Forschung
Die "Abteilung Partikelchemie"
des Max-Planck-Instituts für Chemie und das Institut
für Physik der Atmosphäre an der Universität Mainz
sind bezüglich Forschung und Lehre personell und inhaltlich eng
miteinander verbunden. Die Struktur dieser seit 2001 von Prof. Dr. Stephan
Borrmann geleiteten gemeinsamen Einrichtung stellt ein Novum am Mainzer
Standort dar.
Sie dient
1.
der Untersuchung grundlegender physikalischer und chemischer Prozesse
des
atmosphärischen Aerosols und der Wolken im Zusammenhang mit dem
Klima- und
Erdsystem
2.
angewandter Forschung zu Aerosolen in industrieller Umgebung, zu Verbrennungs-
und Abgaspartikeln, sowie dem Aerosol in Smog und Situationen urbaner
Luftverschmutzung
3.
der Erforschung von präsolarer Materie, insbesondere im Hinblick
auf Charakterisierung kernphysikalischer Prozesse in Sternen sowie der
Frühgeschichte unseres Sonnensystems
4.
der Entwicklung von Messtechnik insbesondere zur Bestimmung der chemischen
Zusammensetzung von Teilchen des atmosphärischen Aerosols und zur
optischen Erfassung größerer Hydrometeore
5.
der Ausbildung von Diplomanden, Doktoranden, Postdoktoranden und
Habilitanden aus den Studiengängen Meteorologie, Physik, Chemie
und den Geowissenschaften
1.
Aerosol und Wolken im Klimasystem:
Kenntnisse bezüglich des Aerosols und der Wolken sind von besonderer
Bedeutung für das Verständnis der Klimaentwicklung, der chemischen
Prozesse in der Luft, des hydrologischen Zyklus' und der anthropogenen
Einflussnahme auf die Atmosphäre.
Die Forschungsbemühungen sollen zudem Beiträge zu Verbesserungen
der Wetter- und Niederschlagsvorhersagen leisten, sowie Eingang in die
Klimamodellierung finden.
Schwerpunkte der Abteilung Partikelchemie liegen in diesem Bereich in
1.1
der experimentellen Untersuchung des Aerosols der Troposphäre und
Stratosphäre, mit besonderem Fokus auf den Partikeln und Wolkenteilchen
der oberen Troposphäre in tropischen Regionen, sowie den polaren
Stratosphärenwolken
Forschungsgruppe: Voessing/de
Reus,
Curtius,
Schneider 
1.2
der Durchführung von Labor und in-situ Untersuchungen zum Einfluss
von Eiswolken (wie Zirren (Schleierwolken) und Kondensstreifen) und
Flüssigwasserwolken auf die chemische Zusammensetzung der Troposphäre
Forschungsgruppe:
Voessing/de
Reus,
Schneider
1.3
Laborexperimenten zu Wolkenprozessen, wie Regen- und Hagelbildung, Bereifung
und Vereisung in Wolken, sowie zur Strömungsmechanik fallender
Hydrometeore
Forschungsgruppe:
Mitra/Diehl
1.4
der in-situ- und Echtzeit-Messung der chemischen Zusammensetzung von
Aerosol- und Wolkenpartikeln
Forschungsgruppe:
Schneider,
Drewnick
1.5
der Bestimmung organischer Komponenten im atmosphärischen Aerosol
Forschungsgruppe:
Schneider,
Drewnick,
Curtius

1.6
der Erforschung verschiedener Mechanismen der Partikelentstehung in
der Atmosphäre
Forschungsgruppe:
Curtius
1.7
Zudem werden Größe, Anzahl, strahlungsrelevante Eigenschaften
und Bildungsmechanismen des Aerosols und der Wolken untersucht.
Forschungsgruppe:
Voessing/de Reus
2.
Aerosole aus Verbrennung, Luftverschmutzung und industrieller Umgebung:
Neben den atmosphärenbezogenen
Themen kommen hierbei Aspekte der Ausbreitung, sowie Auswirkungen der
Partikel auf Luftqualität und Gesundheit zum Tragen.
Fokus der Forschungsarbeitenin diesem Bereich sind
2.1
die Auswirkungen der Luftfahrtemissionen auf die Atmosphäre, und
chemische Zusammensetzung der Luft der oberen Troposphäre und unteren
Stratosphäre
Forschungsgruppe: Schneider,
Voessing/de
Reus,
Curtius
2.2
Untersuchungen von Partikelemissionen aus Automobilen und Umgebungen mit
industrieller Produktion, sowie direkte Studien zu Inhalationsaerosolen
und industriellen Aerosolen
Forschungsgruppe: Schneider,
Drewnick
2.3
In-situ Messungen in Smog-Situationen und im Umfeld urbaner
Luftverschmutzung, sowie Immissionsmessungen an Straßen, Autobahnen
und in Stadtbereichen
Forschungsgruppe:Schneider,
Drewnick
2.4
Studien zur Fähigkeit von Wolkentropfen, Schneekristallen, Graupel
und
Hagelteilchen, Schadstoffe aus der Luft zu entfernen
Forschungsgruppe: Mitra/Diehl
3.
