Noam Chomsky im Rahmen der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2010 zu Gast an der JGU

Special Lecture zum Thema "Poverty of Stimulus: Unfinished Business"

24.03.2010

Der größte Hörsaal des Campus mit 1.000 Sitzplätzen war rasch gefüllt, rund 300 Zuschauer versammelten sich vor der Leinwand im Vorraum des Hörsaals -- um den amerikanischen Linguisten und Philosophen Noam Chomsky auf herzlichste zu begrüßen. Am Vortag hatte der 81-jährige Amerikaner in Stuttgart den Erich-Fromm-Preis erhalten. "Er spricht eine Sprache der Vernunft, die den Mächtigen und Meinungsbildnern ins Gewissen zu reden imstande ist und die Ohnmächtigen und kritisch Denkenden hoffen lässt", heißt es in der Würdigung der Tübinger Fromm-Gesellschaft. Dabei habe Chomsky seine politischen Urteile immer unabhängig von öffentlichen Meinungen getroffen.

Sein Vortrag an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz beschäftigte sich mit dem anderen Themengebiet des Noam Chomsky: der Sprachwissenschaft, genauer gesagt den Bedingungen und Mechanismen des Spracherwerbs. Chomsky, Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, Massachusetts, USA, gilt als einer der bedeutendsten Linguisten und Intellektuellen weltweit. Er gehört im Bereich der Sprachwissenschaft zur Schule der Nativisten. Nach seinem "Poverty of Stimulus-Argument" ist die Struktur der menschlichen Sprache zu komplex, um innerhalb der relativ kurzen Phase des primären Spracherwerbs erlernt werden zu können. Vielmehr müssen Menschen über einen angeborenen und sprachspezifischen Mechanismus verfügen, der Wissen über Grammatik enthält, so Chomsky, der auf Einladung seiner langjährigen MIT-Kollegin Prof. Dr. Angela D. Friederici, Inhaberin der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2010, nach Mainz kam.

Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2010 wird am 15. April 2010 offiziell eröffnet. In der diesjährigen Reihe erörtert Stiftungsprofessorin Friederici zum einen die Frage, wie das menschliche Gehirn die äußerst komplexe Aufgabe der Sprachverarbeitung bewältigt. Zum anderen werden Spracherwerb und Sprachentwicklung aus neurowissenschaftlicher Sicht analysiert. Zu Gast sind unter anderem Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Simon E. Fisher von der University of Oxford, Professor Dr. Peter Bieri (alias Pascal Mercier) vom Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin sowie Professorin Dr. Julia Fischer von der Georg-August-Universität Göttingen und dem Deutschen Primatenzentrum in Göttingen.

Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur

Aus Anlass des 600. Geburtstags von Johannes Gutenberg im Jahr 2000 richteten die "Freunde der Universität Mainz e.V." die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur als gemeinnützige Stiftung ein. Die Stiftungsprofessur wird aus von privat gespendeten und gestifteten Mitteln und aus deren Erträgen finanziert. Sie ist Persönlichkeiten vorbehalten, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen Leistungen oder ihrer Bedeutung im kulturellen und öffentlichen Leben in der Lage sind, Fachperspektiven zu verbinden und übergreifende Einsichten zu entwickeln. Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur hatten bisher inne: Fritz Stern (2000), Bert Hölldobler (2001), Hans-Dietrich Genscher (2002), Wolfgang Frühwald (2003), Klaus Töpfer (2004), Peter Ruzicka (2005), Anton Zeilinger (2006), Fritz Melchers (2007), Jan Philipp Reemtsma (2008) und Karl Kardinal Lehmann (2009).

"Freunde der Universität Mainz e.V."

Der 1951 gegründeten Vereinigung der "Freunde der Universität Mainz e.V." gehören zurzeit fast 1.000 Mitglieder und Ehemalige der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie Persönlichkeiten des öffentlichen und kulturellen Lebens, der Wirtschaft und der Politik an. Der Freundeskreis fördert Forschung und Lehre und steht allen Bürgerinnen und Bürgern offen.