50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika: Christine Fricke berichtet aus Gabun
Mainzer Doktorandin berichtet im "Afrika-Spezial" über die Feierlichkeiten zum Cinquantenaire
16.08.2010
Studierende und Doktorandinnen des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) besuchen im Laufe des Jahres insgesamt neun der siebzehn afrikanischen Staaten, die 2010 ihr 50-jähriges Unabhängigkeitsjubiläum feiern. Seit Juli berichtet Doktorandin Christine Fricke im "Afrika-Spezial" auf der Homepage der Universität Mainz darüber, wie sich Gabun auf sein Cinquantenaire am 17. August 2010 vorbereitet. So berichtet sie vom neu eingeführten Tag der Nationalflagge zur Förderung des bürgerlichen Patriotismus, von Ausstellungen, Eröffnungsreden und feierlichen Ansprachen der Politiker des Landes und vom "Fest der Kulturen", dem größten Kulturevent Gabuns, das am ersten Augustwochenende den Auftakt der Festlichkeiten zum Unabhängigkeitsjubiläum darstellte. In den nächsten Tagen erwarten wir Christine Frickes Bericht vom morgigen Unabhängigkeitstag.Wäre es nach Léon Mba, dem ersten Präsidenten Gabuns (1960−67) gegangen, dann wäre die französische Kolonie vielleicht nie unabhängig geworden. Doch nicht nur Mba, auch die politische Elite und die Bevölkerung Gabuns sahen der Unabhängigkeit mit Skepsis entgegen. Der Status als französische Überseeprovinz schien viel eher die Interessen des kleinen, aber ressourcenreichen Landes zu schützen. Dennoch wurde Gabun am 17. August 1960 in die Unabhängigkeit entlassen. Die enge Verbindung mit Frankreich blieb allerdings bis heute bestehen, woraus sich im Land Uneinigkeit darüber ergibt, was genau 2010 gefeiert werden soll. Während die Einen die wirtschaftlichen Erfolge Gabuns und seine friedensstiftende Rolle in der Region loben, bemängeln Andere die ökonomische Abhängigkeit von Frankreich und die häufigen Interventionen des in Gabun stationierten französischen Militärs.
Auch Mbas Nachfolger Omar Bongo Ondimba pflegte enge Beziehungen zu Frankreich. Der Fund großer Erdöl- und Uraniumreserven machte Gabun zum Herzstück des sogenannten Françafrique und zu einem der reichsten Länder Afrikas. Doch mit zunehmenden Reichtumsunterschieden wuchsen auch die internen Konflikte und das französische Militär musste dem Regime immer wieder zu Hilfe eilen, während die Opposition ins Exil ging. Trotzdem gelang es Omar Bongo, sich als spiritueller Führer und Vater der Nation darzustellen, und sein Tod im Juni 2009 hinterließ auch ein symbolisches Vakuum. Vor diesem Hintergrund und der umstrittenen Nachfolge Ali Ben Bongos, Sohn des verstorbenen Präsidenten, kommt dem Jubiläum 2010 besondere Bedeutung zu. Es ist kathartischer, aber auch kontroverser Moment kollektiver Erinnerung, gesellschaftlicher Integration und politischer Legitimation.
Das Projekt "50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird gefördert unter anderem durch das Programm „PRO Geistes- und Sozialwissenschaften 2015“ der JGU Mainz sowie durch das Forschungszentrum Sozial- und Kulturwissenschaften Mainz (SOCUM) und die Studienstiftung des Deutschen Volkes.
Ziel des Projekts ist die vergleichende Erforschung der teils staatlich gelenkten, teils populären Erinnerungspolitik und -kultur in ausgewählten afrikanischen Staaten. Das "Afrika-Spezial" der Universität Mainz wird ständig um Beiträge und Bildmaterial erweitert.
