LAUDATIO im Namen des Fachbereichs zur Verleihung der 
Ehrendoktorwürde zum Doktor der Sportwissenschaft (Dr.Sportwiss. h.c.)
am Freitag, den 5.Dezember 2003 , vorgetragen von Univ.-Prof. Dr. Norbert Müller
 
Zunächst einige Daten:
·            Geb. 1935 in Waiblingen
·            Von 1953 bis 59 Studium in Jena und Heidelberg
·            Verheiratet mit der Kinderärztin Frau Dr. Ute Jüngst-Gieg
·            Tochter Dr. Ute Jüngst lehrt als Sprachwissenschaftlerin an der Univ. Leipzig 
·            1959 Promotion zum Dr.med.
·            1961-62 Assistenzarzt in Kirchheimbolanden
·            ab 1962 wiss. Assistent an der Universitätskinderklinik Mainz
·            1966 Facharzt für Kinderheilkunde
·            1971 Habilitation in Medizin mit der "Venia legendi"  für Kinderheilkunde
·            ab 1972 Oberarzt und apl. Professor für Kinderheilkunde an der Kinderklinik des Universitätsklinikums Mainz
·            1974 begegnete unser Fachbereich zum ersten Mal dem Hochschullehrer Jüngst, und diese enge Verbindung hielt bis heut an:
·            Er war am Aufbau des Schwerpunktes Behindertensport ab 1974 als  medizinischer Ratgeber und für 15 Jahre als akademischer Lehrer unbesoldet hilfreich tätig.
·            Seit 1976 Lehrbeauftragter für Sportmedizin an unserem Fachbereich Sport in internistischer Sportmedizin,
·            ab 1979 hielt Prof. Jüngst in jedem Sommersemester unendgeldlich die unter den Studenten nicht nur des Schwerpunktes Behindertensport geschätzte Vorlesung „Das gesunde und das kranke Kind“.
·            Prof. Jüngst betreute neben seiner umfassenden Kliniktätigkeit „ganz nebenbei“ 30 Diplom- und Staatsexamensarbeiten in Sportwissenschaft und 6 sportmedizinische Dissertationen. Dass mehr als 10 ehemalige Sportstudenten/Innen nach ihrem Sportabschluß Medizin studierten und als Sportmediziner erfolgreich tätig wurden. ist auch und besonders sein Verdienst. 
 
Das wiss. Opus von Herrn Jüngst umfaßt 130 Einzelbeiträge und 5 Monographien. Etwa 75% sind der Medizin, 25% der Sportmedizin und Sportwissenschaft zuzuordnen. Es kommen eine Fülle von wissenschaftlichen Beiträgen bei pädiatrischen-, sportmedizinischen und sportwissenschaftlichen Kongressen hinzu, aber auch viele Vorträge bei Lehrtagungen der Sportverbände, u. a. war er Lehrreferent der DLRG.
Lassen sie mich einige Themen zur Veranschaulichung herausgreifen:
-             Das Verhalten von QTc unter Belastung bei Kinder und Jugendlichen,
-             Kontinuierliche EEG-Ableitung unter submaximaler fahradergometrischer Belastung bei Kindern,
-             Ventrikuläre Tachyarrhthmien als Ursache kardialer Synkopen unter körperlicher Belastung, und nun die angewandte Sportmedizin:
-             Verletzungen im Handballsport,
-             Sport als Instrument der Gesundheitserziehung im Kindes- und Jugendalter,
-             Hygienemaßnahmen nach dem Sportunterricht,
-             Über den pädiatrischen Nutzen des Babyschwimmens,
-             Oder wiederholt von Jüngst behandelt: Der schädliche Schulranzen.  
 
Sie sehen, meine Damen und Herren, eine Fülle unterschiedlicher sporttheoretischer Fragestellungen.
 
Prof.Jüngsts Aktivität wurde natürlich geprägt von seinem Arbeitsschwerpunkt Kinderkardiologie, also körperliche Belastbarkeit bei angeborenen Herzfehlern. Dazu hat er zahlreiche Publikationen.
Die Monographie von 1984 „Blutkreislauf und hypotone Fehlregulation“ enthielt eigene Kapitel zur notwendigen täglichen Belastung und zur richtigen Ernährung, heute noch uneingeschränkt aktuell. 

