Finsteres Nass
von Bernd Zywietz
DARK WATER
Erschienen: 01.06.2004
Highlight DVD
FSK 16
ca. 97 min
Tonformat:e:
Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.0 (Japanisch)
Sprachen:
Deutsch, Japanisch
Bildformat::
1,90:1 in 16:9
Wasser, immer wieder Wasser. Schmutziger, schier endloser Regen. Eine leckender Tank auf dem Dach. Wasserhähne, die außer Kontrolle geraten. Und Tränen.
Nach den RINGU-Filmen (JP 1998-2000) hat Regisseur Hideo Nakata mit DARK WATER erneut eine Vorlage von Kôji Suzuki umgesetzt. Und wieder ist ihm ein kleiner feiner Film gelungen, der mit "Horror" nicht ganz treffend etikettiert ist.Die junge Yoshimi Matsubara, in Scheidung lebend, sucht für sich und ihre kleine Tochter Ikuko eine Wohnung. Angesichts des Sorgerechtsstreits bezieht sie ein Apartment in einem unfreundlichen anonymen Wohnblock. Düster sind die Flure, klamm die Wände, und der Hausmeister, bei dem sie sich über einen mysteriösen Wasserfleck an der Decke beschwert, erweist sich als wenig hilfreich. Dazu seltsame Fäden aus dem Wasserhahn, eine rote Kindertasche, die immer wieder auftaucht, das Trappeln von Füßen in der angeblich leeren Wohnung über ihnen: steht das alles in Zusammenhang mit dem phantomhaften kleinen Mädchen – etwa jenem Kind, das vor einem Jahr spurlos aus dem Kindergarten verschwunden ist? Natürlich tut es das. Und Hideo Nakata präsentiert die Teile des Puzzles elegant und unspektakulär, bis sich alles zu einem Bild fügt – desto beängstigender sind die Schrecken. Passend dazu die erfreulich lakonische Kamera, deren wässrige, braungelbe oder grüngraue Bilder das schleichende Grauen um so besser vermitteln. Da genügt schon das bis zur Monstrosität verwaschene Foto eines Mädchens auf einem Fahndungsplakat oder ein Schemen auf dem Überwachungsmonitor des Fahrstuhls. Und wieder ist es das Gesichtslose, sind es erneut lange schwarze und feuchte Haare, die entsetzlicher sind, als alles, was sich dahinter verbergen mag.
Ähnlich wie M. Night Shyamalan (THE SIXTH SENSE (USA 1999), SIGNS (USA 2002)), doch ohne dessen artifizieller Trance, trifft Hideo den Tonfall, um erneut, wie in RINGU, vom Überschwappen der alten Welt des Übersinnlichen in das urbane Japan von heute zu erzählen. Gerade darin liegt der Reiz. Doch diesmal ist nicht die Medientechnik, der die Rationalität ausgetrieben wird, sondern das moderne Sozialleben, das Geister gebiert: das Zerbrechen der Familie, allein erziehende Mütter, fehlende Väter – und immer wieder die Kinder, die zu Opfer werden.
Wieder schafft Hideo, diesmal gar schlüssiger, wenn auch traditioneller, ein kleines, ruhiges Meisterwerk des Unheimlichen. Während er sich bei RINGU noch auf David Cronenberg bezog, scheint er sich nun bei Kubricks THE SHINING (USA 1980) einiges abgeschaut zu haben. Doch in DARK WATER – das ist das bemerkenswerte – geht es letztlich nicht um "das Böse". Im Gegenteil. Ansonsten aber ist Hitomi Kuroki als Mutter ähnlich labil und überfordert wie Shelley Duvall. Auch hier geht das Grauen in einem trutzig feindlichen Bau um. Und ebenso wie in der King-Verfilmung bricht da eine Springflut aus dem Fahrstuhl über ein kleines Kind herein. Bloß dass es hier nicht Blut ist. Dieses rote Nass, noch allzu oft als existentiell für das Genre begriffen, fehlt. Aber Hideo beweist einmal mehr, dass es darauf nicht ankommt, dass die besten Horrorfilme vor allem eines sind: kleine große Tragödien. Wie die einer Frau, die sich für ihr Kind opfert oder die eines kleinen Mädchens, das von seiner Mutter vergessen wurde.
Die DVD bietet außer dem Trailer keine Beigaben. Das ist schade, aber allein die originale Tonspur lohnt den Kauf, obwohl die deutsche Synchronisation recht sorgfältig ihre Stimmen auswählt. Daher: Deutsch fürs Verständnis, Japanisch zum Genuss.
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