Gabun
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Unabhängigkeitstag
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17. August 1960 (von Frankreich)
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Fläche
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267.667 km²
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Bevölkerungszahl
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1.424.906
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Amtssprache
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Französisch
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Hauptstadt
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Libreville
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Staatsform
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Präsidialrepublik
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26.11.2010: 50 Jahre (Un)Abhängigkeit - was bleibt?
Christine Fricke
Drei Monate nach den Jubiläumsfeiern hat sich das Leben der meisten Gabuner scheinbar wieder normalisiert und der Alltag hat sich eingeschlichen. Die Plakate mit den Präsidenten entlang der großen Boulevards sind genau wie die neuen Denkmäler in der Stadt längst Teil der alltäglichen Straßenkulisse geworden. ...
17.08.2010: Jubiläum ohne Jubel: Die meisten Gabuner bleiben zu Hause
Christine Fricke
Feierlaune lässt sich nicht erzwingen: Das musste wohl auch die Regierung Gabuns einsehen, die noch wenige Tage vor dem Jubiläum die Bevölkerung aufgefordert hatte, den 50. Jahrestag der Unabhängigkeit in aller Gelassenheit, aber auch mit Jubel zu feiern. Immerhin, so die Regierung, handele es sich um einen wichtigen republikanischen Feiertag. Auch die Unterstützung der Medien, die zuvor permanent für das Cinquantenaire mit Schlagzeilen wie "Eine Feier für alle" oder "Der 17. August in inbrünstiger Freude"1 geworben hatten, half letztlich wenig. Die meisten Gabuner blieben einfach zu Hause, wohl wissend, dass der Großteil des Programms hinter geschlossenen Türen stattfinden würde.
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15.08.2010: Fest der Kulturen zum Auftakt des Jubiläums
Christine Fricke
Unter dem Titel "Kulturelle Vielfalt, nationale Identität" tanzten, sangen und diskutierten die Libreviller beim Fest der Kulturen. Die Fête des cultures, das größte Kulturevent Gabuns, das eigentlich schon an Pfingsten gefeiert werden sollte, stellte nun den Beginn der Feierlichkeiten zum 50. Unabhängigkeitsjubiläum Gabuns am ersten Augustwochenende dar. Eröffnet wurde das Fest der Kulturen mit einem eher spärlich besuchten Vortragsabend zur nationalen Identität, dem ein nächtlicher Fackelumzug folgte. Der Höhepunkt war jedoch die Parade entlang des Meeres am nächsten Tag, an der auch die Ehrendelegationen aus Senegal und Französisch-Guyana teilnahmen.
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13.08.2010: Letzte Vorbereitungen für ein Jubiläum der Superlative
Christine Fricke
Nur noch wenige Tage, dann wird auch in Gabun der große Tag des 50. Unabhängigkeitsjubiläums gefeiert. Das Nationalkomitee zur Vorbereitung des Cinquantenaire fasst in seiner letzten gemeinsamen Sitzung die zahlreichen Vorbereitungen zusammen. Die Stadt ist geschmückt, überall hängen Plakate, kein Laternenpfahl ist mehr ohne Flagge, Logo oder Präsidentenfoto.
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09.08.2010: Tag der Nationalflagge - Neuer Feiertag soll Patriotismus fördern
Christine Fricke
Mit einem neuen Nationalfeiertag wurden am 9. August Flagge und Hymne Gabuns geehrt. Der neue Feiertag sei - so das offizielle Programmheft - eine Reaktion auf die zunehmende Straffälligkeit, den fehlenden Respekt gegenüber Gesetzen und die Gleichgültigkeit gegenüber den bestehenden Nationalsymbolen. Der neue Journée nationale du drapeau solle den Patriotismus stärken und die Bevölkerung motivieren, sich die Nationalsymbole zu eigen zu machen und die republikanischen Werte und Symbole zu respektieren.
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13.07.2010: Das Jubiläum und der Müll - Teil III: Zur Konstruktion eines Nationalhelden
Christine Fricke
Die Öffentlichkeitsarbeit für alle weiteren geplanten Veranstaltungen im Rahmen des Cinquantenaire hält sich noch in Grenzen, und Informationen über das geplante Programm gelangen kaum an die Bevölkerung. Doch derweil wird etwas ganz anderes massiv beworben: Das Gedenken an den am 8. Juni 2009 verstorbenen Präsidenten Omar Bongo Ondimba, ehemals Omar Bongo, ehemals Albert Bernard Bongo.
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13.07.2010: Das Jubiläum und der Müll - Teil II: Eine Karawane der Unabhängigkeit
Christine Fricke
Während die Mülldebatte vor allem die gegenwärtigen Probleme thematisiert, setzt sich das "Provinciale du Cinquantenaire", auch bekannt als Karawane der Unabhängigkeit, mit der Geschichte der letzten 50 Jahre auseinander. Fünf Wochen lang zogen vier Forschungsgruppen, bestehend aus verschiedenen Wissenschaftlern, Journalisten und Fernsehteams, mit Lastwagen, Schiffen und Flugzeugen durch alle Provinzen des Landes. Ziel war es, Zeitzeugenberichte der Unabhängigkeit zu sammeln, das kulturelle Erbe des Landes zu inventarisieren, Erinnerungsorte aufzuwerten und das Wissen über die Geschichte des Cinquantenaire zu fördern.
