Kollegiale Kooperation in der Schule. Analysen eines Postulats und seiner Realität
Fachtagung für Verantwortliche aus der Schulverwaltung und Bildungsforscher
24.09.2010
Rund 35.000 Lehrerinnen und Lehrer arbeiten in Rheinland-Pfalz, etwa 660.000 sind es bundesweit. Während sie in ihrer eigentlichen Lehrtätigkeit meist als Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer vor der Klasse stehen, ist in den letzten Jahren die Kooperation unter Lehrkräften für die Steuerung und Entwicklung von Schulen immer wichtiger geworden. Neue Forschungsarbeiten zeigen, dass solche Kooperationen sowohl für die Schulentwicklung als auch für die individuelle Zufriedenheit der beteiligten Lehrkräfte von großem Vorteil sind. Wie genau die kollegiale Zusammenarbeit unter Lehrern funktioniert und welche Empfehlungen sich aus den Forschungen ableiten lassen, stellt die Fachtagung "Kooperation in der Schule. Analysen eines Postulats und seiner Realität" an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in ihren Mittelpunkt."Kooperation ist allgegenwärtig in unseren Schulen und Hochschulen. Aber wie Kooperation gestaltet wird, das war bislang wenig erforscht", erläutert Univ.-Prof. Dr. Franz Hamburger vom Institut für Erziehungswissenschaft der JGU den Stand der Wissenschaft. Hier setzt ein Projekt des Instituts an, das nun nach 4-jähriger Laufzeit zum Ende kommt: Das Praxisforschungsprojekt "Lehrerkooperation", von einer privaten Stiftung finanziert, zeigt am Beispiel von fünf Gymnasien und zwei Gesamtschulen, wie Lehrerinnen und Lehrer in unterschiedlichen Gremien, von der Steuergruppe bis zum Jahrgangsteam, kooperieren. "Wichtig ist, dass man den Schulen Zeit lässt, um auf politische Vorgaben zu reagieren", erklärt Elisabeth Baum, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt. "Jede Schule hat ihre eigene Kultur und Art und Weise, wie sie auf äußere Entwicklungsanlässe reagiert. Das muss beachtet werden."
Bestätigt wurden die Bildungsforscher in ihrer Annahme, dass aus guter Lehrerkooperation auch eine große Motivation entsteht, sich für die Schule zu engagieren. In allen untersuchten Fällen haben die Vorteile der formalen Kooperation etwaige Nachteile überwogen - auch wenn die "Chemie" zwischen den Beteiligten nicht gestimmt hat. "Die verschiedenen Formen der Kooperation unter Lehrkräften haben sich nicht nur für die Schulentwicklung als positiv erwiesen, sondern diese funktionalen Gremien können auch dazu beitragen, die Situation für einzelne Beteiligte in psychologischer und pädagogischer Hinsicht zu verbessern", resümiert Hamburger, Leiter der Arbeitsgruppe Sozialpädagogik und Sprecher des Zentrums für Bildungs- und Hochschulforschung der Universität Mainz.
