Respektsperson oder Respektperson? Neues Forschungsprojekt untersucht Sprachvarianten

Kick-off-Treffen zum Projekt "Determinanten Sprachlicher Variation"

30.09.2010

Reden wir von einer "Respektsperson" oder von einer "Respektperson"? Schreiben wir "Carla’s Taverne" oder "Carlas Taverne"? Heißt es "to commit oneself to doing something" oder "to commit to doing something"? Sprachen kennen eine Vielzahl von Varianten, die teilweise lange nebeneinander bestehen, teilweise aber auch dem beständigen Sprachwandel unterliegen. Manche Varianten, die im Sprachgebrauch üblich sind, entsprechen nicht den offiziellen Regeln, andere Varianten setzen sich durch und werden in das Regelwerk übernommen oder gehörten schon immer dazu. Was es genau mit den Sprachvarianten auf sich hat, wie Variation entsteht und was die Wahl einer bestimmten Variante steuert, untersucht ein neues interdisziplinäres Forschungsprojekt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das von Prof. Dr. Britta Mondorf vom Department of English and Linguistics und Prof. Dr. Damaris Nübling vom Deutschen Institut initiiert wurde.

"Das Thema ist bewusst breit gewählt, um das interdisziplinäre Potenzial hier in Mainz zu nutzen und damit auch parallele Phänomene in sprachübergreifenden Kooperationen zu untersuchen", erläutert Projektkoordinator Dr. Matthias Eitelmann. Denn neben zwei germanistischen Teilprojekten sind auch drei anglistische Teilprojekte sowie ein translationswissenschaftliches an den Untersuchungen beteiligt. Das Forschungsvorhaben wird inneruniversitär gefördert. Insgesamt sind sechs Projekte aus den Disziplinen der englischen und deutschen Sprachwissenschaft, Fremdsprachenerwerbsforschung und Translationswissenschaft eingebunden.

Ob wir "Respektsperson" oder "Respektperson", "Einkommenssteuer" oder "Einkommensteuer" sagen: Fragen nach dem Fugen-s gehören zu den am häufigsten nachgefragten Punkten bei der Sprachberatung. Unter der Leitung von Prof. Dr. Damaris Nübling werden diese Schwankungsfälle untersucht und die dahinterstehenden Prinzipien unter die Lupe genommen. Was es mit den kleinen Hilfszeichen wie Apostroph oder Bindestrich auf sich hat, untersucht ein anderes Teilprojekt. "Wir wissen immer noch sehr wenig über diese kleinen Hilfszeichen", erklärt Prof. Dr. Jochen Geilfuß-Wolfgang dazu. Warum backen Wiesbadener Bäcker ein Weltjugendtag's-Brot und nicht einfach ein Weltjugendtagsbrot? Eine populäre Vermutung ist, dass sich die Menschen vermehrt an englischen Schreibweisen orientieren, eine andere, dass durch eine nicht regelgerechte Schreibung Aufmerksamkeit erregt werden soll, besonders im Werbebereich. Solchen Phänomenen möchten die Sprachwissenschaftler u.a. anhand von umfangreichem Belegmaterial und Experimenten auf den Grund gehen.

Die verschiedenen Möglichkeiten, um ein und dasselbe auszudrücken oder zu schreiben, beschränken sich natürlich nicht auf das Deutsche. Anglistische Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler werden im Rahmen eines Teilprojekts sog. Transitivierungsstrategien untersuchen und dabei etwa die Varianten "She worked her way to the top" und "She worked herself to the top" gegenüberstellen. Andere Projekte beschäftigen sich mit Leonard Talmys Kognitiver Semantik und der Frage nach Variation bei Übersetzungen und beim Erwerb bzw. der Anwendung von fortgeschrittenen Fremdsprachenkenntnissen.

Beim Kick-off-Treffen am 4. und 5. Oktober 2010 werden die einzelnen Teilbereiche ihre Forschungsvorhaben vorstellen. Die Veranstaltung findet in der Info-Box auf dem Uni-Campus statt. Interessierte sind herzlich eingeladen.