lautet:
2. Die gegenüberstehende Anti-These besagt:
3. Die aufhebende Synthese verbindet beide Standpunkte: Zu Beginn des Lebens wird man also sehr stark von den Meinungen anderer Menschen beeinflußt; das eigene Urteil hat fast keine Bedeutung. Jedoch im Laufe des Lebens dreht sich dieses Verhältnis idealerweise um. Mit der Erläuterung dieses Systems beendeten wir die Ausführungen zu Schleiermachers Dialektik. Zur Abrundung unseres Referates entwarfen wir ein dem Thema entsprechendes, Kreuzworträtsel und baten alle Seminarteilnehmer, dieses zu lösen.
1) Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Band 3: P-So, herausgegeben von Jürgen Mittelstraß, Stuttgart, Weimar 1995 |