Sieben Jahre Assiut-Projekt: Feldarbeit in Mittelägypten

Projekt der Universität Mainz präsentierte Forschungsstand in Mittelägypten

02.11.2009

Nach bislang 7-jähriger Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen aus Ägypten, Deutschland und einigen weiteren Ländern veranstaltete das in Mainz angesiedelte "Asyut Project" vom 10.-11. Oktober 2009 eine internationale Konferenz an der Sohag Universität in Mittelägypten mit dem Titel "The Asyut Project - Seven Seasons of Egyptian-German Cooperation in Archaeological Fieldwork". Ziel war es, die erreichten Ergebnisse und die noch bis mindestens 2017 geplanten Aktivitäten einem größeren Publikum ägyptischer und europäischer Kollegen und Studierenden vorzustellen und eine gemeinsame Diskussion anzuregen.

Das Asyut Project, ein Langfristvorhaben der DFG, untersucht mit jährlich etwa zweimonatigen Feldarbeiten den Gebel Asyut el-Gharbi, ein Kalksteinmassiv auf dem Westufer des Nils, in dem eine Nekropole angelegt wurde, deren größte Gräber aus der Zeit um 2100-1900 v. Chr. und somit aus der politisch bewegten Epoche der sog. Ersten Zwischenzeit und dem Beginn des Mittleren Reichs stammen. Weitere Bestattungen und Grabanlagen sind bis ins 1. Jt. nachzuweisen.

Im Neuen Reich, ab ca. 1500 v. Chr., kamen Vertreter der lokalen Elite sowie Besucher aus unterschiedlichen Beweggründen hinauf auf den Berg, wovon über 180 Graffiti an den Wänden eines der Gräber zeugen. Spätestens in der Ptolemäerzeit wurden umfangreiche Friedhöfe für Hunde, die als heilige Tiere der lokalen canidengestaltigen Götter Upuaut und Anubis gehalten wurden, angelegt, wie die diesjährige Kampagne gezeigt hat. In der Spätantike existierten mehrere koptische Klöster auf dem Berg, in den islamischen Epochen diente er als Rückzugsort und Gebetsstätte. Immer wieder wurde der Berg auch als Steinbruch genutzt.

Die Vorträge der Konferenz präsentierten die bisherige Dokumentation und Interpretation der umfangreichen Grabdekorationen und der Wandinschriften, die in der Forschung bislang nur sehr unvollständig und dazu ausschließlich aufgrund über 100 Jahre alter Handkopien genutzt werden konnten. Die Methoden der Epigraphie standen daher als ein Thema der Tagung im Mittelpunkt. Die zahlreichen Funde (Menschen- und Tierknochen, Holzmodelle, Opferteller, Keramik verschiedenster Epochen u.v.a.m.) lassen darüber hinaus wichtige Erkenntnisse über die historische und kulturgeschichtliche Einordnung der Anlagen erschließen.

Die Tagung wurde von ägyptischer Seite organisiert und die gemeinsam erreichten Ergebnisse zeugten von der gelungenen Kooperation, die seit 7 Jahren bei der gemeinsamen Arbeit deutscher und ägyptischer Studierender sowie der doppelten Grabungsleitung durch Prof. Jochem Kahl (zunächst JGU Mainz, inzwischen FU Berlin) und Prof. Mahmoud El-Khadragy (Sohag Universität) entstanden ist.

Ergänzt wurde der Vortragsteil durch eine Besichtigung der Nekropole, bei der etwa 50 Ägyptologen als ausgesuchte internationale Gäste erstmals die Gelegenheit bekamen, dieses Gelände, das Jahrzehnte aus verschiedenen Gründen unzugänglich war, besuchen durften.