50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika: Maximilian Mauer, Julius Liebisch und Marie-Christin Gabriel berichten aus Benin
Nachwuchsforscher der JGU berichten im "Afrika-Spezial" auf der Uni-Homepage über die Unabhängigkeitsfeiern
30.07.2010
Studierende und Doktorandinnen des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) besuchen im Laufe des Jahres insgesamt neun der siebzehn afrikanischen Staaten, die 2010 ihr 50-jähriges Unabhängigkeitsjubiläum feiern. Seit Juni berichten Maximilian Mauer, Julius Liebisch und Marie-Christin Gabriel im "Afrika-Spezial" auf der Homepage der Universität Mainz über die Stimmung im Benin. Hier laufen aktuell die Vorbereitungen für die Unabhängigkeitsfeierlichkeiten am nächsten Sonntag. In der kommenden Woche werden die Studierenden in einem neuen Beitrag dann des Festtag Revue passieren lassen.Benin erlangte am 1. August 1960 seine Unabhängigkeit von Frankreich. Das erste Folgejahrzehnt war durch Instabilität und politische Umbrüche geprägt: Zwischen 1960 und 1970 gab es zehn Präsidentschaftswechsel, darunter fünf gelungene und drei gescheiterte Militärputsche. Im Jahr 1972 putschte sich das Militär an die Macht und verwandelte das Land 1974 in eine marxistisch-leninistische Volksrepublik. In den Folgejahren wurde der Staatsapparat dermaßen ausgebaut, dass in den 1980 Jahren rund 80 Prozent des Staatshaushalts für die Bezahlung der Angestellten aufgewendet werden mussten. Die daraus resultierende Wirtschaftskrise und gesellschaftliche Unzufriedenheit führten zurück in die Mehrparteiendemokratie, deren Verfassung am 28. Februar 1990 verabschiedet wurde.
Dieser friedliche Übergang zu einem Mehrparteiensystem machte Benin zum Vorbild für erfolgreiche Demokratisierung in Afrika. Zwei gravierende Probleme konnten jedoch auch unter der neuen Regierungsform nicht gelöst werden: Der Umbau zu einer produktiven Volkswirtschaft ist bis heute nicht gelungen und seit der Kolonialzeit prägt ein tiefgreifender Kontrast zwischen Nord und Süd das Land. Der Süden hat von der französischen Kolonialherrschaft in vielerlei Hinsicht – Infrastruktur, Bildungssystem etc. – stärker profitiert als der Norden, was bis heute andauernde Entwicklungsungleichgewichte zur Folge hat. Doch regionale Rivalität ist nicht auf die Nord-Süd-Konkurrenz beschränkt, sondern prägt auch die Beziehungen zwischen der offiziellen Hauptstadt Porto-Novo und der de facto Hauptstadt Cotonou, wo die Regierung ihren Sitz hat und die meisten Ministerien angesiedelt sind. Nicht zufällig gehört der Bürgermeister von Porto-Novo einer der größten Oppositionsparteien an.
Die zentrale Feier des Cinquantenaire findet am 1. August 2010 in Porto-Novo statt und es bleibt abzuwarten, ob die Unabhängigkeitsfeiern angesichts der 2011 stattfindenden Präsidentschaftswahlen zur Bühne für den Wahlkampf werden. In der nächsten Woche berichten Studierende der JGU im AFRIKA-Spezial von den Feierlichkeiten vor Ort.
Das Projekt "50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird gefördert u.a. durch das Programm "PRO Geistes- und Sozialwissenschaften 2015" der JGU Mainz sowie durch das Forschungszentrum Sozial- und Kulturwissenschaften Mainz (SOCUM) und die Studienstiftung des Deutschen Volkes.
Ziel des Projekts ist die vergleichende Erforschung der teils staatlich gelenkten, teils populären Erinnerungspolitik und -kultur in ausgewählten afrikanischen Staaten. Das "Afrika-Spezial" der Universität Mainz ist im Internet verfügbar und wird ständig um Beiträge und Bildmaterial erweitert.
