Forschungsarbeit zum Restless-Legs-Syndrom mit Förderpreis für Schmerzforschung ausgezeichnet

Kooperation zwischen Universitätsmedizin Mainz und Universitätsmedizin Göttingen

12.10.2010

Kribbeln, Ziehen oder Reißen und ein Bewegungsdrang in den Beinen raubt Betroffenen des Restless-Legs-Syndroms (RLS) den Schlaf. Besonders abends und nachts quält sie die Ruhelosigkeit ihrer Beine. Dabei gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Doch die lindernde Behandlung muss genau auf die speziellen Formen des RLS abgestimmt sein. Welche Therapie ist am besten geeignet? Mit einfachen Tests konnten Forscher der Universitätsmedizin Göttingen um Dr. Cornelius Bachmann in der Abteilung Klinische Neurophysiologie in einer Kooperation mit Dr. Roman Rolke von der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz jetzt Antworten auf diese Frage finden.

Mit Hilfe sensorischer Tests stellten sie fest, welche sensorischen Profile Patienten mit einem sog. primären und einer Form des sekundären Restless-Legs-Syndrom aufweisen und welche Therapie am ehesten für den jeweiligen Patienten geeignet ist. Die Forschungsergebnisse sind Anfang 2010 im Wissenschaftsmagazin "Brain" erschienen. Für ihre Arbeit wurden die Forscher aus Göttingen und Mainz beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit dem mit €3.500 dotierten 2. Preis der Kategorie Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2010 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. vergeben. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

Welche Medikamente helfen?

Die Ursachen für die unangenehmen Empfindungen in den Beinen können unterschiedlich sein. Entsprechend helfen unterschiedliche Medikamente. Patienten, die ein sekundäres Restless-Legs-Syndrom verbunden mit einer Erkrankung feiner Nervenfasern haben, helfen eher Medikamente gegen Nervenschmerzen. Patienten mit einem primären Restless-Legs-Syndrom profitieren eher von Wirkstoffen, die wie der Nervenbotenstoff Dopamin wirken. Um die verschiedenen Formen des Restless-Legs-Syndroms zu unterscheiden, wandten die Forscher die Quantitative Sensorische Testung (QST) an. Mit einer Reihe einfacher Tests - z.B. Wärmeempfindung und Empfindlichkeit für spitze oder stumpfe Reize und Druck - ermittelten sie im Rahmen des von der Deutschen Restless Legs-Vereinigung (RLS e.V.) geförderten Projekts ein Profil des jeweiligen Patienten.

Das Ergebnis: Zwar waren alle Patienten besonders empfindlich für stumpfen Druck und spitze Reize, aber Patienten mit Nervenerkrankung hatten erhöhte Kalt-Warm-Wahrnehmungsschwellen im Vergleich zu anderen Patienten und gesunden Kontrollpersonen. Patienten mit Restless-Legs-Syndrom und ohne Erkrankung der feinen Nervenfasern nahmen Vibrationen und Druck auf die Muskulatur stärker wahr. "Wir können so einfach und unblutig ermitteln, welche Therapie für einen Patienten am ehesten geeignet ist", erklärt Dr. Bachmann. "Die Studienergebnisse geben uns Hinweise auf den beim Restless-Legs-Syndrom bestehenden Mechanismus einer sog. zentralen Sensibilisierung als Hinweis auf eine erhöhte Erregbarkeit des zentralen Nervensystems."