50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika: Vanessa Petzold berichtet aus der DR Kongo
Nachwuchsforscherin der JGU berichtet im "Afrika-Spezial" über die Unabhängigkeitsfeiern
02.07.2010
Studierende und Doktorandinnen des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) besuchen im Laufe des Jahres insgesamt neun der siebzehn afrikanischen Staaten, die 2010 ihr 50-jähriges Unabhängigkeitsjubiläum feiern. Aktuell berichtet Vanessa Petzold im "Afrika-Spezial" auf der Homepage der Universität Mainz über die Unabhängigkeitsfeierlichkeiten in der Demokratischen Republik Kongo.Die heutige DR Kongo war einst Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II., der hier ein brutales und menschenverachtendes System zur Rohstoffausbeutung schaffen ließ. Offizielle belgische Kolonie wurde der Kongo erst im Jahr 1908, was die Situation der einheimischen Bevölkerung allerdings zunächst nur wenig verbesserte. Der Kongo war und ist geprägt durch große ethnische Diversität und durch eine die landesweite Kommunikation erschwerende Topographie: ein kaum passierbarer Regenwald der Größe Deutschlands teilt das Land.
Der Übergang zur Unabhängigkeit, die am 30. Juni 1960 proklamiert wurde, war nicht zuletzt deshalb schwierig, weil die belgische Kolonialpolitik die Herausbildung einer breiteren Schicht gebildeter Kongolesen verhindert hatte. Dadurch kam dem internationalen wie nationalen Militär von Anfang an eine zentrale Bedeutung in der Politik zu. Die Macht im Land war und ist stets umkämpft: Der erste Premierminister Lumumba wurde ermordet, Mobutu wandte äußerst zwiespältige Methoden zur Sicherung seiner Stellung an; Mobutus Nachfolger Laurent-Désiré Kabila wurde ebenfalls ermordet. Im Jahr 2006 gab es im Kongo erstmals seit 1960 freie Wahlen, in denen Amtsinhaber Joseph Kabila bestätigt wurde. Doch die bereits für 2008 versprochenen Wahlen wurden seither immer wieder verschoben und sollen jetzt 2011 stattfinden.
Vor diesem Hintergrund war zu erwarten, dass das Unabhängigkeitsjubiläum 2010 eine einende Funktion haben und ein Zeichen von Kontinuität und Integration setzen sollte. In ihrem aktuellen Bericht aus dem Kongo lässt Vanessa Petzold die eher chaotischen Feierlichkeiten Revue passieren.
Das Projekt "50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika" der JGU wird gefördert u.a. durch das Programm "PRO Geistes- und Sozialwissenschaften 2015" der Universität Mainz sowie durch das Forschungszentrum Sozial- und Kulturwissenschaften Mainz (SOCUM) und die Studienstiftung des Deutschen Volkes. Ziel des Projekts ist die vergleichende Erforschung der teils staatlich gelenkten, teils populären Erinnerungspolitik und -kultur in ausgewählten afrikanischen Staaten.
Das "Afrika-Spezial" der Universität Mainz ist im Internet verfügbar und wird ständig um Beiträge und Bildmaterial erweitert.
