45 Jahre Giftinformationszentrum Mainz

Mainz gilt als ausgewiesenes Zentrum mit klinischer Kompetenz

06.11.2009

Vergiftungen aufklären, warnen und vermeiden - getreu diesem Motto arbeitet das Giftinformationszentrum Mainz an der Universitätsmedizin bereits seit 1964 erfolgreich. Bei Vergiftungen bietet die Giftinformationszentrale als offizielle Stelle der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen Beratung im 24-Stunden-Dienst an 365 Tagen im Jahr sowohl für Laien als auch für Angehörige von Heilberufen und Institutionen an. Unter Leitung von Prof. Dr. Sacha Weilemann von der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik erfolgen diese überwiegend telefonisch, aber auch schriftlich und per Internet. Dabei geht es neben allgemeinen Informationen auch um den Umgang mit Stoffen wie Chemikalien, Pflanzen- und Holzschutzmitteln, Kosmetika, Drogen oder Arzneimitteln sowie Behandlungsmaßregeln bei Gifteinwirkungen aller Art. Außerdem gehören auch Vorschläge zur Erkennung und Verhütung von Vergiftungen zum Leistungsspektrum des Giftinformationszentrums Mainz. Eine umfassende Dokumentation in einem eigens dafür entwickelten Dokumentationssystem stellt eine Basis für klinisch-epidemiologische Studien dar. Pro Jahr erfolgen allein in Mainz rund 31.000 Beratungen bei Vergiftungen von Mensch und Tier.

Prof. Dr. Sacha Weilemann, Leiter der Giftinformationszentrum der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen, freut sich über das Jubiläum: "Das Giftinformationszentrum Mainz hat Vieles erreicht und sich national wie international schwerpunktmäßig auf klinischem Gebiet profiliert. Nicht nur allein die große Zahl an Beratungen zeigt, dass die Herausforderungen in Zukunft nicht geringer werden. Mainz wird jede Anstrengung unternehmen, diesen gewachsen zu sein, und freut sich auf die mindestens nächsten 45 Jahre!"

"Die Giftinformationszentrale der Universitätsmedizin Mainz ist heute in unserer Region von überragender Bedeutung. Bei der Mainzer Bevölkerung und im Umland genießt sie ein hohes Ansehen und ein großes Vertrauen. Dieses ist gerade bei solchen akuten Erkrankungsfällen extrem wichtig. Wir freuen uns, auch in diesem Gebiet mit zur Spitze zu gehören und hochkompetente Leistung anbieten zu können", so Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Medizinischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Mainz, zum Jubiläum.

Margit Conrad, Ministerin für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, fügt hinzu: "Das gemeinsame Giftinformationszentrum (GIZ) der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen hat sich zu einer national und international geachteten Institution entwickelt. Rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr und kostenlos, werden Laien, medizinisches Personal sowie Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten beider Länder kompetent beraten - ob es sich um einen bloßen Verdacht handelt, einen Notfall oder um chronische Vergiftungen. Durch die Anbindung an die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität und die Integration in den internistischen Intensivbereich ist sichergestellt, dass klinische Kompetenz in die Beratung einfließt. Rheinland-Pfalz finanziert dieses Angebot mit jährlich 400.000 Euro, Hessen zahlt denselben Betrag. Etwa 30.000 Anrufer pro Jahr nutzen das Angebot zur Beratung. Die bei der Beratung gewonnenen Informationen werden ausgewertet und geben Auskunft, welche Stoffe und Zubereitungen gefährlich sein können - damit besteht ein wertvolles Frühwarnsystem. Das Giftinformationszentrum ist ein Bestandteil der medizinischen Prävention und trägt wesentlich zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor und bei Vergiftungen bei."

Die erste Giftinformationszentrale in Deutschland wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin gegründet und war an die dortige Kinderklinik angeschlossen. Unter dem Direktorat von Prof. Dr. Paul Schölmerich gründete Prof. Dr. Peter Baum im Jahr 1964 mit der Eröffnung der Internistischen Intensivtherapiestation die Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen in Mainz. Die Integration an der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik und somit an der Klinik für Kardiologie und Angiologie erfolgte mit der Überzeugung, dass eine Giftberatung nur optimal gelingen könne, wenn Ärzte zugleich persönliche Erfahrungen in der Erkennung und Behandlung von Vergiftungen machten - für die damalige Zeit ein völlig neuer Ansatz.

Die Giftinformationszentren waren damals fakultativ und zunächst ohne besondere Rechtsgrundlage. Das änderte sich erst in den 1980er Jahren durch den §16e des Chemikaliengesetzes, der die Länder verpflichtete, Giftinformationszentren zu benennen und vorzuhalten. Ein daraus resultierendes Verwaltungsabkommen von Rheinland-Pfalz und Hessen sorgt seitdem für die finanzielle und personelle Sicherheit.

Das Mainzer Zentrum profilierte sich gerade durch die Integration in den intensivmedizinischen Bereich. Heute ist das Leistungsspektrum noch wesentlich breiter: Das Team um Prof. Dr. Sacha Weilemann, das aus rund 15 Ärzten, Chemikern und Biologen besteht, berät, recherchiert, dokumentiert und erarbeitet auch Therapiekonzepte. Ebenso gilt es, Unterlagen für die Prävention von Vergiftungen zu erstellen, bei der Planung und Ausführung von Maßnahmen zur Verhinderung von Chemieunfällen zu helfen und bei der Erstellung von nationalen Berichten an die EU-Kommission mitzuwirken.