"Take the dare."
von Andreas Rauscher


Disc 1
- Film (Länge: 99 min; Ton-Format: dt./engl. 5.1; Untertitel: dt./engl.; Bild-Format: 2.35:1, Widescreen Version 16:9)
- Kommentarvon Effekte-Regisseur John Kilkenney
- Audio-Kommentar von Regisseur Mark Steven Johnson und Produzent Gary Foster
- Text-Kommentar

DAREDEVIL 2-Disc Special Edition

Erschienen: 13.9.2003
20th Century Fox Home Entertainment
FSK 16

 


Disc 2
- Making of Daredevil
- 6 Clips
- 4 Featurettes
- HBO-Special Daredevil
- Multi-Angle Kampfszenen
- Screen Test Jennifer Garner
- Easter Egg
- Bildergalerie
- 3 Kino-Trailer Daredevil
- Musik-Video "Won't back down" von Fuel
- Musik-Video "For You" von The Calling
- Musik-Video "Bring me to Life" von Evanescene

Das überwiegend durch die Marvel-Adaptionen der letzten drei Jahre veränderte Verhältnis zu Comicverfilmungen zeigt sich nicht nur an deren Komplexität und der Ernsthaftigkeit der Regisseure, sondern auch an der Gestaltung der entsprechenden DVDs. Seit der Doppel-DVD zu Sam Raimis SPIDER-MAN und der überarbeiteten ergänzten Special Edition X-MEN 1.5 ähneln die Veröffentlichungen zunehmend kommentierten Werkausgaben, in denen sowohl auf die Entstehungsgeschichte des Films, als auch auf die Hintergründe der Comicserien eingegangen wird. Gerade letztere erweisen sich im Fall von Mark Steven Johnsons DAREDEVIL als überaus hilfreich.

Der Film wirkt eindrucksvoller und stimmiger, wenn man bereits die Comicvorlagen, zumindest Man without Fear von Frank Miller kennt. Der Wiedererkennungseffekt ist enorm. Man ergänzt automatisch die fehlenden Teile der Geschichte, und es stört nicht mehr so sehr, dass einige Elemente des Plots zu fragmentarisch bleiben. Ohne Kenntnis der entsprechenden Hintergründe wirkt das erste Abenteuer des blinden Anwalts und Rächers aus den New Yorker Slums von Hell's Kitchen zwar visuell äußerst eindrucksvoll, aber gleichzeitig auch in der Dramaturgie so episodenhaft, als hätte man auf dem Flohmarkt einige Daredevil-Comics erstanden, bei denen einzelne wichtige Nummern fehlen. Dieses Problem kann im Unterschied zum Kinobesuch im Fall der DVD jedoch durch die ausführlichen Dokumentationen über die Comics behoben werden.

Die in der ungekürzten 2-Disc Special Edition (von der drastisch geschnittenen FSK 12-Kinoversion sollte man möglichst die Finger lassen) sehr detailreich ausgestattete DVD unterstreicht den bereits beim Kinobesuch entstandenen Eindruck, dass Mark Steven Johnsons Stärken in der Kenntnis der Comics und in seinem Gespür für die optische Umsetzung liegen. Das Eröffnungsmotiv des Films, wenn Daredevil sich an das Kreuz einer Kirche klammert, übernahm Johnson aus einem Comic, der von Joe Quesada und dem Filmemacher Kevin Smith stammt. Dass die anschließende Beichte als narrative Klammer für die ersten zwei Drittel des Films nicht gänzlich überzeugt und später auch nicht erklärt wird, wieso sich Daredevil an das Kreuz klammert, sind zwei Beispiele für die Lücken des Plots. Diese werden jedoch durch den inszenatorischen Einfallsreichtum und das Spiel der hervorragend besetzten Darsteller wieder ausgeglichen. Jennifer Garner, deren Talent sich bereits in den ebenfalls auf der DVD enthaltenen Screen Tests andeutet, erscheint beinahe interessanter als die Comicfigur Elektra selbst. Der TV-Star der erfolgreichen Serie ALIAS spielt nicht nur die abgebrühte Coolness der tragischen Rächerin aus, sondern bringt in die Rolle eine Art von Sensibilität und Verwundbarkeit ein, die der populären Auftragskillerin in der Vorlage abgeht. Colin Farrell demonstriert erneut seine Talente als schauspielerisches Chamäleon. Ben Afflecks affektierte Art erweist sich indirekt als produktiv und akzentuiert die problematische Selbstbezogenheit Daredevils und seinen anfänglichen Hang zur Selbstjustiz. Der hünenhafte Michael Duncan Clark berichtet hingegen in einer der Dokumentationen über seine Begeisterung für den Kingpin und die außergewöhnliche Idee, dass der Held der Comics aus den New Yorker Slums kam, die Clark selbst aus seiner Vergangenheit vertraut sind. Die Begeisterung des Regisseurs, die sich an seiner Recherche und seiner Detailgenauigkeit in den Features deutlich zeigt, und die Spielfreude des Ensembles machen DAREDEVIL letztendlich zu einem noch nicht vollständig gelungenen, aber vielversprechenden Einstieg in eine Serie, die in den nächsten Jahren sowohl in einem zweiten Teil, als auch in einem Elektra-Spin Off fortgesetzt wird. In Sachen Plotgestaltung wäre es allerdings sinnvoll, wenn Johnson sich für die Dramaturgie des nächsten Teils von Frank Miller oder Kevin Smith beraten lassen würde.

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DAREDEVIL