Die 1477 gegründete alte Mainzer Universität verfügte von Anfang an über eine theologische Fakultät. In ihr gab es in den Jahren 1517-1525 mehrere lutherisch gesonnene Professoren der Theologie, doch blieb mit dem Kurstaat Mainz auch die Universität bis zu ihrer schrittweisen Aufhebung durch die Franzosen (1792, 1797, 1822) römisch-katholisch. Ein Studium der evangelischen Theologie war hier auch im 18. Jahrhundert noch nicht möglich.
Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Johannes Gutenberg-Universität entstand (1946), wurden die Professoren des 1805 geschaffenen Priesterseminars zum Lehrkörper der neuen Katholisch-theologischen Fakultät. Neben dieser entstand, erstmals auf nunmehr (1946) rheinland-pfälzischem Boden, auch eine Evangelisch-theologische Fakultät. Mainz gehörte zur französischen Besatzungszone; die traditionsreichen evangelisch-theologischen Studienorte Heidelberg, Gießen und Marburg lagen im amerikanisch besetzten "Ausland".
Der von den evangelischen Landeskirchen des Rheinlands, Hessens und Nassaus sowie der Pfalz mit der Federführung beauftragte rheinhessische Superintendent Reinhard Becker (Albig) gewann im April 1946 den Berliner Pfarrer und Dozenten Wilhelm Jannasch (1888-1966) als ersten Professor und Gründungsdekan der jungen Evangelisch-theologischen Fakultät. Jannasch blieb fünf Semester lang Dekan und baute kontinuierlich seine Fakultät auf, indem er für die Berufung von Theologen nach Mainz sorgte; bis zum Wintersemester 1946/47 waren zehn Professoren, Dozenten und Lehrbeauftragte gewonnen. Jannasch selbst bekleidete den Lehrstuhl für Praktische Theologie (1946-1956).
Von den Professoren der ersten Stunde verdienen die Alttestamentler Kurt Galling (in Mainz 1946-1955) und Friedrich Horst (1947-1959), die Neutestamentler Ernst Käsemann (1946-1951), Eduard Schweizer (1946-1949), Erich Dinkler (1949-1951) und Werner Georg Kümmel (1951-1952), die Kirchengeschichtler Walther Völker (1946-1961), Wilhelm Boudriot (1946-1948) und Adolf Hamel (1949-1958), die Systematischen Theologen Friedrich Delekat (1946-1960) und Werner Wiesner (1949-1968) sowie der Religions- und Missionswissenschaftler Walter Holsten (1947-1973) eigens genannt zu werden.
Seit der Wirksamkeit Kurt Gallings (1946-1955) ist einer der beiden alttestamentlichen Lehrstühle mit dem Fach Biblische Archäologie verbunden; ihn hat zur Zeit Wolfgang Zwickel (seit 1998) inne.
Das Studienfach der christlichen Orientalistik und der Judaistik wurde in Mainz durch Eugen Ludwig Rapp (1949-1973) begründet; diese Tradition wird durch Günter Mayer (seit 1972) und Leo Trepp (seit 1988) weitergeführt. Ein ständiger Lehrauftrag für Kirchenmusik, von 1963 bis 1975 wahrgenommen durch Diethard Hellmann, wird seit 1981 versehen durch Christa Reich. Lehraufträge für Territorialkirchengeschichte Hessens und Nassaus sowie der Pfalz, erstmals wahrgenommen durch Heinrich Steitz (1950-1979) und Georg Biundo (1946-1968), werden bis zur Gegenwart weitergeführt. Als weitere Fächer werden durch Wissenschaftliche Mitarbeiter und Lehrbeauftragte alte Sprachen und Kirchenrecht angeboten.
Im Sommersemester 1973 erfolgte an der Universität Mainz die Durchführung des Hochschulgesetzes vom 22.12.1970; der klassische Kanon der sechs Fakultäten wurde in 26 Fachbereiche aufgelöst. Aus der Evangelisch-theologischen Fakultät wurde der Fachbereich 02 bzw. Fachbereich Evangelische Theologie. An der inneren Struktur der ehemaligen Fakultät hat diese Umbenennung nichts geändert. Der Mainzer Fachbereich 02 umfaßt im Wintersemester 2003/2004 11 Universitätsprofessorinnen und -professoren, 1 Juniorprofessorin, 1 Hochschuldozenten, 3 Wissenschaftliche Assistenten und Assistentinnen und 7 Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Zahl der Studierenden beträgt für das Pfarramt 91, für das Lehramt (Gymnasium) 28, für das Diplom 57, für den Magister 2 und für die Promotion 32.
(O. Böcher)