Georges-Köhler-Preis für Immunologen des Universitätsklinikums

Hohe Auszeichnung für Ugur Sahin und Özlem Türeci

21.09.2005

Dr. Ugur Sahin und Dr. Özlem Türeci erhielten am Mittwoch, dem 21. September 2005, in Kiel den Georges-Köhler-Preis der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Die beiden Preisträger erforschen an der III. Medizinischen Klinik des Klinikums der Johannes-Gutenberg Universität Mainz (JGU), ob und wie sich das körpereigene Immunsystem von Krebspatienten mit dem Tumor auseinandersetzt. Dabei haben sie eine Reihe von molekularen Merkmalen identifiziert, die Tumorzellen von gesunden Zellen unterscheiden. Diese Merkmalskartei bildet die Basis für eine zukünftige Immuntherapie bei Krebs. Der Georges-Köhler-Preis wird jedes Jahr an Wissenschaftler verliehen, die durch ihre Arbeiten einen herausragenden Beitrag zum besseren Verständnis des Immunsystems geleistet oder daraus resultierende Anwendungen geschaffen haben.

Die Immunologie ist eine wichtige Forschungsdisziplin: Immunologische Mechanismen – Reaktionen der körpereigenen Abwehr – spielen bei vielen Erkrankungen eine wichtige Rolle, beispielsweise bei chronischen Entzündungen, Allergien und Krebs. Erkennt das Immunsystem einen Fremdkörper, bildet es gegen diesen Abwehrmoleküle, so genannte Antikörper. Dabei kann das Immunsystem auch gegen den eigenen Körper Antikörper bilden – im Fachjargon heißen diese dann Autoantikörper. Sie spielen auch bei Krebs eine Rolle – schließlich sind Krebszellen körpereigene Zellen, die sich aber unkontrolliert teilen und vermehren.

"Wir wissen heute, dass sich unser Immunsystem zwar sehr wohl mit einem Tumor auseinandersetzt", erläutert Ugur Sahin. "Es reicht in der Regel aber nicht aus, um den Tumor zu kontrollieren. Eine nahe liegende Strategie ist, das Immunsystem derart zu aktivieren – oder zu unterstützen –, dass es in der Lage ist, Tumorwachstum zu begrenzen und bösartige Zellen zu zerstören." Für eine solche Immuntherapie bei Krebs haben die Wissenschaftler wichtige Voraussetzungen geschaffen: Sie haben herausgefunden, auf welche molekularen Merkmale eines Tumors das Immunsystem überhaupt reagiert. Mit von ihnen entwickelten Methoden und Techniken haben sie Moleküle identifiziert und charakterisiert, die nur von Tumorzellen gebildet werden und die in gesunden Zellen normalerweise nicht vorkommen. Dabei haben sie das Spektrum dieser so genannten Tumorantigene wesentlich erweitert – und eine Kartei von tumorspezifischen Merkmalen erarbeitet. Sind solche Merkmale bekannt, kann das Immunsystem entsprechend auf sie angesetzt werden, oder es können passende Antikörper, Impfstoffe und Zelltherapien entwickelt werden.

Zudem haben sich die Mainzer Wissenschaftler auch die Immunantwort des Körpers auf Krebszellen genau angeschaut: Auch hier haben sie das Repertoire des Immunsystems an Autoantikörpern untersucht – und erstmals systematisch erfasst. "Wenn wir wissen, auf welches Repertoire an Autoantikörpern der Körper zurückgreift, können wir dies auch gezielt für eine Beurteilung von Therapieerfolgen nutzen", sagt Özlem Türeci.

Die beiden Wissenschaftler sind eingebunden in eine aktive immunologische Forschungslandschaft. Seit Jahren hat sich in Mainz im Bereich der Immunologie ein vielfältiges Forschungsnetzwerk etabliert, seit Juli darf es sich Exzellenzcluster nennen. Denn die Mainzer Immunologieforscher waren beim Exzellenz-Wettbewerb des Landes Rheinland-Pfalz erfolgreich. Rund drei Millionen Euro erhalten sie in den nächsten beiden Jahren. Der neue Mainzer "Immunology Cluster of Excellence" untersucht, wie die körpereigene Abwehr gesteuert oder auch fehlgesteuert wird. Das Ziel: innovative Behandlungsmöglichkeiten für Allergien, Autoimmunerkrankungen, Infektionen und Krebs.