Auf der Suche nach der antiken Pferderennbahn

Mainzer Sporthistoriker graben in Olympia

13.05.2008

Der Mainzer Sporthistoriker Prof. Dr. Norbert Müller hat sich gemeinsam mit zehn Sportgeschichts- und Archäologiestudenten auf den Weg ins antike Olympia gemacht, um nach der versunkenen Pferderennbahn zu suchen. Noch nie zuvor wurde konkret nach dem Hippodrom gesucht, obwohl Reitwettbewerbe von 680 v. Chr. bis zum Ende der antiken Spiele 393 n. Chr. zu den beliebtesten Wettbewerben zählten. Frühere Archäologen hielten die Suche für aussichtslos aufgrund mittelalterlicher Überflutungen des Tales von Olympia. "Deren Interesse galt allerdings auch nicht den Sportanlagen", erklärt Prof. Müller, "insofern diese keine Plastiken als Funde versprachen."

Prof. Norbert Müller und sein Kollege Dr. Christian Wacker, Leiter des Deutschen Sportmuseums Köln und Lehrbeauftragter für Sportarchäologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, sind zuversichtlicher, hatten beide doch erst 1996 den entscheidenden Anstoß für die inzwischen abgeschlossenen Ausgrabungen des antiken "Olympischen Dorfes" von Elis unweit von Olympia gegeben. Um die Reitsportwettbewerbe bei den Olympischen Spielen nachzeichnen zu können, gegebenenfalls Start- und Befestigungsanlagen zu entdecken, wird nun seit Mitte April 2008 nach dem in der antiken Literatur bei Pausanias (2. Jh. n. Chr.) beschriebenen Hippodrom von 1.000 Metern Länge und 400 Metern Breite im Tal von Olympia gegraben. Die heute landwirtschaftlich genutzten Felder werden dabei erstmals mittels Georadar und Geomagnetik bis in eine Tiefe von 8 Metern geophysikalisch untersucht. Die Leiter dieses speziellen und neuartigen Verfahrens sind die hochspezialisierten Geologen der Forschergruppe GGH Freiburg, Christian Hübner und der Mainzer Armin Grubert. Diese hatten in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen die Unterstadt von Troja erforscht. Die Aufgaben der Mainzer Studierenden in Olympia reichen von der Vorbereitung aller Felder für die geophysikalische Prospektion (Vermessung, Absteckung, Freiräumung) über die spezielle Vorbereitung der Flächen für die Geomagnetik und den Georadar bis hin zum Ziehen der Georadar-Antenne. Auch wenn es derzeit noch zu früh ist, über konkrete Funde zu berichten, so hat die in Olympia bisher noch nie angewendete geophysikalische Bodenuntersuchung bereits zahlreiche Hinweise auf die mögliche Lage des Hippodroms und die Beschaffenheiten des größeren Umfeldes erbracht; auch Pferdeknochen wurden bei einer parallelen Ausgrabung deutscher Archäologen gefunden, die wiederum auf die Bestattung verunglückter Rennpferde im Startbereich des Hippodroms deuten.

Möglich geworden ist dieses Ausgrabungsprojekt durch Forschungsgelder des Sportinstituts der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und des Deutschen Sportmuseums Köln. Unterstützt wird dieses Projekt außerdem vom Deutschen Archäologischen Institut und vom Griechischen Kultusministerium. Deutschland ist seit 1875 durch Vertrag offizieller Ausgräber der antiken Stätten in Olympia.

 

Zum Inhalt der Seite springen Zur Navigation der Seite springen