50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika: Aline Müller und Elena Leyh berichten aus Mali

Mainzer Nachwuchsforscherinnen berichten im "Afrika-Spezial" über die Unabhängigkeitsfeiern

22.09.2010

Studierende und Doktorandinnen des Instituts für Ethnologie und  Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) besuchen im Laufe des Jahres insgesamt neun der siebzehn afrikanischen Staaten, die 2010 ihr 50-jähriges Unabhängigkeitsjubiläum feiern. Bereits seit Ende Juli berichten Aline Müller und Elena Leyh im "Afrika-Spezial" auf der Homepage der Universität Mainz über die Jubiläumsvorbereitungen im westafrikanischen Mali, das heute sein goldenes Unabhängigkeitsjubiläum feiert. In den nächsten Tagen werden die Mainzer Nachwuchsforscherinnen hier auch ein aktuelles Stimmungsbild der heutigen Jubiläumsfeierlichkeiten nachliefern.

Während andere ehemalige französische Kolonien für ihre Unabhängigkeitsfeiern das Datum gewählt haben, an dem Präsident Charles de Gaulle den Staat in die Unabhängigkeit entließ? dies wäre in Mali der 20. Juni 1960?, wird hier der Tag gefeiert, an dem Malis erster Präsident Modibo Keita die Republik unter dem heutigen Namen ausrief. Der Name verweist auf das Königreich Mali (1240-1493), eines der großen mittelalterlichen Reiche am Niger, die die Region dominierten, bevor sie von Truppen aus dem Norden erobert wurden und in kleinere Herrschaftsgebiete zerfielen. Die Wahl dieses Namens drückt Stolz auf das historische Erbe aus, das in arabischen Quellen und in der oralen Erzähltradition erhalten blieb.

Im Jahr 1884 erklärte die Berliner Kongo-Konferenz das heutige Mali zur französischen Einflusssphäre, aber erst 1916, nach der militärischen Niederschlagung von massivem Widerstand, konnte sich die Kolonialmacht tatsächlich etablieren. Gut 40 Jahre später schloss sich der Französische Sudan, das heutige Mali, der sogenannten Mali-Föderation mit Senegal an, die dann zwar offiziell von Frankreich unabhängig wurde, aber de facto weiterhin eng mit dem einstigen Kolonialherren kooperierte. Politische Kontroversen, nicht zuletzt über die Haltung zu Frankreich, ließen die Föderation bald auseinanderbrechen. Der malische Präsident Modibo Keita optierte für ein sozialistisches Regime. Er orientierte sich dabei zuerst an der UdSSR, später an China und trennte alle Bande mit Frankreich. 1968 putschte sich Moussa Traoré an die Macht und errichtete eine Militärdiktatur, die zwar die Wirtschaft liberalisierte, ansonsten aber an Keitas politischem Kurs festhielt. Der Protest, der sich Ende der 1980er Jahre lautstark gegen das Regime regte, wurde zwar blutig niedergeschlagen, doch am 26. März 1991, der heute als Märtyertag gefeiert wird, gelang es Amadou Toumani Touré, Moussa Traoré zu stürzen. 1992 wurde die bis heute gültige demokratische Verfassung eingeführt. Amadou Toumani Touré, der ehemalige Putschist, ist inzwischen gewählter Präsident der demokratischen Republik.

Anders als in vielen afrikanischen Staaten, die das Jubiläumsjahr bereits zum Wahlkampf nutzen, finden in Mali erst 2012 Wahlen statt. Das bietet die Möglichkeit, politische Einheit zu inszenieren. So gaben sich unter dem Motto der nationalen Versöhnung Oumar Hamadoun Dicko und Bocar Moussa Diarra, die Führer der konkurrierenden Parteien PSP und US-RDA, am 1. April 2010 die Hand. Die Jubiläumsfeierlichkeiten sollen nicht nur (partei)politische Gräben überwinden helfen, sondern auch die Integration der verschiedenen Ethnien und insbesondere der im Norden rebellierenden Tuareg in die malische Nation vorantreiben. Doch die Wirtschaftskrise, die weit verbreitete Armut und die damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme werfen einen Schatten auf die geplanten Feiern.

Das Projekt "50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird gefördert unter anderem durch das Programm "PRO Geistes- und Sozialwissenschaften 2015" der JGU sowie durch das Forschungszentrum Sozial- und Kulturwissenschaften Mainz (SOCUM) und die Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Ziel des Projekts ist die vergleichende Erforschung der teils staatlich gelenkten, teils populären Erinnerungspolitik und -kultur in ausgewählten afrikanischen Staaten. Das "Afrika-Spezial" der Universität Mainz ist im Internet verfügbar und wird ständig um Beiträge und Bildmaterial erweitert.

Zum Inhalt der Seite springen Zur Navigation der Seite springen