Arthur der Gladiator
von Georg Szwillus

KING ARTHUR
USA 2004.
R: Antoine Fuqua. B: David Franzoni. D: Clive Owen (King Arthur), Keira Knightley (Guinevere), Ioan Gruffudd (Lancelot), Stephen Dillane (Merlin), Stellan Skarsgård (Sachsenhäuptling Cerdic), Til Schweiger (sein Sohn Cynric), Ray Winstone (Bors), Hugh Dancy (Galahad).

KING ARTHUR

König Artus? König der Legenden, weise und stark, mutig und wortgewandt, ein echter Herrscher, aber getrieben durch einen göttlichen Auftrag, den heiligen Gral zu finden? Ein echter Brite? Mitnichten! Laut den Machern des Films KING ARTHUR war Artus nämlich nicht englischer Abstammung, sondern ein in den römischen Kriegsdienst gezwungener Sarmate (ein osteuropäischer Kriegerstamm), der in den Außenposten auf Britannien mit seinem Kavallerieregiment für Ordnung gesorgt hat.
Wir befinden uns also ungefähr im Jahre 400 n. Chr. Nach 15 Jahren Dienst ist Artus und seinen Männern eigentlich die Freiheit versprochen. Ein arroganter römischer Bischof beschließt aber, die Kampferfahrung der Recken für eine letzte Mission auszunutzen: Die Befreiung eines jungen Römers, dem eine ungeheure klerikale Karriere bevorstehen könnte. Widerwillig stimmen die Ritter zu, und es beginnt eine Reise in den Norden, auf der sie nicht nur dem Untergrundkämpfer Merlin und seinen blau bemalten Männern begegnen, sondern auch die kampferprobte Guinevere befreien, und sich angesichts mordender Sachsenhorden (mit von der brandschatzenden Partie: Til Schweiger) die Frage stellen müssen, ob ihre Loyalität nur Ihnen selbst gilt oder vielmehr dieser verregneten Insel, auf der sie den letzten Teil ihres Lebens verbracht haben.

Der Film erhebt den Anspruch, die Wahrheit hinter der Legende zu erzählen. Drehbuchautor David Franzoni (GLADIATOR (USA 2000)) hat deshalb viele Geschichtsbücher gewälzt und schließlich mit dem Römer Lucius Artorius Castus einen möglichen Ursprung der Artus-Sage gefunden. Darauf beruht dieser Film. Schade nur, daß sich die historische Authentizität oft auf Ausstattung beschränkt und darauf, dass Merlin kein weiser Magier ist, sondern ein dubioser Robin Hood-Verschnitt mit blauer Farbe im Gesicht. Schade auch deshalb, weil die Artus-Legende vor dem vergleichsweise unverbrauchten Szenario "Dunkles Zeitalter" zu erforschen, interessanter gewesen wäre. So wird der Sagenkönig zwar auf einen vertriebenen römischen Feldherren reduziert, aber wichtige Schlüsselfiguren und -ereignisse verblassen zu bloßen Randerscheinungen und am Ende wird nicht die "Wahrheit hinter der Legende Artus" erzählt, sondern einfach ein Mann gezeigt, der vielleicht hätte Artus sein können. Zugegeben, dies wäre sogar ein interessanter Ansatzpunkt: auch Legenden fußen auf ganz gewöhnlichen Menschen, Geschichten werden zu Selbstläufern, die sich erweitern und verändern im Laufe der Zeit. Aber das erzählt der Film eben leider nicht. Statt die Sage zu entmystifizieren wird sie nur nach Hollywoodmanier remystifiziert, unglücklicherweise aber auch das nicht besonders faszinierend. Anstatt einen der angedeuteten Konflikte, etwa die Kriegsmüdigkeit, die Heimatlosigkeit oder sogar den inneren Glaubenskonflikt Artus' ein wenig nuancenreich zu zeichnen, wird nur die für Hollywood übliche Palette an Heldengedöns fachmännisch auf die Leinwand gekleckst.

Soweit zum eher faden Geschmack des Films insgesamt. Positiv im Gedächtnis bleiben jedoch die mit beträchtlichem Aufwand inszenierten Scharmützel- und Schlachtensequenzen, die besonders auf der akustischen Ebene überzeugen: Durch geschickte Klanginszenierung fühlt man sich – ein entsprechend ausgerüstetes Kino vorausgesetzt – tatsächlich sehr stark in die Szenerie hineinversetzt. Auch die Montage findet in diesen Sequenzen besonders gut ihren Rhythmus.
Wenn es abseits des Schlachtengetümmels doch einmal interessant wird, so ist dies vor allem dem eindringlichen Spiel der 'Nebenritter', allen voran Ray Winstone als Bors, zu verdanken. Ihm gelingt es, einen Mann darzustellen, der des Kämpfens müde geworden ist, obwohl er nichts anderes kann. Auch wenn ihm dafür nur wenig Platz im Film eingeräumt wird, schafft er es, den Gegensatz zwischen dem Mann, der in der Schlacht seinen Gegnern mit Genuss den massigen Körper entgegenwirft, und dem unbeholfenen Vater, der zahlreiche Kinder mit mehreren Frauen hat, nicht unglaubwürdig oder lächerlich werden zu lassen, sondern abwechslungsreich auszugestalten.

Die sonstige Rahmenhandlung zwischen den Schlachtenszenen (als ein solches Füllmaterial betrachtet sie wohl der Regisseur), wird leider vernachlässigt. Dementsprechend wirkt die Motivation der Figuren, besonders des Artus' und Guineveres, wenig glaubwürdig und arg aufgesetzt, und insgesamt fehlt die emotionale Bindung an sie, auch und gerade, wenn es im Film richtig zur Sache geht.
Mit mehr Sorgfalt und einem größeren Vertrauen in die Stärke interessanter Charaktere (im Gegensatz zu stereotyp konfliktgetriebener Figuren) hätte KING ARTHUR ein großartiger Film werden können.
So ist es nur ein solide inszenierter 'Historienfilm mit Mythosbeilage', der seine Versprechen nicht einlösen kann.