50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika: Eva Grimm und Helen Okafor berichten aus Nigeria

Nachwuchsforscherinnen berichten im "Afrika-Spezial" über die Unabhängigkeitsfeiern

01.10.2010

Studierende und Doktorandinnen des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) besuchen im Laufe des Jahres insgesamt neun der siebzehn afrikanischen Staaten, die 2010 ihr 50-jähriges Unabhängigkeitsjubiläum feiern. Die Mainzer Studentinnen Eva Grimm und Helen U. Okafor berichten im "Afrika-Spezial" auf der Homepage der Universität Mainz über die Jubiläumsvorbereitungen im westafrikanischen Nigeria, das heute sein goldenes Unabhängigkeitsjubiläum feiert. In den nächsten Tagen werden die Mainzer Nachwuchsforscherinnen hier auch über die Independence Day-Zeremonien auf dem Eagle Square in Abuja, der offiziellen Hauptstadt Nigerias, berichten und ein aktuelles Stimmungsbild der heutigen Jubiläumsfeierlichkeiten nachliefern.

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land in Afrika, von großer regionaler, ethnischer und religiöser Diversität geprägt, und die einzige ehemals britische Kolonie, die 2010 50 Jahre Unabhängigkeit feiert. Mit der Unabhängigkeit verbanden sich große Erwartungen und Hoffnungen für diese wirtschaftlich starke und international einflussreiche afrikanische Nation. Doch Nigeria wird inzwischen häufig als "wankender Riese" bezeichnet – ein Land, das reich an Ressourcen, aber auch an Konflikten ist.
Die Vormachtstellung im subsaharischen Raum verdankt Nigeria vor allem dem wirtschaftlichen Einfluss des Landes aufgrund der reichen Ölvorkommen. Seit den 1970er Jahren sichern die Erdölerlöse die Staatseinnahmen Nigerias, derzeit zu 75 Prozent. Doch hat der Ölboom auch massive Konflikte provoziert: Die lokale Bevölkerung protestiert gegen die in ihren Augen inadäquate Umverteilung der Erlöse und gegen beträchtliche Umweltschäden. Doch nicht nur im Fördergebiet des Niger-Delta, in ganz Nigeria leben zwei Drittel der Bevölkerung trotz des Ölreichtums unterhalb der Armutsgrenze.

Neben massiven Reichtumsunterschieden prägen auch regionale Differenzen und religiöse Gräben das Land. Um den muslimischen Norden und den christlichen Süden zu verbinden und so zur Einheit der Nation beizutragen, wurde 1991 die offizielle Hauptstadt Abuja im Zentrum des Landes erbaut. Auch die nigerianische Kulturpolitik pocht auf "Einheit": "Unity in diversity" ist ihr Motto und die Regierung verspricht Respekt für die diversen Traditionen der offiziell mit mehr als 250 bezifferten ethnischen Gruppen.
International beachtete kulturpolitische Zeichen setzte Nigeria 1977 als Gastgeberland des zweiten pan-afrikanischen World Black and African Festival of Arts and Culture (FESTAC ’77). Das FESTAC-Emblem, die Queen Idia-Maske, gilt noch heute als Symbol für nationale Entwicklung und Kultur. An die Erfolge von FESTAC ’77 will Nigeria jetzt mit den Feiern zum Unabhängigkeitsjubiläum 2010 anknüpfen.

Doch die aktuellen politischen Entwicklungen im Land überschatteten die Festvorbereitungen. Am 5. Mai 2010 verstarb Präsident Umaru Yar'Adua, der einen lang herbeigesehnten Waffenstillstand mit den Rebellen im Niger-Delta ausgehandelt hatte. Die erneuten Probleme in der Ölregion sowie die blutigen Spannungen zwischen Muslimen und Christen im Zentrum Nigerias müssen nun von Interims-Präsident Goodluck Jonathan gelöst werden, bis 2011 Neuwahlen stattfinden.

Das Projekt "50 Jahre Unabhängigkeit in Afrika" der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird gefördert unter anderem durch das Programm "PRO Geistes- und Sozialwissenschaften 2015" der JGU Mainz sowie durch das Forschungszentrum Sozial- und Kulturwissenschaften Mainz (SOCUM) und die Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Ziel des Projekts ist die vergleichende Erforschung der teils staatlich gelenkten, teils populären Erinnerungspolitik und -kultur in ausgewählten afrikanischen Staaten. Das "Afrika-Spezial" der Universität Mainz ist im Internet verfügbar und wird ständig um Beiträge und Bildmaterial erweitert.

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