Psychologen untersuchen Raumwahrnehmung bei unterschiedlicher Helligkeit von Boden, Decke und Wänden

Neue Vorschläge zur Auswahl von Decken- und Wandfarben

22.06.2010

Ob ein Zimmer eher hoch oder niedrig erscheint, hängt davon ab, wie hell die Decke und die Wände sind. Der alte Heimwerker-Tipp, die Decke ein paar Nuancen heller zu streichen als die Wände, um dadurch den Raum höher wirken zu lassen, entbehrt allerdings wissenschaftlicher Grundlagen. Dies ergab eine Studie am Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), die den Einfluss der Helligkeit von Decke, Wänden und Boden auf die wahrgenommene Höhe von Innenräumen untersucht hat. "Wir konnten die gängige Daumenregel bestätigen, dass eine helle Decke einen Raum höher wirken lässt", so Dr. Daniel Oberfeld-Twistel. "Überrascht hat uns allerdings, dass es dabei nicht auf den Helligkeitskontrast zwischen Wänden und Decke ankommt. Die Decke muss also nicht heller sein als die Wände, damit der Raum höher erscheint." Stattdessen fanden die Psychologen heraus, dass helle Wände den Raum zusätzlich höher erscheinen lassen.

Bisher gab es kaum Studien über die Auswirkungen von Farben und Helligkeit auf die Raumwahrnehmung. Unter Architekten und Heimwerkern herrscht allerdings häufig die Auffassung vor, dass eine Decke höher erscheint, wenn sie in einem helleren Ton gestrichen ist als die Wände. Oberfeld-Twistel und Kollegen sind dem Phänomen mithilfe einer virtuellen Umgebung nachgegangen, in der ein Raum von 6 Metern Länge und 4,5 Metern Breite mit unterschiedlichen Böden, Decken und Wänden ausgestattet wurde. Diese virtuellen Räume mit verschiedenen Helligkeitsverhältnissen wurden in 3-D insgesamt 32 Probanden gezeigt, die jeweils die Raumhöhe beurteilten.

Dabei zeigte sich auch, dass die Helligkeit des Bodens so gut wie keine Rolle dabei spielt, wie die Raumhöhe eingeschätzt wird. Ob ein Zimmer höher oder niedriger wirkt, hängt auch nicht von der Gesamthelligkeit des Raums ab. "Wichtigste Faktoren sind die Decke und die Wände", so Oberfeld-Twistel. Weitere Experimente sollen Aufschluss über die genaue psychologische Erklärung dieser Ergebnisse geben.

In Anbetracht ihrer Befunde schlagen die Autoren der Studie vor, Empfehlungen zur Auswahl von Decken- und Wandfarben abzuändern. Eine neue Daumenregel, die im Einklang mit den Studienergebnissen steht, könnte lauten: "Um einen Raum höher wirken zu lassen, sollten sowohl die Decke als auch die Wände in einem hellen Farbton gestrichen werden. Die Bodenfarbe hat keinen Einfluss auf die wahrgenommene Raumhöhe."