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13.07.2010: Das Jubiläum und der Müll - Teil I
Christine Fricke
Gabun stellt sich gern als Leuchtturm des Wohlstands, des Friedens und neuerdings auch eines ökologischen Bewusstseins auf dem afrikanischen Kontinent dar. Doch gerade das ökologische Gleichgewicht der Hauptstadt Libreville sorgt vor den Feierlichkeiten für Aufsehen: Libreville versinkt im Müll. Die wichtigsten Personen des Landes und das Vorbereitungskomitee des Jubiläums sind sich einig, dass dies schleunigst geändert werden muss, bevor am 17. August die 50-Jahr-Feier der Unabhängigkeit in dem zentralafrikanischen Ölstaat stattfindet.
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Hintergrund
Wäre es nach Léon Mba, dem ersten Präsidenten Gabuns (1960−67) gegangen, dann wäre die französische Kolonie vielleicht nie unabhängig geworden. Doch nicht nur Mba, auch die politische Elite und die Bevölkerung Gabuns sahen der Unabhängigkeit mit Skepsis entgegen. Der Status als französische Überseeprovinz schien viel eher die Interessen des kleinen, aber ressourcenreichen Landes zu schützen.
Die Geschichte nahm jedoch einen anderen Verlauf: Am 17. August 1960 wurde Gabun in die Unabhängigkeit entlassen. Die enge Verbindung mit Frankreich blieb allerdings bis heute bestehen. Was also genau 2010 gefeiert werden soll, darüber besteht Uneinigkeit. Während die Einen die wirtschaftlichen Erfolge Gabuns und seine friedensstiftende Rolle in der Region loben, bemängeln die Anderen die ökonomische Abhängigkeit von Frankreich und die häufigen Interventionen des in Gabun stationierten französischen Militärs. Nach 50 Jahren Unabhängigkeit fehle Gabun, so die Kritiker, vor allem eines: Souveränität.
1960 legte die neue Elite Gabuns großen Wert auf freundschaftliche Beziehungen zu Frankreich und zu den französischen Bürgern im Land. Ehemalige Kolonialbeamte übernahmen wichtige Ämter in der neuen Regierung und Verwaltung Gabuns und Frankreich prägte weiterhin die Politik des unabhängigen Staates. Den wenigen Kritikern gegenüber argumentierte Präsident Mba, jeder Gabuner habe zwei Vaterländer: Frankreich und Gabun. Als die Kritik lauter wurde, bemühte sich der Präsident um eine "Gabonisierung" der Verwaltung. Die Beziehung zu Frankreich wurde dadurch aber nicht geschwächt: Das französische Militär verhalf Mba 1964 nach einem Putsch seiner Widersacher zurück an die Macht, wo er bis zu seinem Tod 1967 blieb.
Nachfolger und quasi Alleinherrscher für die nächsten 42 Jahre wurde Omar Bongo Ondimba. Auch er pflegte enge Beziehungen zu Frankreich. Der Fund großer Erdöl- und Uraniumreserven machte Gabun zum Herzstück des sog. Françafrique und zu einem der reichsten Länder Afrikas. Doch mit zunehmenden Reichtumsunterschieden wuchsen auch die internen Konflikte und das französische Militär musste dem Regime immer wieder zu Hilfe eilen, während die Opposition ins Exil ging. Trotzdem gelang es Omar Bongo, sich als spiritueller Führer und Vater der Nation darzustellen, und sein Tod im Juni 2009 hinterließ auch ein symbolisches Vakuum. Vor diesem Hintergrund und der umstrittenen Nachfolge Ali Ben Bongos, Sohn des verstorbenen Präsidenten, kommt dem Jubiläum 2010 besondere Bedeutung zu. Es ist kathartischer, aber auch kontroverser Moment kollektiver Erinnerung, gesellschaftlicher Integration und politischer Legitimation. Wohl auch deshalb wurden die offiziellen Feierlichkeiten, entgegen der ursprünglichen Planung, in die Hauptstadt verlegt und mit rund 48 Mio. Euro ausgestattet.
Auch wenn Ali Bongo ein gerechteres Gabun schaffen möchte: Die Beziehung zu Frankreich soll sich nicht ändern. Dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem Organisator des Afrika-Jahres in Frankreich, Jaques Toubon, versicherte Bongo seine Treue: Im Mittelpunkt der Unabhängigkeitsfeier stehe v.a. die langjährige Freundschaft zwischen Gabun und Frankreich, von den ersten Kolonialverträgen 1839 über das gemeinsame Schicksal während des Zweiten Weltkriegs bis zur heutigen ökonomischen Partnerschaft. Während die gemeinsame Zukunft bereits durch ein neues Militärabkommen abgesichert ist, soll nun aber erstmal gefeiert werden – nicht allein in Libreville, sondern auch am 14. Juli in Paris, wo eine gabunische Delegation am französischen Nationalfeiertag teilnehmen will.