Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin eröffnet Langzeitnachsorge-Ambulanz für ehemalige Krebspatienten

Innovatives Angebot an der Universitätsmedizin Mainz

27.04.2010

Ehemals krebskranke Kinder und Jugendliche werden oft erst nach vielen Jahren mit ihrer früheren Krankheit und Behandlung sowie deren Folgen konfrontiert. Im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz wurde jetzt eine Nachsorge-Ambulanz für ehemalige Patienten mit Tumoren bzw. Leukämien im Kindes- und Jugendalter eingerichtet. Ziel dieser Einrichtung ist die ganzheitliche und langfristige Nachsorge und Betreuung einst krebskranker Kinder und Jugendlicher über eine übliche Nachsorgeperiode von fünf Jahren hinaus. Dieses langfristige, drittmittelfinanzierte Projekt soll helfen, nebenwirkungsärmere Therapien zu finden sowie Spätfolgen und Komplikationen wiederum früh zu erkennen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 2.000 Kinder und Jugendliche an Krebs. Die Heilungschancen sind mittlerweile sehr hoch, denn inzwischen können 75 % aller Patienten mit bösartigen Tumoren oder Leukämien geheilt werden. "Die langfristige Nachbetreuung dieser Patienten wird daher immer wichtiger", so der frühere Leiter der Mainzer Kinderonkologie, Prof. Dr. Peter Gutjahr, der gemeinsam mit seinem Nachfolger, PD Dr. Jörg Faber, ein umfassend qualifiziertes Nachsorgeangebot für ehemals krebskranke Kinder und Jugendliche in Mainz schaffen möchte. "Denn gerade diese Gruppe von nun erwachsenen Patienten, die an Tumoren in verschiedenen Organen wie Niere, Gehirn, Lunge oder Knochenmark erkrankt waren, bedürfen einer besonders umfänglichen Nachsorge", ergänzt Prof. Dr. Peter Gutjahr.

Welche Untersuchungen sind wie oft nötig, um Spätschäden früh zu erkennen? Muss ich meinen Partner über die frühere Erkrankung informieren? Kann ich Kinder bekommen? Haben diese wiederum ein erhöhtes Krebsrisiko? Welche Berufe kann ich oder kann ich nicht ausüben? Neben der rein medizinischen Betrachtung des aktuellen Gesundheitsstands drehen sich viele Fragen der ehemaligen Kinderkrebspatienten darum, welche Folgen die frühere Krebserkrankung haben kann. Oft suchen Patienten auch nach Jahren ein Gespräch mit ihrem früheren behandelnden Arzt, weil sie sich vor einer erneuten Krebserkrankung fürchten. "Nur wenn wir unsere ehemaligen Kinderkrebspatienten auch in diesen Bereichen des Lebens, die also über die eigentliche Krankenversorgung hinausgehen, betreuen, werden wir unserem Anspruch einer ganzheitlichen Betreuung gerecht", betont Prof. Dr. Peter Gutjahr.

Das Projekt einer Nachsorge-Ambulanz am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin entstand aus langjähriger Erfahrung mit krebskranken Kindern, die inzwischen Erwachsene sind. Die neueröffnete Nachsorge-Ambulanz wird künftig auch eng zusammen mit der Stiftung Kinderkrebsforschung sowie der gemeinnützigen Kinderkrebshilfe Mainz e.V. arbeiten.