Eine Veröffentlichung halte ich für besonders richtungweisend: 
Der Vergleich echo-kardiographisch gewonnener Herzparameter körperlich bewegungsarmer (spastischer) und bewegungsnormaler Kinder. Erwartungsgemäß liegen die Herzwerte der
bewegungsarmen Kindern weit unter den Normwerten. Das zeigt die Bedeutung der normalen Bewegung für die Entwicklung der Kinder, das veranlasste ihn früh, den Schwerpunkt Behindertensport an unserem FB mit zu fördern. In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, dass Herr Jüngst sich engagiert in der Ausbildung der Krankengymnastinnen einsetzte und auch publizierte. Hier hat er zahlreiche sportwissenschaftliche Fragestellungen praxisnah umgesetzt.
 
In mehreren Lehrbüchern hat Prof. Jüngst die Kapitel „Pädiatrische Sportmedizin“ geschrieben, u. a. Lehrbuch der Sportmedizin von Badke, „Jugendmedizin“ von Palitzsch und in dem „Lehrbuch der Kinderheilkunde“ von Spranger. 2002 publizierte Jüngst bei Thieme in Stuttgart das Handbuch der „Kinder- und Jugendsportmedizin Grundalgen-Praxis-Trainingstherapie“ (zusammen mit Hebenstreit und seinem hier anwesenden Schüler Ferrari).
 
Wo sind seine besonderen Verdienste? Schon vor ihm gab es Pädiater, die sich mit der Belastungsreaktion im Kindesalter befaßt haben. Sie haben aber alle die Gremienarbeit und Öffentlichkeitsarbeit gemieden. Prof.Jüngst ist trotz seiner hohen hauptamtlichen Belastung verstärkt in die Arbeit des Deutschen Sportärztebundes eingestiegen und hat erreicht, dass die Sportmedizin, die Kinderheilkunde und deren Verbindung zur Sportmedizin aktiver wahrgenommen wurden. Er hat erreicht, dass auf Kongressen der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde Sitzungsanteile der Pädiatrischen Sportmedizin gewidmet wurden und in allen inzwischen erschienen Lehrbüchern der Kinder- und Jugendmedizin das Kapitel Sportmedizin selbstverständlich geworden ist. Gemeinsam mit Prof. Lücking, Düsseldorf, hat Prof.Jüngst die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendsport gegründet und war ihr erster Sprecher. Aus dieser AG ist die Gesellschaft für Pädiatrische Sportmedizin mit Mitgliedern aus Österreich, Schweiz und Deutschland hervorgegangen, weltweit die größte Kinder- und Jugendsportmedizinische Organisation.
 
Der Schulsport ist ein zentrales Thema der Pädiatrischen Sportmedizin.
Herr Jüngst erwarb sich durch seine Lehrtätigkeit an unserem Fachbereich und seine breite Fortbildungstätigkeit breite Kontakte zu den Lehrern, dem Sportlehrerverband und Schulorganisationen. Er konnte dadurch Einfluss auf die Lehrplangestaltung in RLP nehmen. Dabei war er immer ein Kämpfer für die Sache des Kindes, ruhig - aber mit großer Beharrlichkeit und immer argumentativ.
 
Ein für ihn wesentlicher Punkt ist und war, dass es ihm gelang, die Kenntnisse, die er in den einzelnen Gremien erworben hatte, u.a. in der Sektion Kinder- und Jugendsport der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, in die Gremien des LSB einzubringen, und umgekehrt. 

Seit 1980 war Prof.Jüngst ein gewichtiges Mitglied des Landesausschusses Sportwissenschaft und der Landessportkonferenz Rheinland-Pfalz. Darüber hinaus war er im Deutschen Sportbund ein willkommener Ratgeber. Manches Mal hörte ich in dessen Gremien: „Ihr habt ja zum Glück in Mainz den Jüngst…“ Doch diesen Bereich seiner ehrenamtlichen Arbeit wird LSB-Präsident Prof. Sterzenbach später eigens würdigen.

 

Hohe Festversammlung, verehrter Herr Kollege Jüngst, meine Damen und Herrn, Sie sehen die wissenschaftliche Lebensleistung eines Hochschullehrers vor sich, die unseren Fachbereich veranlassten, Herrn Prof. Jüngst die höchste und seltene Ehre des Doktors der Sportwissenschaft ehrenhalber zuzuerkennen. Als Weggefährte über 3 Jahrzehnte war es mir eine Freude, diesen Lebensweg in meine Laudatio nochmals nachzeichnen zu dürfen.

 

Ich danke Ihnen.