50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika: Konstanze N’Guessan berichtet von der Elfenbeinküste
Nachwuchsforscherin der JGU berichtet im "Afrika-Spezial" über die ivorische Unabhängigkeitsfeier
09.08.2010
Studierende und Doktorandinnen des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) besuchen im Laufe des Jahres insgesamt 9 der 17 afrikanischen Staaten, die 2010 ihr 50-jähriges Unabhängigkeitsjubiläum feiern. Aktuell berichtet Konstanze N'Guessan im "Afrika-Spezial" auf der Homepage der Universität Mainz über ihre Beobachtungen und die Stimmung in der Elfenbeinküste am Wochenende der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten.Die Elfenbeinküste – République de Côte d’Ivoire – feierte am 7. August 2010 ihr goldenes Unabhängigkeitsjubiläum. Im August 1960 hatte Félix Houphouët-Boigny das Land durch eine Unabhängigkeitserklärung an Frankreich formell in die Souveränität geführt. Houphouët-Boignys Herrschaft war zwar zunächst von wirtschaftlichem Erfolg und politischer Stabilität gekennzeichnet, allerdings um den Preis kompromissloser Unterdrückung der Opposition und enger Anbindung an Frankreich in Form von wirtschaftlichen Monopolabkommen und militärischen Verteidigungspakten. Daher rühren die eine wahre Unabhängigkeit bezweifelnden Äußerungen der Opposition um den aktuellen Präsidenten Laurent Gbagbo, historischer Widersacher Houphouëts. Gbagbo stellt seine Machtergreifung und Herrschaft als Projekt der "refondation" der Nation dar, als umfassende Neugestaltung der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Politik im Hinblick auf die echte Emanzipierung von allen "Neokolonialisten".
Die zentrale Frage, die sich für die Erforschung der Jubiläumsfeiern in der Elfenbeinküste stellt, ist die nach den unterschiedlichen Erzählungen und Aufführungen der Erinnerung von Seiten der Houphouëtisten und der Anti-Houphouëtisten. Welcher Narrative bediente sich Gbagbo, um das 50-jährige Jubiläum in einen Festakt für sich selbst als Befreier und wahren Vater einer unabhängigen Nation umzuschreiben? Und wie versuchten die politischen Erben Houphoutëts, dieser Inszenierung Gegenerinnerungen entgegenzustellen? Antworten auf diese Fragen bietet Doktorandin Konstanze N'Guessan in ihrem aktuellen Vor-Ort-Bericht. Sie hat die Unabhängigkeitsfeierlichkeiten am vergangenen Wochenende in der Elfenbeinküste begleitet und beschreibt ihre Eindrücke im AFRIKA-SPEZIAL auf der Homepage der Universität Mainz.
Das Projekt "50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird gefördert unter anderem durch das Programm „PRO Geistes- und Sozialwissenschaften 2015“ der JGU Mainz sowie durch das Forschungszentrum Sozial- und Kulturwissenschaften Mainz (SOCUM) und die Studienstiftung des Deutschen Volkes.
Ziel des Projekts ist die vergleichende Erforschung der teils staatlich gelenkten, teils populären Erinnerungspolitik und -kultur in ausgewählten afrikanischen Staaten. Das "Afrika-Spezial" der Universität Mainz wird ständig um Beiträge und Bildmaterial erweitert.
