50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika: Mareike Späth und Céline Molter berichten aus Madagaskar
Nachwuchsforscherinnen der JGU berichten im "Afrika-Spezial" über die Unabhängigkeitsfeiern
29.06.2010
Studierende und Doktorandinnen des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) besuchen im Laufe des Jahres insgesamt neun der siebzehn afrikanischen Staaten, die 2010 ihr 50-jähriges Unabhängigkeitsjubiläum feiern. Aktuell berichten Mareike Späth und Céline Molter im "Afrika-Spezial" auf der Homepage der Universität Mainz über ihre Beobachtungen und die Stimmung in Madagaskar am Wochenende der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten.Madagaskar mit seinen etwa 20,5 Mio. Einwohnern ist nach Indonesien der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat der Welt. Obwohl sich in der seit 1950 von Frankreich unabhängigen Präsidialrepublik afrikanische, indische und ostasiatische Einflüsse begegnen und die verschiedenen Regionen des Landes auch um Macht und Ressourcen konkurrieren, präsentiert sich der Inselstaat vor der Ostküste Mosambiks im Indischen Ozean gern als kulturell und linguistisch homogene Nation. Der Unabhängigkeitstag - der 26. Juni - wird seit vielen Jahren festlich begangen und ist längst in den populären Festkalender eingegangen.
Seit Beginn des Jahres 2009 befindet sich Madagaskar in einer Regierungskrise. Unterstützt durch das Militär stürzte Andry Rajoelina, der junge Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, den damaligen Präsidenten Marc Ravalomanana und übernahm die Regierungsgeschäfte. Sein Anspruch auf das Präsidentenamt ist jedoch bis heute international nicht anerkannt. Diese andauernde Krise führt zu einer Verschlechterung in allen Lebensbereichen: Die Wirtschaft stagniert, internationale Hilfen sind eingefroren und die Bevölkerung beklagt eine Zunahme von Not und Kriminalität. Auch der Rückhalt des zuerst so gefeierten Rajoelina bröckelt. Jüngst kündigte er an, zum Wohle der Nation nicht bei den noch für dieses Jahr geplanten Wahlen antreten zu wollen. Damit wirbt er für Anerkennung im Land und Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Die Regierungskrise wirft ihren langen Schatten auch auf die Unabhängigkeitsfeiern. Einige Akteure wollen sich nicht an den Feierlichkeiten beteiligen, um eine politische Positionierung zu vermeiden. Andere wollen feiern, aber das Jubiläum von allen politischen Fragen abkoppeln. Ob und wie das Wochenende der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten begangen wurde, berichten Mareike Späth und Céline Molter in ihrem aktuellen Vor-Ort-Bericht aus Madagaskar auf .
Das Projekt "50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird gefördert u.a. durch das Programm "PRO Geistes- und Sozialwissenschaften 2015" der JGU Mainz sowie durch das Forschungszentrum Sozial- und Kulturwissenschaften Mainz (SOCUM) und die Studienstiftung des Deutschen Volkes.
Ziel des Projekts ist die vergleichende Erforschung der teils staatlich gelenkten, teils populären Erinnerungspolitik und -kultur in ausgewählten afrikanischen Staaten. Das "Afrika-Spezial" wird ständig um Beiträge und Bildmaterial erweitert.
