Die Sammlung wächst und wächst
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4. März 2013 Das Herbarium der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ist kaum bekannt. Dabei enthält es viele teils seltene Pflanzen- und Pilzarten, von denen einige bis heute nicht ausreichend klassifiziert sind. Hier ruht eine große Sammlung rheinland-pfälzischer Pilze und Pflanzen aus dem Naturschutzgebiet Mainzer Sand neben Exotischem aus Costa Rica oder Ruanda. PD Dr. Gudrun Kadereit zeigt, was das Herbarium zu bieten hat.
Es sieht aus wie ein einfacher Briefumschlag, nichts Besonderes eigentlich. Dr. Gudrun Kadereit faltet das Stück Papier vorsichtig auseinander. Zum Vorschein kommt ein gepresstes, getrocknetes Stückchen Moos. "Ulrich Hecker hat das Herbarium 1964 gegründet", erzählt Kadereit. Für den damaligen Kustos des Botanischen Gartens war es am Anfang vor allem eine Einrichtung, die als Vergleichssammlung für den Garten genutzt wurde. Inzwischen ist viel mehr daraus geworden ... Neuer Raum für höhere Pflanzen
Die Decke ist recht niedrig in dem Raum unterm Dach des Instituts für Spezielle Botanik der JGU. Graue Mappen, sogenannte Faszikel, liegen auf einigen zusammengeschobenen Tischen aus. Kadereit ist froh, dass ein großer Teil der Sammlung im Dezember 2012 hierher umziehen konnte. Seinerzeit zog die Samenputzanlage aus. "Einen hauptamtlichen Kustos hat diese Sammlung leider nicht", erzählt Kadereit. Seit Jahren schlummerte das Herbarium im Keller mehr oder weniger vor sich hin. Nun bemüht sich die Botanikerin mit Unterstützung der technischen Mitarbeiter des Instituts und einiger ehrenamtlicher Helfer um die rund 45.000 Belege zu Pflanzen und Pilzen aus Kolumbien und Ecuador, Italien oder eben vom Mainzer Sand. Eine Seerose aus RuandaStändig kommt neues Material hinzu. "Voriges Jahr waren es allein 7.000 Belege aus dem Gargano." Ein ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts, Dr. Wolfgang Licht, war häufig mit Studierenden in Süditalien unterwegs – und wann immer das Institut forscht, wann immer ein Doktorand Pflanzen oder Pilze untersucht, müssen Belegexemplare im Herbarium hinterlegt werden. "Es reicht nicht, wenn wir nur ein Foto hier haben." Ein Schwerpunkt der Mainzer Botaniker ist die molekulargenetische Verwandtschaftsforschung. Da ist es wichtig, dass die Ergebnisse im Zweifelsfall genau zu überprüfen sind. Ein Abbild genügt nicht, die Pflanze selbst muss zur Hand sein, auch nach Jahrzehnten noch.
Kadereit schlägt eines der grauen Faszikel auf. "Das hier pflegen wir besonders", erklärt sie. Ausnahmsweise kommen rote Pappdeckel zum Vorschein. "Holotypus" nennt sich dieser besondere Beleg. Von der Seerose existiert nur ein einziger. Denn selbst wenn Nymphaea thermarum in einem anderen Herbarium zu finden ist: Entdeckt wurde die Art durch Fischer aus Mainz, nur hier steckt sie im roten Umschlag. Aufbruch in die digitale WeltWeltweit gibt es rund 3.600 Herbarien. Die Mainzer Sammlung ist eher klein. In Berlin oder London geht die Zahl der Belege in die Millionen. "Bei uns lässt sich sehr gut arbeiten, weil die Sammlung überschaubar ist", so Kadereit. Diese Überschaubarkeit wäre noch besser, wenn die Sammlung digital inventarisiert wäre. Daran arbeiten Kadereit und ihre Helfer gerade. Sie haben sich der Datenbank des Wiener Herbariums angeschlossen, wo das Mainzer Herbarium unter dem Kürzel MJG, Mainz Johannes Gutenberg, firmiert. Rund 10.000 Belege der Mainzer Sammlung sind bereits online, darunter eine große Sammlung zur Flora von Rheinland-Pfalz. Der größte Feind des Herbariums
Vom Dach führt Kadereit hinunter in den Keller, denn nicht die gesamte Mainzer Sammlung ist umgezogen. Die Pilze etwa lagern im Keller. Es geht vorbei an einem summenden Kühlschrank. "Der größte Feind des Herbariums ist die Herbarkäfer", erzählt sie. In den Kellerräumen angekommen, präsentiert die Botanikerin einen kleinen Plastikeimer. An dessen Boden schwimmen in einer Flüssigkeit einige wenige Käfer. "So stellen wir die Befalldichte fest." Derzeit bewegt sie sich im normalen Rahmen. Doch es gab schon Ausbrüche, die es nötig machten, das gesamte Institut per Sauerstoffmangel von der Plage zu befreien. "Das ist eine sehr kostspielige Prozedur." Und Geld ist knapp, wenn es ums Herbarium geht. "Es wird aus den Mitteln unseres Instituts unterhalten."
In den Schränken hier unten stapeln sich Behälter mit getrockneten Pilzen. Einige scheinen vertraut mit ihren typischen Hüten, andere wirken wie Wesen aus einer anderen Welt. Unbekanntes aus Costa RicaSie enthalten Pflanzenproben aus Costa Rica, Beispiele der Páramo-Vegetation. Es sind Podostemaceae aus den Flüssen und Quellen Zentralamerikas. "Sie sehen wie Algen aus, sind aber Blütenpflanzen." Meinhard Grubert ist als Sammler auf den Etiketten verzeichnet. 1972 war er auf Forschungsreise. Doch zu den Belegen fehlt oft der Name der einzelnen Pflanzenart. Hier liegt also etwas, das es noch zu erforschen gilt. In den letzten Jahren hat sich einiges getan im Herbarium der JGU: der neue Raum, die Digitalisierung der Bestände ... "Ich hätte gern noch mehr Zeit dafür", sagt Kadereit. Sie arbeitet an einer ausführlichen Internetseite, ein neues Logo fürs Herbarium gibt es bereits. Und aktuell sammelt sie mit Helfern im Ober-Olmer Wald. "Das Gebiet ist sehr artenreich, aber bisher nirgends dokumentiert." Das Herbarium wird also weiterwachsen, das ist sicher. Dr. Gudrun Kadereit und ihre Helfer tun, was sie können. |