Meteorite, Kometen und präsolare Materie:
Die Nano- and Mikropartikelforschungsgruppe (NAMIP) betreibt Forschungen
zur Kosmochemie durch Laboranalyse meteoritischen Materials und von im
interplanetaren Raum gesammelten Partikelproben aus Kometen.
Schwerpunkte bilden dabei Untersuchungen an präsolarer Materie, insbesondere
dem "Sternenstaub". Hochpräzise und hochauflösende
Laboranalysen liefern Informationen zu astrophysikalischen Prozessen,
wie stellarer Nukleosynthese und Evolution, der galaktischen chemischen
Evolution, der interstellaren Chemie sowie der Entstehung unseres Sonnensystems.Die
hierzu verwendeten Methoden werden ebenfalls eingesetzt für chemische
Analysen einzelner atmosphärischer Aerosolpartikel, die aus in-situ
Sammlung oder Extraktion von Eiskernen zu paläoklimatologischen Zwecken
stammen.
Forschungsgruppe: NAMIP
4.
Entwicklung von Methoden und Messtechnik
Die eingesetzten experimentellen Methoden, die in der Abteilung Partikelchemie
kontinuierlicher Weiterentwicklung unterliegen, umfassen 
Massenspektrometrie
zur Messung der chemischen Komposition von Aerosolpartikelensembles mit
Teilchengrößen im Nanometerbereich, sowie einzelner, größerer
Partikel und Wolkenresiduen im Mikrometerbereich, { Drewnick, Schneider,
Curtius, Voessing/de
Reus
}
verschiedene
optische Techniken zur Erfassung von Wolkenteilchen und Hydrometeoren,
die vorwiegend auf Forschungsflugzeugen eingesetzt werden {
Voessing/de
Reus,
Curtius }
sowie Messungen
in dem weltweit einmaligen Mainzer Vertikalwindkanallaboratorium
(MAVERT) zur Ausschwebung von Tropfen, Eisteilchen
und Hydrometeoren. { Mitra/Diehl
}
Die in-situ Messungen in der Atmosphäre werden durchgeführt
an Bord
des zum
Höhenforschungsflugzeug konvertierten russischen Fernaufklärers
Geophysica (Gipfelhöhe 22 km, Mysasishchev
Design Bureau, Moskau),
des Forschungsflugzeugs
Falcon (http://www.dlr.de/fb/desktopdefault.aspx/tabid-527/)
(Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt,
DLR),
des Learjet-35A
der Arbeitsgemeinschaft aus Gesellschaft für Flugzieldarstellung
GFD und der Firma Enviscope GmbH (http://www.enviscope.de/),
sowie in
Zukunft auf dem neuen deutschen Forschungsflugzeug HALO (http://www.pa.op.dlr.de/halo/).
Die in Entwicklung befindlichen Messinstrumente werden auf Schiffen und
Bodenstationen eingesetzt. Weiterhin werden Methoden für die Umweltmesstechnik
und Aerosolanalytik entwickelt, die nicht nur in der Atmosphärenforschung,
sondern auch bei industrieller Forschung und Entwicklung einsetzbar sind.
5. Ausbildung der Diplomanden und Doktoranden
Zusätzlich zu der inhaltlichen Arbeit an den atmosphärenbezogenen
bzw. astrophysikalischen und kosmochemischen Forschungsthemen enthalten
die in der Abteilung für Partikelchemie betreuten Diplom- und Doktorarbeiten
-schon von der Konzeption her- umfangreiche technologische und instrumentelle
Komponenten.
Hierdurch wird den Studenten die Möglichkeit gegeben, Kenntnisse
zu erweben in:
modernster
Messtechnik der Aerosolanalytik (wie Aerosol-Massenspektrometrie, SMPS-Systeme,
Kondensationskernzähler, optische Methoden zur Messung der Partikelgrößenverteilung,TEOM,
ELPI, CARUSSO und andere)
UV Laser
Technologie
Hochvakuumtechnik
diskreter
und analoger Schalt- und Steuerungselektronik
digitaler
Mess- und Regelungstechnik
computergestützter
Daten- und Signalverarbeitung mit automatisierter Datenerfassung und Messcomputerbau
Strömungsmechanik
im Zusammenhang mit den Flugzeugmessungen und Experimenten im Windkanal
flugzeuggestützter
Messtechnik
thermodynamischer
Verfahrenstechnik
mathematischer
Methodik zur Datenauswertung
numerischer
Verarbeitung großvolumiger Datenstrukturen
modernster
Bildverarbeitungsmethoden (wie Holografie und Hochgeschwindigkeitsdigitalbilderfassung
zu Messzwecken)
chemischer
Laboranalytik zur Messung von Spurenstoffen in
Wasser- und Eisproben
Rasterelektronenmikroskopie
Sekundärionenmassenspektrometrie
im Zusammenhang mit der Partikelanalyse im MADONNA System
S. Borrmann
|