Die Jüdische Bibliothek an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz 1938-2008
Veröffentlichung des Forschungsverbunds für Universitätsgeschichte
28.09.2009
Die alte Jüdische Bibliothek an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bewahrt ein einzigartiges Zeugnis jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Rheinland-Pfalz. Dieser "verborgene Schatz" ist bis heute - 70 Jahre nach der "Reichskristallnacht" 1938 - nur wenigen bekannt und wurde bislang kaum erforscht. Die im Zuge des Novemberpogroms von der Gestapo beschlagnahmten Bestände der beiden Mainzer Synagogen waren 1939 zunächst in der Stadtbibliothek eingelagert und nach Kriegsende schließlich auf Umwegen an die neugegründete evangelisch-theologische Fakultät gelangt.Die dort erhaltenen Hebraica und Judaica bilden nicht nur eine Fundgrube für die Erforschung der jüdischen Druck- und Buchkunst, die Bücher mit ihren zahlreichen Vorbesitzerspuren erlauben auch einzigartige Einblicke in die inneren Entwicklungen der jüdischen Gemeinde Mainz. Die Dokumentation der bewegten Bibliotheksgeschichte dient daher nicht nur bibliophilem Interesse, sondern zeigt auch, dass die erhaltenen "papierenen" Zeugnisse Mainzer jüdischer Kultur wichtige Spuren zum Verständnis einer Gemeinschaft bewahren, die einem steten Wandel unterlag und hierbei eine bemerkenswerte kulturelle Vielfalt hervorbrachte.
Die Dokumentation ist im Rahmen der Veröffentlichungen des Forschungsverbunds für Universitätsgeschichte an der Johannes Gutenberg- Universität Mainz erschienen. Diesem Arbeitskreis gehören die Vertreter der örtlichen Archive und Bibliotheken ebenso an wie Professorinnen und Professoren der Universität, die sich der Erforschung und Dokumentation der neueren Universitätsgeschichte (nach 1946) widmen. Die Leitung liegt bei Univ.-Prof. Dr. Michael Kißener vom Historischen Seminar.