Benin ehrt Mainzer Ethnologen und Afrikaforscher Thomas Bierschenk

Thomas Bierschenk erhält für seine Verdienste um die Wissenschaftskooperation den Titel eines Chevalier de l'Ordre National du Bénin

13.10.2010

Für seine Verdienste um die Wissenschaftskooperation zwischen Deutschland und Benin ist Prof. Dr. Thomas Bierschenk vom Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit dem Titel eines Chevalier de l'Ordre National du Bénin ausgezeichnet worden. Bierschenk ist seit 25 Jahren als Forscher in Benin aktiv und gehört im sozialwissenschaftlichen Bereich zu den Autoren, die weltweit am meisten über das westafrikanische Land publiziert haben. Dabei verfolgte er von Anfang an einen Ansatz, der die gemeinsame Forschungsarbeit mit Wissenschaftlern aus Afrika in den Vordergrund stellt und der heute als "Forschen auf Augenhöhe" Schule macht.

"Benin ist ein kleines Wunder: Es gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und hat dennoch eine respektable Mehrparteien-Demokratie errichtet. Das ist eine bemerkenswerte politische Leistung", rühmt Bierschenk die Entwicklung des Landes. In seiner Ansprache zu der Auszeichnung, die am 24. September in der Deutschen Botschaft der beninischen Hauptstadt Cotonou verliehen wurde, sprach der Ethnologe und Afrika-Experte allerdings auch kritische Punkte an. Die große Mehrheit der beninischen Wissenschaftler, so Bierschenk, interessiere sich nur für die sozio-ökonomische Entwicklung im engeren Sinne. "Das hat den einfachen Grund, dass die Forschung weitgehend von der Finanzierung durch die internationale Entwicklungshilfe abhängig ist. Dadurch bleiben wichtige soziale Gegenwartsbewegungen wie beispielsweise der bemerkenswerte Boom des Religiösen oder die beeindruckende Dynamik in der populären Kultur eine Domäne ausländischer Wissenschaftler."

Bierschenk selbst arbeitet als ausländischer Wissenschaftler seit 25 Jahren in Westafrika, hat aber seit jeher die Kooperation mit afrikanischen Wissenschaftlern gesucht und wurde so zum Pionier einer Entwicklung, die sich immer mehr durchsetzt. "Für unsere Studierenden, die häufig in die Entwicklungshilfe gehen, hat das Arbeiten in gemischten Gruppen zum Ziel, Professionalität in komplexen fremdkulturellen Kontexten einzuüben", erklärt der Ethnologe. Und die afrikanischen Studierenden profitieren durch den Kontakt zu ihren deutschen Kommilitonen, die oft versierter in der internationalen wissenschaftlichen Diskussion sind. Am Institut für Ethnologie und Afrikastudien der JGU sind derzeit zwei Doktorandinnen aus Benin tätig, zwei weitere arbeiten in Kooperation mit dem Institut in ihrem Heimatland und eine deutsche Doktorandin verfasst gerade ihre Dissertation zu Benin - insgesamt fünf Dissertationen, die sich in die Forschungsprojekte der Mainzer Ethnologie einreihen. Schwerpunkt dieser Projekte ist die Erfassung der Praktiken und der Berufskultur westafrikanischer Beamter und staatlicher Bediensteter, nicht nur in Benin, sondern in drei weiteren westafrikanischen Ländern, unter dem Oberbegriff "States at Work". Als nächstes werden Bierschenk und seine Mitarbeiter in einem gemeinsamen Projekt mit den Universitäten Göttingen und Halle, das gerade von der DFG genehmigt wurde, die sozialen Auswirkungen der Erdölproduktion in Afrika untersuchen.