Universitätsmedizin bietet neues bildgebendes Verfahren an

PET/CT-Gerät der neuesten Generation zur Sichtbarmachung auch kleinster Tumoren in Betrieb genommen

13.02.2009

Seit Kurzem bietet die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) Patienten ein neues bildgebendes Verfahren an: Mit dem sogenannten PET/CT, einer Kombination aus nuklearmedizinischer Technik und Computertomografie, können bereits kleinste Tumoren sichtbar gemacht und damit frühzeitig bösartige Erkrankungen entdeckt und lokalisiert werden. Es handelt sich um das derzeit modernste Verfahren in der bildgebenden Tumordiagnostik. In Rheinland-Pfalz existiert derzeit nur ein weiteres Gerät dieser Art.

"Mit der Inbetriebnahme des neuen PET/CT sind große Hoffnungen insbesondere in der Tumor- und Hirnforschung verbunden", betont Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur. "Das PET/CT wird interdisziplinär von der Nuklearmedizin, der Radiologie und der Radioonkologie genutzt und findet Einsatz in der Patientenversorgung, der Lehre und der Forschung. Die Verknüpfung dieser Einsatzbereiche, auch über die Fächer- und Institutionsgrenzen hinweg, sehe ich sehr positiv. Sie fördert die Kooperation zwischen den Einrichtungen, wie sie auch im Universitätsmedizingesetz als Zielvorstellung formuliert wurde", so Ministerin Ahnen.

"Durch das neue PET/CT-Gerät wird das Spektrum bildgebender Verfahren, das an der Universitätsmedizin Mainz zur Verfügung steht, um einen weiteren wichtigen Baustein erweitert. Damit können wir unseren Patienten nun ein noch umfangreicheres Spektrum an modernster bildgebender Diagnostik anbieten", freut sich der Medizinische Vorstand, Prof. Dr. Norbert Pfeiffer. "Zudem handelt es sich hier um eine bedeutende finanzielle Investition von gut drei Millionen Euro. Davon entfallen zwei Drittel auf das Gerät und ein Drittel auf nötige Umbaukosten. Wir sind sehr dankbar, dass das Land uns diese Mittel zur Verfügung gestellt hat."

Die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) ist ein nuklearmedizinisches bildgebendes Untersuchungsverfahren, bei dem mithilfe von schwach radioaktiv markierten Substanzen Stoffwechselprozesse des Körpers gemessen und gleichsam sichtbar gemacht werden können. So setzen Mediziner beispielsweise ein mit dem Isotop Fluor-18 markiertes Traubenzuckermolekül ein, um krankhaft veränderte Zellen und damit Tumoren zu erkennen, denn diese weisen in der Regel einen erhöhten Zucker-Stoffwechsel auf. Mit der Computertomografie dagegen lassen sich anatomische Strukturen sehr detailliert und genau abbilden: Hierbei werden aus verschiedenen Richtungen gleichzeitig Röntgenbilder aufgenommen, die durch Berechnungen eine dreidimensionale Darstellung des Körpers ermöglichen.

"Die Kombination dieser beiden bewährten Verfahren vereint die aufschlussreichen Informationen zum Stoffwechsel aus der PET-Untersuchung mit den detaillierten anatomischen Informationen aus der Computertomografie", erläutert Prof. Dr. Mathias Schreckenberger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin. "So lassen sich selbst kleinste Tumoren, die sich durch ihren Stoffwechsel verraten, durch die neue Methode nun auch exakt lokalisieren. Für die Früherkennung bösartiger Tumoren, die wiederum für die Heilungschancen eine entscheidende Rolle spielt, und die diagnostische Sicherheit ist dies eine wertvolle Verbesserung." In dem neuen Gerät finden PET- und CT-Untersuchung unmittelbar nacheinander statt, die reine Untersuchungszeit beträgt 20 Minuten.

Das neue PET/CT-Gerät wird gemeinsam von der Nuklearmedizin und der Radiologie in enger Kooperation mit der Radioonkologie Strahlentherapie genutzt. "Das Verfahren verbessert nicht nur die Diagnostik von Tumoren, es erhöht bei manchen Tumorerkrankungen auch die Präzision von Operation und Strahlentherapie. So ist die PET/CT-Untersuchung beispielsweise ein hervorragendes Hilfsmittel, um das zu bestrahlende Gebiet festzulegen", erklärt Prof. Dr. Heinz Schmidberger, Direktor der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie. "Auch das Ansprechen auf eine Chemotherapie kann besonders bei Lymphomen besser als mit den herkömmlichen Verfahren beurteilt und vorhergesagt werden."

Doch nicht nur bei onkologischen Erkrankungen wird die neue Untersuchungsmethode eingesetzt, auch bei der Diagnostik von Hirn-Erkrankungen wie Demenz, Parkinson oder Epilepsie sowie bei der Herzdiagnostik und der Lokalisation von Entzündungen wird sie künftig eine wichtige Rolle spielen. "Daneben bringt das neue Gerät noch eine weitere Verbesserung mit sich", beschreibt Prof. Dr. Christoph Düber, Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie. "Dank einer neuen Detektionstechnik bei der PET-Untersuchung, der sogenannten Time-of-Flight-Technik, können nun auch adipöse, also sehr übergewichtige Patienten deutlich besser untersucht werden." Denn durch die neue Technik werden die Bilder schärfer und die Streustrahlung, die sich bei adipösen Patienten negativ auf die Bildqualität auswirkt, kann zum Großteil elektronisch ausgeblendet werden. Bei normalgewichtigen Patienten ermöglicht diese Technik, die Strahlenbelastung der Untersuchung relevant zu reduzieren, da nur noch geringere Menge der diagnostischen Radiopharmaka verabreicht werden müssen.