Ambulanz zur Behandlung von Computerspiel- und Internetsucht eröffnet

Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz startet Modellprojekt

03.03.2008

Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eröffnet eine neue Spielsucht-Ambulanz. Hier wird künftig nicht nur das Pathologische Glücksspiel, sondern erstmalig in Deutschland auch das Störungsbild Computerspiel- bzw. Internetsucht gruppentherapeutisch behandelt. Damit reagiert die Universitätsmedizin Mainz auf den aktuell steigenden Bedarf der Betroffenen, die an Computerspielsucht leiden, und will mit dem neuen Angebot eine existierende Versorgungslücke schließen. Angesiedelt ist die neue Ambulanz unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Manfred E. Beutel und Dipl.-Psych. Klaus Wölfling an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

"In den letzten Jahren ist der Bedarf an Beratung und psychotherapeutischen Interventionen bei Betroffenen mit exzessivem bzw. süchtigem Computerspielverhalten im Kindes- und Jugendalter sowie bei jungen Erwachsenen stark angestiegen", so Dipl.-Psych. Klaus Wölfling, psychologischer Leiter der neuen Ambulanz. "In diesem Zusammenhang deuten verschiedene wissenschaftliche Studien unserer Forschungsgruppe zum Symptomkomplex Computerspielsucht darauf hin, dass etwa sechs bis neun Prozent der untersuchten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die aktiv am Computer spielen, die Kriterien einer Abhängigkeit in Bezug auf ihr Computerspielverhalten erfüllen."

Diese Auftrittshäufigkeiten decken sich mit den Ergebnissen verschiedener nationaler und internationaler Forschungsgruppen. Auch die renommierte American Medical Association (AMA) befasste sich kürzlich mit der Aufnahme einer Diagnose "Computer-/Videospielsucht" in den Kriterienkatalog psychischer Störungen. Eine Anerkennung dieses Störungsbilds im anglo-amerikanischen Raum wäre auf gesundheitspolitischer Ebene auch für Deutschland richtungsweisend. Aufgrund der noch zu geringen Datenlage wurde die Einführung der neuen Diagnose bisher nicht berücksichtigt.

"In unserer täglichen Arbeit häufen sich Anfragen hinsichtlich der exzessiven und inadäquaten Nutzung moderner Medien insbesondere im Kinder- und Jugendbereich", unterstreicht Univ.-Prof. Dr. Manfred Beutel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Bisher habe sich hier nicht die Möglichkeit geboten, eine zielgenaue und qualifizierte psychotherapeutische Behandlung des Symptomkomplexes anzubieten. So bestehe trotz steigender Fallzahlen in der medizinischen Versorgung und in den Anlaufstellen der Suchtkrankenhilfe aktuell ein Versorgungsdefizit für Patienten mit suchtartigem Computerspielverhalten.

Diese Situation soll die neue Ambulanz an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie nun ändern. Dabei werden im Rahmen eines Modellprojekts erstmalig in Deutschland ambulante Gruppentherapien für Computerspiel- und Internetsucht für Jugendliche sowie junge Erwachsene angeboten. Aufgrund der noch fehlenden gesundheitspolitischen Anerkennung dieses Störungsbilds besteht hier eine Versorgungslücke im psychotherapeutischen Angebot. Ziel des Modellprojekts ist es, diese Lücke zu schließen. Dazu wird bei der ambulanten Behandlung ein Therapiekonzept mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie zum Einsatz kommen. Darüber hinaus wird im Rahmen der Eröffnung der Ambulanz für Spielsucht eine ambulante Gruppentherapie für das Störungsbild Pathologisches Glücksspiel bei Erwachsenen angeboten, die als reguläre Einrichtung allen Betroffenen offen steht.

Die Ambulanz, die derzeit auf dem Gutenberg-Campus untergebracht ist und später auf das Gelände der Universitätsmedizin Mainz umziehen soll, trägt den Namen der kürzlich unerwartet verstorbenen renommierten Wissenschaftlerin Univ.-Prof. Dr. Sabine M. Grüsser-Sinopoli. "Mit dem Konzept einer ambulanten Versorgung von computer- und glücksspielsüchtigen Patienten wollen wir ihre engagierte und anwendungsbezogene Arbeit auch künftig fortsetzen und zugleich ihr Andenken bewahren", so Beutel.

Zum Inhalt der Seite springen Zur Navigation der Seite springen