Alkuin-Projekt gewinnt Preis des BMBF

Ziel: Fächerübergreifender Schulunterricht zwischen den Fächern Latein und Mathematik

09.10.2008

Das von Dr. Sven Günther, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Alte Geschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, konzipierte Projekt "Mathematik + Latein = Alkuin. Alkuins 'Propositiones ad acuendos iuvenes (Aufgaben zur Schärfung des Geistes der Jugend)' als kommentierte Textausgabe für den fächerübergreifenden Unterricht" gehört zu den Preisträgern im des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. In diesem Wettbewerb wurden geisteswissenschaftliche Projekte zum ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

"Ziel des Projekts ist es, eine kommentierte Schulausgabe der mathematischen Rätsel Alkuins mit Lehrerkommentar für den fächerübergreifenden Schulunterricht zwischen den Fächern Latein und Mathematik zu erstellen. In dieser Ausgabe sollen sowohl die sprachliche Struktur der Texte als auch die konkrete Aufgabenlösung mit Erarbeitung des Lösungsweges und vertiefenden sowie weiterführenden Aufgaben gleichberechtigt Berücksichtigung finden. Eine fächerübergreifende, auf die Fachdidaktik ausgerichtete Zusammenarbeit ist dafür unerlässlich", erklärt Dr. Günther.

Hierzu werden die Texte nicht nur in der Theorie am Institut für Alte Geschichte fachwissenschaftlich und fachdidaktisch aufbereitet, sondern es werden zudem Latein- wie Mathematiklehrer sowie Lehramtsstudierende beider Fächer direkt in das Projekt einbezogen. In Kooperation mit dem fachdidaktischen Berater Studienrat Michael Pahlke vom Gymnasium Mainz-Gonsenheim werden die beteiligten Studierenden beider Fächer erste (Lehr-)Erfahrungen sowohl beim Konzipieren und Aufbereiten der entsprechenden Texte als auch in der praktischen Durchführung im Rahmen eines zweiwöchigen Schulpraktikums am Gymnasium Mainz-Gonsenheim sammeln. Am Ende sollen die in der Praxis bewährten Unterrichtseinheiten in einer kommentierten Textausgabe veröffentlicht werden und damit für alle Schulen mit den Fächern Mathematik und Latein zur Verfügung stehen.

Das Projekt möchte dadurch auf weitere Sicht eine fruchtbare Zusammenarbeit der Schulfächer Mathematik und Latein initiieren, die aus lernpsychologischer Sicht ideal zusammenpassen, an der Schule jedoch de facto bisher getrennte Wege gehen. Mit der Erarbeitung einer Schulausgabe von Alkuins "Propositiones ad acuendos iuvenes" sollen also sowohl die Lehrer und Studierenden der betreffenden Fächer Mathematik und Latein als auch die Schülerinnen und Schüler direkt angesprochen werden.

Die "Propositiones ad acuendos iuvenes", die Alkuin, dem Berater Karls des Großen, zugeschrieben werden, stellen die älteste mathematische Aufgabensammlung in lateinischer Sprache dar. Mehrere Indizien, u.a. das didaktische Interesse an Mathematik in weiteren Schriften, sprechen dabei für die Verfasserschaft Alkuins. Die in dieser Schrift gesammelten 56 Aufgaben und 53 Lösungen entstammen überwiegend dem Bereich der sog. Unterhaltungsmathematik. So werden lineare Probleme mit einer oder mehreren Unbekannten ebenso thematisiert wie Aufgaben zu geometrischen und arithmetischen Folgen. Zudem sind geometrische Rechnungen und Anordnungsprobleme enthalten, etwa die aus heutigen Schulbüchern bekannte Transportaufgabe mit Ziege, Wolf und Kohlkopf.

Der Autor beschränkt sich dabei im Allgemeinen auf Stellung der Aufgabe und Angabe der Lösung, ohne jedoch den konkreten Lösungsweg zu nennen. Durch ihre klare Sprache und dem nicht nur mathematischen Unterhaltungswert der Aufgaben eignet sich diese Schrift für ein kombiniertes Arbeiten in und zwischen den Fächern Latein und Mathematik.

Kontakt Kontakt
Dr. Sven Günther
Institut für Alte Geschichte
Johannes Gutenberg-Universität
D 55099 Mainz
Tel +49 6131 39-23398
Fax +49 6131 39-23823

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